Europas Banken suchen einem Pressebericht zufolge händeringend nach Auswegen aus ihren sich zuspitzenden Finanzierungsproblemen. Wie das «Wall Street Journal» berichtete, entwickeln die Institute komplizierte Konstrukte, um zumindest von der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin Geld zu bekommen. Dabei geht es darum, Anlagen zu schaffen, die die Notenbank als Sicherheit akzeptiert.

Diese Tauschgeschäfte könnten ein neues systemisches Risiko bedeuten, hatte laut Zeitung die britische Finanzaufsicht bereits im Juli gewarnt.

Andere Finanzierungsquellen als die EZB sind für viele Banken angesichts der zunehmenden Verunsicherung über die Auswirkung der europäischen Staatsschuldenkrise weitgehend versiegt. Vor allem US-Geldmarktfonds ziehen zunehmend Kapital ab. Ausserdem leihen sich die Banken unter einander immer weniger Geld. Stattdessen parken sie es lieber bei der EZB. Dafür gibt es zwar kaum Zinsen, es verspricht aber eine höhere Sicherheit.

In der Finanzkrise 2008 war der direkte Handel zwischen den Banken praktisch zum Erliegen gekommen. Hauptgrund für das Misstrauen war das starke Engagement einzelner Institute in Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten gewesen. Die Folgen hatte auch die Realwirtschaft gespürt, weil die Banken kaum noch Kredite vergeben hatten.

Umtausch in als sicher eingestufte Papiere

Konkret geht es bei den neuen Konstrukten zur Sicherung der Liquidität darum, illiquide Anlagen, etwa Unternehmenskredite ohne Investmentstatus, in von der EZB als sicher eingestufte Papiere umzutauschen, etwa in Staatsanleihen. Das geschieht laut Zeitung dadurch, dass die Institute die heiklen Papiere an Investmentbanken und Versicherungen geben und im Gegenzug Wertpapiere bekommen, die die EZB als Pfand akzeptiert.

«Das ist eine Möglichkeit, deine Liquidität zu verbessern und nichtliquide Papiere liquide zu machen», zitierte das Blatt einen Manager der gerade zerschlagenen belgisch-französischen Bank Dexia. Bankenmanager wie derdeutsche Commerzbank-Chef Martin Blessing kritisieren seit langem, dass die EZB viele Unternehmenskredite anders als Staatsanleihen nicht als Sicherheiten akzeptiert.

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Europas grösster Versicherer Allianz rechnet sich bereits Chancen aus, von den Problemen der Banken zu profitieren. Als langfristiger Anleger könne die Allianz von den Banken Vermögenswerte wie langfristige Hypotheken übernehmen, die die Geldinstitute wegen der verschärften Kapitalanforderungen losschlagen müssten. Damit will der Versicherer die Niedrigzinsen für Staatsanleihen teilweise ausgleichen, wie Vorstandsmitglied Oliver Bäte vor wenigen Tagen erklärte.

(tno/awp)