Für die Banken heisst es jetzt, kühlen Kopf zu bewahren. Denn Bankenexperten sind sich einig: Der Finanzplatz Schweiz hat in der Bankgeheimnis-Diskussion den richtigen Weg eingeschlagen. «Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass bei mir im Kanton prozentual mehr Leute wegen Steuerdelikten verurteilt werden als in Deutschland», sagt Georg Hess, Landammann und Finanzvorsteher des Kantons Schwyz. So habe man Ordnung in der Schweiz und bringe, wenn es angezeigt sei, auch ausländische Steuersünder vor Gericht. «Es ist längst nicht so, dass wir jeden Betrüger laufen lassen, wie uns das etwa der frühere deutsche Finanzminister Hans Eichel vorwirft», sagt Hess. Per Oktober wird Hess «Head of Public Affairs» bei Julius Bär. Direkt dem CEO Boris Collardi unterstellt, kümmert er sich um die für Banken wichtigen politischen Fragen.

Keine weiteren Aktivitäten

Dass sich die Schweiz im Kampf um Steuersünder stark engagiert, sieht auch Raiffeisen. «International erfüllen wir mit der Anerkennung der OECD-Standards und den neu ausgehandelten Doppelbesteuerungsabkommen die wichtigsten Anforderungen der Amtshilfe bei Steuerbetrug und Steuerhinterziehung, sagt Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen-Gruppe. Umso mehr bestehe derzeit kein Zeitdruck für weitere Aktivitäten.

Trotz den Bemühungen sei aber damit zu rechnen, dass das Bankgeheimnis verstärkt angegriffen werde - ebenso im Heimmarkt. «Auch in der Schweiz ist mit einer Grundsatzdiskussion über die Unterscheidung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung zu rechnen», sagt Vincenz. Beim Bankkundengeheimnis stehe aber nach wie vor der Schutz der finanziellen Privatsphäre im Vordergrund. «Bevor man dem Ausland weitere Zugeständnisse macht oder im Inland in Aktivismus verfällt, müssen die innenpolitischen Konsequenzen neuer Strategien aufgezeigt werden.»

Anzeige

Auch bei der Verhandlung über einen verbesserten Zugang zum europäischen Markt müsse die Schweiz Ruhe bewahren. Der Deal, der manchen vorschwebt: Die Schweiz erhält Zugang zum EU-Markt indem sie den automatischen Informationsaustausch mit der EU akzeptiert. Doch: «Einen automatischen Informationsaustausch und damit den gläsernen Bürger gegenüber Steuerbehörden wollen wir nicht», sagt Christian Wanner, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz (FDK). Ins selbe Horn stösst der Wirtschaftsverband Economiesuisse. «Der Standort Schweiz lebt von den Werten wie Vertraulichkeit, Verlässlichkeit, Stabilität und Solidität. Den gläsernen Bürger wollen wir nicht», so Geschäftsleitungsmitglied Christoph Schaltegger.

Braucht es den Marktzugang?

Zudem gibt Georg Hess zu bedenken: «Wenn die Schweiz den freien Marktzugang will, dann werden wir im automatischen Nachvollzug sehr viel europäisches Recht übernehmen müssen. Das würde praktisch einem EU-Beitritt entsprechen». Schaue man sich aber die Jahresabschlüsse der Finanzdienstleister an, und vergleiche diese etwa mit deutschen Instituten, «dann kann mir niemand schlüssig aufzeigen, warum die hiesigen Banken und Versicherungen den freien Marktzugang gerade jetzt brauchen», so Hess weiter. Die hiesigen Institute fänden andere Wege, um das Problem des Marktzugangs zu lösen, etwa Kooperationen oder die Gründung von Filialen und Tochtergesellschaften.