Auf den ersten Blick ist es irritierend. Die UBS-Aktie erholt sich kräftig, obwohl die Grossbank erst am Montag den ersten Quartalsverlust seit neun Jahren angekündigt hat. «Bei der UBS-Aktie zeichnet sich jetzt eine Trendwende ab», erklärt Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Schon fast wieder vergessen scheint der Schock: UBS muss im 3. Quartal rund 4 Mrd Fr. abschreiben, wobei der grösste Teil auf die Altlasten aus dem Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management (DRCM) entfällt, der sich im US-Subprime-Markt verspekuliert hat.
Warum sich die UBS so stark im kriselnden Hypothekenmarkt engagieren konnte, ohne dass es intern Warnsignale gegeben hat, fragt sich nicht nur die Ratingagentur S&P, die wegen des Risikomanagements das Rating für die UBS von «AA+» auf «AA» gesenkt hat. Die Rückstufung spiegle in erster Linie die Besorgnis bezüglich der Effektivität des Risikomanagements.
Seit der Schliessung des hauseigenen Hedge-Fonds im Mai 2007 wurden zahlreiche Führungspositionen bis hin zum Chefsessel neu besetzt. CEO Marcel Rohner hat nun auch auf «absehbare Zeit» die Leitung der Investmentbank übernommen. Die Division soll umstrukturiert werden, damit verbunden ist ein Abbau von 1500 Stellen bis Ende Jahr.

CS hat es früher erkannt

Einen besseren Riecher für den US-Subprime-Markt hatte die Credit Suisse. «Im Gegensatz zur UBS hat sie bereits seit dem 4. Quartal 2006 gegen den US-Subprime-Markt gewettet», erklärt Javier Lodeiro, Analyst bei Sal. Oppenheim. Dafür sei die Credit Suisse im Geschäft mit kreditfinanzierten Übernahmen mehr Risiken eingegangen. Die Kreditkrise wird sich ebenfalls im Resultat der Credit Suisse im 3. Quartal niederschlagen, auch die Deutsche Bank hat Abschreiber in Aussicht gestellt (siehe Box).
Die Abschreibungen der UBS lagen klar über den Schätzungen der Analysten. «Sie dürften gut reichen, wenn die Marktbedingungen stabil bleiben», so Lodeiro, «verschlechtert sich die Lage aber nochmals signifikant, könnte das 4. Quartal weitere Abschreibungen nach sich ziehen.»
Anders als die Analysten haben die Marktteilnehmer im Vorfeld noch viel Schlimmeres befürchtet. «Die Flüsterschätzungen für die Abschreibungen lagen bei bis zu 12 Mrd Fr.», sagt Markus Bächtold, Analyst bei Clariden Leu. Überhaupt seien in den Aktienkursen der Bankentitel bereits viele negative Erwartungen enthalten. In den letzten sechs Monaten hat sowohl die UBS-Aktie als auch der Titel der Credit Suisse 10% verloren. Nun erholen sich die Aktien von den herben Verlusten. Die Offenlegung der Verwüstungen hat den Investoren Klarheit gebracht. «Jetzt wissen die Anleger, woran sie sind», meint Bächtold. Denn für die Börse gibt es nichts Schlimmeres als Unsicherheit.

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Boden langsam erreicht

Georg Kanders, Analyst bei der WestLB, spricht von einem Stimmungswechsel gegenüber den Bankaktien. Dies sei ein Zeichen, dass der Sektor an einem Wendepunkt stünde. «Ich denke, dass der Boden nun mehr oder weniger erreicht ist», meint auch Markus Bächtold von Clariden Leu.
Andreas Venditti von der ZKB stellt ebenfalls eine Veränderung bei der Wahrnehmung fest: «Es sieht so aus, dass die ganze US-Subprime-Geschichte etwas in den Hintergrund rückt und nun vermehrt wieder die positiven Aspekte wahrgenommen werden.» Generell stünden bei den Investoren nicht mehr die Verluste wegen der Abschreiber, sondern vielmehr die künftige Ertragsentwicklung im Vordergrund.
Die UBS oder die Credit Suisse sind dabei mit den beiden stabilen Ertragspfeilern Asset Management und Private Banking breit abgestützt. «Und auch im Investment Banking gibt es verschiedene Bereiche, die wenig von der Krise betroffen sind», so Venditti.
Besorgt über die Gewinnentwicklung bei den Banken zeigt sich dagegen einzig Philip Isherwood, Analyst bei Dresdner Kleinwort: «Die Risiken sind gestiegen.» Am Ende hinge es davon ab, wie lange die Kreditkrise noch andauert.

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Abschreibungen

UBS
Im 3. Quartal erwartet die UBS einen Verlust vor Steuern zwischen 600 und 800 Mio Fr. Wegen des Verlusts dürfte der Konzerngewinn für das Jahr 2007 sehr wahrscheinlich tiefer ausfallen als im Vorjahr.

Credit Suisse
Auch das Ergebnis der CS wird beeinträchtigt. Es gebe aber keine Anzeichen, dass das Ergebnis im 3. Quartal «ausserhalb einer Bandbreite von plus oder minus 20% von 1,3 Mrd Fr. liegen wird». Deutsche Bank Wegen Neubewertungen von Kreditzusagen hat der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bereits vor Wochen auf einen Abschreibungsbedarf hingewiesen, der sich im 3. Quartal auswirkt. Citigroup Die Bank rechnet für das 3. Quartal mit einem Gewinneinbruch von 60%. Es müssen Abschreibungen von rund 3 Mrd Dollar vorgenommen werden. Im 4. Quartal wird eine Normalisierung erwartet.