Cathay fliegt nach 14 Jahren Unterbrechung wieder von Zürich nach Hongkong. Warum haben Sie so lange pausiert?
Ivan Chu: Nach der Finanzkrise und höheren Ölpreisen hatten wir die Strecke Hongkong–Zürich ausgesetzt. In den vergangenen Jahren haben wir dafür unser Angebot in Asien und nach Nordamerika stark ausgebaut.  Jetzt sind wir wieder in Zürich.

Bisher konnte Swiss die Route allein bedienen. Hat Swiss-Chef Harry Hohmeister Sie schon angerufen, um sich zu beschweren?
Nein. Ich glaube, er ist Wettbewerb gewohnt. Auch wir konkurrieren ja nicht nur mit Swiss.

Kommen Sie nicht zu spät nach Zürich? Auch Emirates, Etihad und Co. haben ihrre Präsenz hierzulande stark ausgebaut.
Wir haben keine Angst vor mehr Wettbewerb. Und wir sind nicht zu spät, auch wenn unsere Verbindung unterbrochen war. Wir kennen das Schweizer Geschäft sehr gut. Nun ist es eine passende Zeit, wieder einzusteigen. Denn der Luftfahrtmarkt wächst, nicht nur in Hongkong, auch in Asien, Australien und Neuseeland. Wir haben in den vergangenen Jahren unser Routennetz substanziell erweitert. Allein in China bedienen wir 23 Ziele.

Was macht die Schweiz so interessant?
Das Land hat sehr viel zu bieten, saubere Luft, tolle Produkte und guten Service. Die Schweiz hat ein fantastisches Image in China. Derweil wächst China weiter, die Menschen verdienen mehr und reisen mehr. Beide Länder ergänzen sich gut.  

Geht es Ihnen darum, viele Chinesen nach Zürich zu fliegen?
Es geht in beide Richtungen. Aber allein der Süden Chinas hat ein Einzugsgebiet von 100 Millionen Menschen – das ist mehr als die Bevölkerung in Deutschland. Schon jetzt sind unsere Flüge nach Europa gut ausgelastet. Natürlich gibt es Menschen, die von Asien  über den Nahen Osten nach Europa reisen wollen. Doch nicht jeder will in der Nacht in den Golfstaaten umsteigen oder in den dortigen Shoppingcentern einkaufen und dann weiterfliegen. Wir glauben, von Hongkong direkt nach Zürich zu fliegen und morgens dort zu landen, ist besonders für Geschäftsleute interessant.

Sie haben primär Geschäftsleute im Blick?
Hongkong und Zürich sind wichtige Finanzzentren. Daher sind es neben Touristen natürlich Geschäftsleute, die wir im Blick haben. Viele Banker haben uns ermuntert, nach Zürich zu fliegen.

In den vergangenen Jahren wurde die Finanzindustrie durchgeschüttelt, musste sparen. Mitarbeiter sind weniger geflogen. Ist die Lage nun besser?
Die vergangenen vier Jahre waren für  Fluggesellschaften nicht leicht. Das hatte auch mit dem hohen Ölpreis zu tun. Aber was die Banker in der Schweiz angeht, sind wir sehr bullish. Sie betreuen viele vermögende Privatkunden. Ich mache mir keine Sorgen ums Geschäft.

Sie bieten auf der Route Zürich–Hongkong eine Premium-Economy-Klasse an. Schmälert das Ihren Gewinn in der First- und Business-Klasse?
Das ist die falsche Denkweise. Wir haben die Premium Economy seit drei Jahren im Angebot und gute Erfahrungen gemacht.  Entscheidend ist, dass wir den Kunden ein neues Produkt bieten, die Auswahl wächst.

Warum soll sich das lohnen? Premium-Economy-Sitze sind teurer als die klassische Economy, aber nur 2 Zentimeter breiter.
Es geht nicht nur um die Sitzbreite, auch die Armlehnen sind breiter, ebenso gibt es deutlich mehr Beinfreiheit und die Sitze lassen sich weiter zurücklehnen.

Kommt das Angebot überall gut an?
Wir haben das Angebot auch im Nahen Osten für zwei Jahre ausprobiert und gemerkt, dass es nicht funktioniert.

