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Banken: Schon folgt der nächste Schritt

Swissfirst und die Bellevue-Gruppe machen gemeinsame Sache. Die Konkurrenz bleibt vorerst cool.

Von Daniel Hügli
am 14.09.2005

Das neue Kapitel im Konsolidierungsprozess der Schweizer Bankenszene kommt früher als erwartet. Nur eine Woche nach der Übernahme der UBS-Privatbanken durch die Julius Bär Holding und dem Einstieg der Grossbank beim Zürcher Vermögensverwalter geben die Swissfirst und die Bellevue-Gruppe ihren Zusammenschluss bekannt. Nun betrifft die Konzentration in der Branche auch die so genannten Finanzboutiquen.

Die Swissfirst übernimmt für 300 Mio Fr. das operative Geschäft der aus der Bellevue Bank und der Bellevue Asset Management bestehenden Bellevue-Gruppe. Im Gegenzug werden die Aktionäre der Bellevue maximal 50% an der Swissfirst halten. Etwa die Hälfte dieser Grösse werden die «Altaktionäre» der Swissfirst rund um den alten und neuen CEOThomas Matter sowie die Publikumsaktionäre halten.

Nicht nur zeitliche Parallelen sind zum Bär-Deal auszumachen. Ähnlich wie bei der Privatbank erwartete die Branche eher eine Anlehnung vonSwissfirst an einen grösseren Partner. Denn bei der Swissfirst entwickelten sich Geschäfte und Aktienkurs zeitweise gegenläufig zum Marktgeschehen. Mitten im Börsenniedergang 2001 und 2002 noch erstaunlich solid, nahmen die Erträge zunehmend ab, die Kosten schwollen an. Der Aktienkurs halbierte sich von Mitte 2001 bis Mitte 2005 auf 50 Fr. Mit einem Ausbau des Private Banking wurde Gegensteuer gegeben.

OZ und BZ als Mitstreiter

Anfang Jahr machten indes Gerüchte um ein Zusammengehen vonSwissfirst und der ähnlich positionierten OZ Holding die Runde. Denn die Swissfirst war mit 5% beim Broker aus Pfäffikon SZ eingestiegen. Dieser gibt sich heute gelassen, nachdem die Karten im Markt neu gemischelt wurden: «Offensichtlich ist der Konsolidierungsdruck bei einigen Instituten grösser als angenommen», kommentiert OZ-Verwaltungsratspräsident Erwin Heri die jüngsten Entwicklungen in der Schweizer Bankenbranche. Zur neuen Ausgangslage mit dem grösser gewordenen Konkurrenten sagt er: «Wir stehen nicht wirklich unter Druck. Wir sind mit unserer tiefen Kostenquote gut aufgestellt.» Die OZ mache sich aber immer Gedanken wegen des Wachstums, sei es organisch oder mittels Akquisitionen, so Heri. Die OZ hat ein relativ breit gestreutes Aktionariat: Neben der Swissfirst halten auch die Zürcher Kantonalbank und die Liechtensteinische Landesbank Anteile von etwas über 5%, während die OZ-Mitarbeiter etwas über 10% halten. Grösster Aktionär ist die Pensionskasse der Siemens-Gesellschaften in der Schweiz mit einem Anteil von 15%.

Auch die BZ Bank von Martin Ebner hat ein ähnliches Business-Modell wie Swissfirst und OZ Holding. «Die Konsolidierung ist im Gange und wird weitergehen», sagt BZ-Sprecher Ralph Stadler. «Ein Zusammenschluss oder eine Anlehnung ist für uns aber kein Thema. Wir haben die ideale Grösse für unsere Geschäftstätigkeit.» Keine Aufregung herrscht auch bei anderen Instituten. Es sei jetzt ein Akteur weniger auf dem Markt, allenfalls könne man auch von abspringenen Kunden profitieren, so vielerorts der Grundtenor. Das Corporate-Finance-Geschäft ist sowieso massiv zurückgefahren worden, etwa bei Julius Bär und Vontobel.

Die Swissfirst-Aktie reagierte mit einem Sprung von über 30% auf den Deal. Bereits einen Tag vor der Bekanntgabe wurden im Titel ausserordentlich hohe Volumen registriert. Der Zusammenschluss des Private Banking und Investment Banking der Swissfirst mit ihren Brokerage-, Corporate-Finanance- und Derivate-Business sowie den Bellevue-Geschäften Brokerage und Asset-Management mit den Beteiligungsgesellschaften (BB Biotech, BB Medtech) wird als guter «Fit» beurteilt.

