Banken und Vermögensverwalter sind besorgt: Ausländische Konkurrenz, magere Performance, Basel II und jetzt noch das Problem Bankgeheimnis. Für praktisch alle Banken gilt: Kosten senken und kooperieren.

Bemerkenswerte Ereignisse sind etwa die Fusion von Lombard Odier & Cie und Darier Hentsch & Cie zu Lombard Odier Darier Hentsch (LODH), zu einer der grössten Privatbanken in Europa. Auch kleinere Häuser suchen Economies of Scale: Die St. Galler Regionalbanken Bank in Bütschwil und Bank in Gossau wollen sich zur Swissregiobank zusammenschliessen. Die Valiant Bank, die Valiant Privatbank, die Aargauer IRB Interregio Bank und die Luzerner Regiobank wurden zur Valiant Holding. Innovative Plattformbanken, wie die PG Partner Bank und PBS Privatbank Schweiz nutzten den Konzentrationstrend zum Schulterschluss mit starken Partnern: Die Partner Bank mit der Banque SCS Alliance und die PBS mit der Clariden Bank.

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Grossbanken und Privatbanken begegnen dem zunehmenden Einfluss europäischer Politik und Gesetzgebung mit dem aktiven Ausbau ihres Onshore-Geschäfts im europäischen Ausland. Bereits 1999 hat die UBS Private Banking Präsenzen in Italien etabliert. Mit einer für die Onshore-Kundschaft attraktiven Produktepalette lässt sich die angestrebte Zielmarkt-Präsenz auch über Kooperationen aufbauen, wie die Julius Bär Holding mit einer Joint-Venture-Vereinbarung im Private Banking mit der italienischen Bankengruppe Credito Valtellinese beweist.

Zunehmender Konsolidierungsdruck

Gerade Vermögensverwalter unterliegen einem zunehmenden Konsolidierungsdruck. Im Trend liegt die Überlebensfähigkeit und nachhaltige Wertmaximierung über Grössenvorteile. Aktuelles Beispiel: Die Vermögensverwalter Messieurs Cramer & Cie und Compagnie Financière Norinvest werden zu Cramer & Cie fusionieren.

Die Jagd ist eröffnet. Passionierte Assetjäger sind die Banken, darunter auch Institute, die bislang eher im Zinsgeschäft prosperierten. Auch Vermögensverwalter sondieren den stagnierenden Markt nach externen Wachstumsoptionen. Mit auf der Pirsch: Ausländische Unternehmen zum preiswerten Einkauf in den attraktiven Finanzplatz Schweiz.

Doch Assets sind ein scheues Wild. Erstens die Kommunikation: Welche Privatbank oder welcher Vermögensverwalter spricht offen über einen Verkauf? Zweitens der Preis: Nie war man sich uneiniger. Verkäufe, als Nachfolgelösung, zur Vermeidung des Exitus oder zwecks Ausnutzung des Konzentrationstrends, harzen derzeit:

- Geeignete Käufer sind zurzeit kaum investitionsgeneigt;

- Biddingpreise aus Shareholder-Sicht sind zu tief;

- Earn-Out-Biddings anstelle von Cash;

- keine Managementkapazitäten für Verkauf (Krise);

- EBK versagt Genehmigung eines guten (exotischen) Käufers.

Zuweilen ziehen Assetjäger auch selbst die Notbremse: Akquisitionsvorhaben zur Hebung von Synergiepotenzialen, zur Verbesserung der Cost-Income-Ratio (CIR) oder als Wachstumsoption im stagnierenden Markt werden aus vielerlei Gründen zurückgestellt:

- Eigene Aktien sind derzeit eine schwache Akquisitionswährung.

- Freeze des Akquisitionskapitals als Operativ-Reserve.

- Politische Rücksichtnahmen im Bankrat.

Kritische Shareholder fordern ein sorgfältiges Abwägen aller Chancen und Risiken. Akquisitionen sollen attraktiver sein als generisches Wachstum oder Aktienrückkauf und dabei bessere Aussichten eröffnen als eine alternative Direktinvestition.

Es geht nichts über Cash

Die Praxis bewertet Vermögensverwalter mit einem gemäss ihrer Qualität zu adjustierenden Prozentsatz auf die AuM und ähnlichen Formeln. Aktuell sind Bandbreiten von 1 bis 3% auf institutionelle und 3 bis 6% auf HNWI-Vermögen. Eine flankierende DCF- und Market-Multiples-Bewertung empfiehlt sich insbesondere wegen ihrer komplexeren Struktur bei den Vermögensverwaltungsbanken. Liegen, bezogen auf die AuM, der Bruttoertrag bei 0,9% und der Gesamtaufwand bei 0,4%, resultiert ein Return on AuM (ROA) von 0,5% (CIR von 44,5%), aus dem sich die relevanten Zahlungsströme ableiten lassen. Mehrheitserwerbe bedingen oft ein Control Premium von 25 bis 50% über Kurs bei kotierten Gesellschaften, bei privaten Gesellschaften darunter.

Key-Value Driver für die Bewertung sind:

- Qualität und Kontinuität des Managements;

- Track Record (Performance, Reputation);

- Kostenstruktur, Saläre, Gewinnbeteiligungen;

- Bankennetz;

- Provisionsstruktur (Retrokommissionen);

- Kunden, Verträge, VV, VA;

- Asset-Struktur (institutionell/privat, onshore/offshore);

- Politically Exposed Persons (PEP) als Kunden;

- Kundentreue, Fluktuation;

- Risikoprofil (Klumpenrisiken?);

- Asset-Erosion nach Übernahme;

- rasche Integration;

- Kundenverträglichkeit alternativer Produkte (Hedge Funds).

Keine erfolgreiche Jagd ohne geländegängigen Spürhund: Unter strengster Diskretion gewährt der Berater vor allem der verkaufenden Partei umfassenden Reputationsschutz, sodass geschäftsschädigende Verkaufsgerüchte nicht erst entstehen. Mit Umsicht und Expertise gestaltet er den weiteren Prozess und führt die Transaktion zum gewünschten Erfolg.