Vor wenigen Tagen erst hat der darbende Industriekonzern OC Oerlikon ein Communiqué versandt: Die Verhandlungen mit den insgesamt 24 Banken, bei denen Oerlikon mit einem Konsortialkredit von insgesamt über 2,4 Mrd Fr. in der Kreide steht, würden «voranschreiten», liess der Konzern verbreiten.

Die Wahrheit sieht offenbar weniger rosig aus: Laut Recherchen der «Handelszeitung» sind die Gespräche in den vergangenen Wochen nahezu zum Erliegen gekommen. Grund: Die Konsortiumsführerin, die Citi-Bank, hat die Hälfte der gut 200 Mio Fr., die ihr Oerlikon schuldet, an den Hedge-Fonds Texas Pacific Group weiterverkauft.

Die Gruppe wurde in der Schweiz einem breiteren Publikum mit den Übernahmen von Bally (1999) und Gate Gourmet (2002, aus dem Swissair-Nachlass) bekannt.

Wird gar auf Pleite spekuliert?

Jetzt sitzt also auch Texas Pacific in der Causa OC Oerlikon am Verhandlungstisch - und verzögert gemäss gut informierten Kreisen die Gespräche. Warum, das ist selbst Insidern nicht klar.

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Einige vermuten, dass der Hedge-Fonds es auf schnelles Geld an der Börse abgesehen hat. Andere glauben, er wolle gemeinsam mit Citi oder im Alleingang eigene Aktionäre bei Oerlikon in Stellung bringen. Wieder andere gehen davon aus, dass Texas Pacific auf einen Konkurs des Industriekonzerns spekuliert, um dann billig Firmenteile aus der Konkursmasse erwerben zu können.

«Dass Citi einem Hedge-Fonds die Tür geöffnet hat, verkompliziert die ganze Sache unnötig», ärgert sich ein Insider. Die Citi liess die Frist für eine Stellungnahme auf die Vorwürfe ungenutzt verstreichen. Auch Oerlikon gab keinen Kommentar ab.

Lösung lässt auf sich warten

Ursprünglich wollte Oerlikon bereits am 16. März über die Ergebnisse zum Geschäftsjahr 2009 informieren - und bei dieser Gelegenheit auch die lang ersehnte Lösung mit den Banken präsentieren. Doch Oerlikon läuft die Zeit davon. Die Jahreskonferenz wurde kürzlich auf den 1. April verschoben.

Lässt die Lösung mit den Banken auf sich warten, drohen bei Oerlikon in nicht mehr allzu ferner Zeit die Lichter auszugehen. «Die Gefahr besteht, dass Gläubiger die Lage falsch einschätzen, zu hoch pokern und das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit schicken», befürchtet der Insider.

Neben Citi haben auch andere Gläubigerbanken ihre Schulden weiterverscherbelt. Die deutsche WestLB - eine deutsche Landesbank, die in der Finanzkrise in massive Schwierigkeiten geraten war und gerettet werden musste - hat gemäss informierten Kreisen ihre Gesamtschulden von 150 Mio Fr. an verschiedene Hedge-Fonds verkauft.

Der Oerlikon-Grossaktionär Renova ist über den Verlauf der Bankgespräche «not amused», wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist. Die Beteiligungsgesellschaft des russischen Industriellen Viktor Vekselberg, der rund 45% an Oerlikon hält, hat zwar erklärt, die geplante Kapitalerhöhung beim Industriekonzern notfalls im Alleingang zu tragen, also als «Underwriter» zu agieren. Aber ausnutzen lassen wolle man sich nicht. «Auch ein langfristiger Investor ist letzten Endes nur ein Investor», formuliert es ein Unternehmenskenner.

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Mit anderen Worten: Renova wird kaum als einzige Beteiligte frisches Geld einschiessen, wenn die Banken Oerlikon nicht entgegenkommen und Schulden erlassen.

Renova will wieder investieren

Wie weit Renova geht, um die Oerlikon-Beteiligung zu sichern, wird sich weisen. Fakt ist jedenfalls, dass die russische Beteiligungsgesellschaft mittlerweile wieder auf der Suche nach neuen möglichen Investitionen in Industriefirmen ist. Tim Summers, ehemaliger Manager beim britisch-russischen Ölkonzern TNK-BP und Renova-Vizepräsident, soll Einsitz in den Verwaltungsrat des Industriekonzerns Sulzer nehmen, an dem Renova mit rund 31% beteiligt ist.

Tim Summers wird den Verwaltungsratssitz von Renova-Manager Urs Meyer übernehmen. Meyer tritt an der nächsten Generalversammlung von Sulzer zurück und wird sich in nächster Zeit verstärkt mit möglichen Übernahmegelegenheiten für Renova beschäftigen - auch in der Schweiz.

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