Warum? Sind die Kunden dort alle superreich und haben eine Alles-oder-nichts-Einstellung?
(Lacht) Sagen wir es so: Der Markt dort war nicht reif genug. Doch generell stellen wir fest, dass viele KMU-Geschäftsleute sowie Startup-Unternehmer gerne Pre-mium Economy buchen, weil sie ein kleineres Reisebudget haben und nicht Business fliegen wollen.

Seit Jahren schneiden asiatische Airlines in Rankings besser ab als die Konkurrenz aus Europa und den USA. Bieten Europäer und US-Airlines keinen guten Service?
Asiaten sind stolz, guten Service zu bieten. Natürlich gilt das nicht für jedes Restaurant, Hotel oder jede Airline in Asien, aber es gibt eine starke Servicementalität.
 
Cathay steigerte 2014 den Nettogewinn um 20 Prozent, doch die Rentabilität sinkt. Ihre Preissetzungsmacht schwindet. Wie reagieren Sie auf Golf-Airlines sowie Billigfluggesellschaften in Asien?
Es ist schwieriger, wegen der wachsenden Konkurrenz den Ertrag zu halten. Doch wir behaupten uns gut, indem wir zum Beispiel Direktflüge anbieten. Würden wir Kunden auf dem Weg von Zürich nach Hongkong bitten, in Frankfurt umzusteigen, wäre das nicht einfach.
 
Werden die Ticketpreise sinken, nachdem der Ölpreis in den vergangenen Monaten so stark nachgegeben hat?
Wir haben bereits den Kerosinzuschlag auf Sicht von 12 Monaten um 80 Prozent reduziert.

Haben Sie die Ölpreisentwicklung falsch eingeschätzt? Cathay hat einen Grossteil der Kerosinkosten zu deutlich höheren Preisen gehedgt, also abgesichert.
Niemand kann vorhersehen, wie sich der Ölpreis entwickelt. Wir haben rund 60 Prozent unseres Bedarfs für das Jahr 2015  zum Durchschnittspreis von 95 Dollar pro Barrel gehedgt. Derzeit kostet Brent rund 60 Dollar. Langfristig geht der Markt aber von steigenden Ölpreisen aus.

Wo werden Sie nach Zürich noch expandieren in Europa?
Wir erhalten in den nächsten Jahren über 70 neue Flugzeuge, darunter den A350-Flieger von Airbus. Damit werden wir  auch nach Europa fliegen. Wir steigern erst die Frequenz auf bestehenden Routen, bevor wir neue Ziele starten. Allerdings beginnen wir im September eine Nonstop-Verbindung von Düsseldorf nach Hongkong.

Werden Sie nach Genf fliegen?
Das ist schwer zu sagen. Sie müssen bedenken, dass viele asiatische Städte 10 bis 15 Millionen Einwohner haben. Der Einzugsbereich für Passagiere ist also gross. In Europa haben Metropolen hingegen nur 1 bis 2 Millionen Einwohner.

Sie haben also kein Interesse am A380, weil er zu gross ist?
Ich würde niemals nie sagen. Aber im Moment ist der A380 für uns nicht besser als die Flieger, die wir schon haben beziehungsweise bald bekommen werden.

Cathay ist die sicherste Airline der Welt, hat das Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (Jacdec) ermittelt. Hat Cathay bisher Glück gehabt oder was machen Sie anders als die Konkurrenz?
Wir investieren viel in Sicherheit ...

... das sagen alle Airline-Chefs.
Lassen Sie mich einige Beispiele geben. Wir haben einen Sicherheitsbeauftragten, der direkt an mich berichtet. Wir hinterfragen ständig unsere Verfahren. Wir waren eine der ersten Airlines, die ein Anti-Crash-System eingeführt hat. Wir sind auch einen Monat, bevor das Flugzeug von Malaysia Airlines über der Ukraine abstürzte, schon nicht mehr über diese Region geflogen. Sicherheitsexperten hatten uns geraten, diesen Luftraum nicht zu benutzen.

Was lehrt Sie der Germanwings-Absturz? Wird es mehr medizinische Tests für Piloten geben?
Der Germanwings-Fall war sehr schrecklich, aber es war auch ein sehr aussergewöhnlicher und seltener Fall. Unsere Branche wird sich noch intensiver beschäftigen mit dem Thema Flugrouten über Krisengebiete, aber auch mit der ständigen Ortung von Flugzeugen. Ebenfalls wird ein grösseres Augenmerk auf die psychische Verfassung von Piloten gelegt werden.

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