Vorschusslorbeeren wollte CEO Jost Sigrist nicht, als er im vergangenen September das Ruder des angeschlagenen Maschinenbauers Schlatter übernahm. Nun stehen die Halbjahresresultate an. «Wir sehen keinerlei Anzeichen, dass sich in unserem Geschäftsbereich eine Krise manifestieren würde», sagt Sigrist im Gespräch mit der «Handelszeitung». Gewisse Märkte litten unter der Schwächephase des Immobilien- und Bausektors, vor allem Spanien und die USA. Schlatters Aktivitäten in den USA sind praktisch zu vernachlässigen. Dagegen spüre man das zögerliche Verhalten der spanischen Kunden. «Dieser Markt ist praktisch weggebrochen», bestätigt Sigrist, ergänzt aber: «Wir konnten den Rückgang durch andere Märkte kompensieren.» Vor allem in Osteuropa, Asien und Südamerika sei das Kundenverhalten nach wie vor ausgezeichnet.

Auch aus eher konsumentennahen Märkten wie der Papierindustrie empfängt Sigrist nach wie vor positive Signale – weil Schlatter den Kunden nach Asien gefolgt ist und alle neuen Werke, die in Asien eröffnen, beliefert.

«Unsere Ziele sind erreichbar»

Mittelfristig soll Schlatter eine Ebit-Marge von 8% – guter Durchschnitt für einen Maschinenbauer – sowie ein jährliches Umsatzwachstum von 3 bis 5% erreichen. Sigrist hält an dieser Guidance fest. Auch wenn die generellen Aussichten für das 2. Halbjahr und vor allem für 2009 sich eintrüben. «Wenn ich die Zeitungen lese, müsste ich enorm verunsichert sein. Wenn ich unsere Firma betrachte, fühle ich mich relativ gut», sagt Sigrist. Natürlich hätten die Verwerfungen an den Finanzmärkten das Kundenverhalten beeinflusst. «Nicht allen Kunden geht es gleich gut, die Banken zeigen sich heute restriktiver bei der Kreditvergabe», weiss Sigrist. «Aber ich glaube, mittel- und langfristig sind unsere gesteckten Ziele erreichbar.»

Anspruchsvolle Beschaffungslage

Schlatter fährt nach wie vor unter Volllast. Erschwerend hinzu kommt die angespannte Situation auf der Zuliefererseite. «In einzelnen Bereichen konnten wir die Prozesse anpassen beziehungsweise standardisieren, aber generell ist es immer noch anspruchsvoll, Material und Komponenten in kurzer Zeit zu erhalten», sagt Sigrist. Zudem seien die Preisverhandlungen aufgrund deren Auslastung und der steigenden Rohstoffpreise nicht ganz einfach.

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Akquisitionen stehen nach wie vor nicht zuoberst auf Sigrists Prioritätenliste: «Wir müssen zunächst unsere Hausaufgaben erledigen damit wir in der Lage sind, einen Zukauf überhaupt zu integrieren», erklärt der CEO. «Zudem haben die Firmen in der jüngeren Vergangenheit gutes Geld verdient und sind nun entsprechend teuer. Zu teuer für unsere Vorstellungen.»

Die Hauptaktivitäten des Unternehmens mit Sitz in Schlieren, das 2007 einen Umsatz von 240 Mio Fr. und einen Reingewinn von 8,4 Mio Fr. erzielte, liegen in den Marktsegmenten Radiatorenindustrie, Gleisbau, Armierungs- und Industriegitter sowie Drahtprodukte. Schlatter legt am 21. August die Semesterergebnisse vor.