Manch ein Banker dürfte sich an seine Schulzeit erinnert fühlen - an den Tag, an dem jeweils mit grosser Erwartung, aber auch etwas bange das Zeugnis erwartet wurde. Die europäischen Banken bekommen ihr Zeugnis am Freitagabend:  Die Bankenaufsicht EBA in London und die nationalen Behörden legen dann die Daten für 91 Kreditinstitute vor.

Der Stresstest untersucht anhand hypothetischer Szenarien, wie eine Bank für den Krisenfall gerüstet ist: Einbruch von Wirtschaft und Aktienmärkten, höhere Zinsen für frisches Geld. Wer im schlimmsten Fall nicht mindestens 5,0 Prozent hartes Kernkapital übrig hat, ist durchgefallen.

Als Wackelkandidaten gelten vor allem die spanischen Sparkassen sowie Institute in den kriselnden Euro-Staaten Griechenland, Portugal und Irland. In Deutschland sollen die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB nur knapp bestanden haben.

Die EU-Staaten verlangen von Durchfallern, dass sie sich bis Jahresende mit frischem Kapital versorgen. Schafft ein Institut das nicht, sollen die Regierungen wie schon in der Finanz- und Bankenkrise in die Bresche springen.

Mit dem Stresstest will die Politik das Vertrauen der Märkte in die Finanzbranche stärken. In einer ersten Runde waren im vergangenen Jahr lediglich sieben Geldhäuser gescheitert, darunter die verstaatlichte deutsche Hypo Real Estate (HRE).

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Damals hatte es erhebliche Kritik gegeben, dass die Tests zu lasch gewesen seien. Denn kurz nach dem damaligen Test mussten irische Banken, die im Stresstest noch unauffällig waren, mit Milliardenbeträgen vom Staat vor dem Kollaps gerettet werden.

(cms/kgh/sda)