Bellevue: Illustre Geschichte

«Ein guter Deal mit hervorragenden Leuten» ist in der Branche zu hören. Beide Gesellschaften erwirtschafteten im 1. Semester fast den genau gleichen Bruttogewinn (über 28 Mio Fr.), die Kosten bei der Bellevue sind indes um die Hälfte tiefer. Daher werden auch einige kritische Stimmen laut: Eine Fusion ohne Kostensynergien (es werden keine Stellen abgebaut) mache wirtschftlich nicht viel Sinn.

Mit der Übernahme der Bellevue-Geschäfte durchdie Swissfirst geht auch ein Kapitel Schweizer Bankgeschichte zu Ende. Der ehemalige BZ-Banker und vor 5 Jahren tödlich verunglückte Ernst Müller-Möhl gründete die Bank am Bellevue im Jahr 1993. Auch der zukünftige VR-Präsident der neuen Swissfirst und jetzige Geschäftsleiter der Bank am Bellevue, Martin Bisang, war dabei und ging zuvor bei Ebner in die Lehre. Rolf Soiron (heute VR-Präsident von Holcim und Nobel Biocare) und Giorgio Behr (VR-Präsident vonSaurer), der heute noch im VR der Bank am Bellevue sitzt, waren 1993 ebenso zugegen wie der ehemalige Swtach-Manager Ernst Thomke. Er amtiert heute noch als VR der Beteiligungsgesellschaft BB Medtech.


Nachgefragt: «Ertragssynergien im Vordergrund»

Thomas Matter ist neuer und alter CEO der Swissfirst, deren verwaltete Vermögen sich nach der Übernahme des operativen geschäfts der Bellevue-Gruppe auf rund 10 Mrd Fr. verdoppeln. Die vergrösserte Bank will jetzt in erster Linie organisch wachsen.

Was war der Beweggrund für den Zusammenschluss der Swissfirst und der Bellevue-Gruppe? Ziel ist es, das Know-how beider Gruppen zu bündeln und sich als innovativer

Nischenanbieter im Schweizer Kapitalmarkt zu stärken.

Ändert sich durch die Übernahme die Strategie der Swissfirst? Im Vordergrund stand ja zuletzt der Ausbau des Private-Banking-Geschäftes. Nein. Das stark wachsende Private Banking der Swissfirst Bank in Zürich, Basel, Zug und Vaduz wird durch den Zusammenschluss mit der Bellevue-Gruppe profitieren und neben Asset Management und Investment Banking ein wichtiges Standbein der neuen Gruppe darstellen.

Wo liegen die Synergien, wenn keine Kosteneinsparungen etwa durch Stellenabbau geplant sind? Bei dieser Transaktion stehen klar Ertragssynergien im Vordergrund. Die hohe Komplementarität wird unsere Schlagkraft deutlich erhöhen. Sofern Kosten eingespart werden können, werden wir dies tun. Dieses Element war klar nicht treibende Kraft dieser Transaktion.

Die Angestelten der Bellevue-Gruppe haben jetzt einen Arbeitgeber, der mit dem Börsendruck umgehen muss. Besteht die Gefahr einer Abwanderung von Mitarbeitern? Erstens: Durch die hohe geforderte Transparenz im Bankenbereich sind die Schweizer Banken jetzt schon de facto public. Zweitens: Mit diesem Schritt verfolgen wir langfristige Ziele. Die Swissfirst und die Bellevue ergänzen sich. Es wird eine Gruppe mit einer Kultur geben. Wir gehen davon aus, dass die guten Leute ­ die zugleich auch Aktionäre sind ­ gerne bei uns bleiben werden und dass wir auch künftig ein attraktiver Arbeitgeber sein werden.

Die Swissfrist-Aktie legte nach Bekanntwerden des Zusammenschlusses um über 30% zu. Die Erwartungen an das neue Unternehmen sind hoch. Sie verstehen, dass ich unseren eigenen Aktienkurs nicht kommentieren darf. Nur so viel: Die angekündigte Transaktion findet offenbar das Wohlwollen der Finanzgemeinde.

Sehen Sie weitere Akquisitionen?

Mit diesem Zusammenschluss erhöht sich die kritische Masse signifikant. Ziel ist nun, organisch zu wachsen.

Die kombinierten Geschäfte von Swissfirst und Bellevue hatten einen Reingewinn von etwa 46 Mio Fr. im 1. Halbjahr. Was sind Ihre Gewinnschätzungen für 2006? Wie immer geben wir hierzu keine Prognosen.

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