Schweizer Nachwuchsbanker, die 2008 ihre erste Stelle angetreten haben, stehen bezüglich Lohn auf der Sonnenseite. Im Schnitt beträgt ihr Jahreseinkommen in den ersten drei Jahren Berufstätigkeit 107300 Fr. Das ist der Spitzenwert im europäischen Vergleich, und zwar quer durch alle Branchen. Dies geht aus einer statistischen Erhebung von Einstiegssalären hervor, die das auf Personalmanagement spezialisierte Beratungsunternehmen Towers Perrin jährlich durchführt.

Es handle sich dabei nicht um eine Befragung, sondern um eine Vollerhebung von Daten, die direkt aus den Personalsystemen der teilnehmenden Unternehmen bezogen werden, so Martin Hofferberth, Vergütungsexperte bei Towers Perrin. Neben der Schweiz werden in Europa auch die Saläre von Berufseinsteigern und Young Professionals mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Frankreich und Italien untersucht. Unterteilt wird in Berufsgruppen aus den Beschäftigungssektoren Zentralfunktionen, Financial Services, Pharma/Chemie, Hightech-Branche sowie Gesamtmarkt.

Schweiz ist weiter an der Spitze

Profitieren können die Neueinsteiger in der Finanzbranche vor allem von variablen Lohnkomponenten, die in den letzten Jahren ständig gewachsen sind und etwa bei Banken deutlich über dem Niveau in anderen Branchen liegen. Durchschnittlich beträgt dieser Anteil, meistens in Form von Boni, bei Einstiegssalären in der heimischen Finanzbranche 13% des Grundlohns. Bei Hightech-Berufen (vor allem IT) sind es 10%, in der Kategorie Zentralfunktionen 9% und 5% in der Pharma/Chemie. Trotzdem gehören auch junge Berufsleute in dieser Branche zu den Lohngewinnern. In keinem anderen Sektor sind die Grundlöhne zuletzt so stark gewachsen.

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Die Tendenz zu immer höheren variablen Lohnkomponenten sei quer durch alle untersuchten Länder in allen Branchen feststellbar, sagt Martin Hofferberth. Im Vergleich mit den europäischen Referenzstaaten stehen die Schweizer Einstiegssaläre nach wie vor unbestritten an erster Stelle. Die Unterschiede variieren je nach Branche. Während die Schweizer Löhne bei Financial Services, Zentralfunktionen und Hightech deutlich über dem ausländischen Niveau liegen, ist das Grundsalär für Einsteiger in der deutschen Pharma/Chemie praktisch auf Schweizer Niveau.

Generell ist der Lohnvorsprung der Schweiz gegenüber dem europäischen Ausland in den letzten Jahren leicht geschmolzen. «In Bezug auf das Wachstum der Startsaläre im Mehrjahresvergleich belegt die Schweiz einen hinteren Mittelfeldplatz», erklärt Hofferberth. Dieser Trend betreffe nicht nur die Einstiegssaläre, sondern auch die Lohnentwicklung im weiteren Berufsleben. Die Salärsprünge seien in einer Schweizer Durchschnittskarriere vergleichsweise gering.

Krise sorgt für temporäre Delle

Als Gegenbeispiel nennt Hofferberth Grossbritannien. Dort sind die Grundlöhne für Einsteiger quer durch alle Branchen tief angesetzt. «Das hat damit zu tun, dass britische Unternehmen Nachwuchsleute in der Regel schon sehr jung und mit einer verhältnismässig geringen Bildung einstellen», sagt Hofferberth. Dafür verlaufe die Salärentwicklung danach rascher als in anderen Staaten. In Grossbritannien (14% vom Grundlohn) und auch Italien (15%) fallen denn auch die Boni für Newcomer in der Finanzbranche, relativ gesehen, höher aus als hierzulande.

Solche Zahlen dürfe man derweil nicht falsch interpretieren. «In absoluten Zahlen liegt das Schweizer Lohnniveau nach wie vor deutlich über dem europäischen Ausland», so Hofferberth. Auch könne nicht von generellen Gesetzmässigkeiten für die Entwicklung der Saläre in den einzelnen Ländern die Rede sein. Das wichtigste Argument für das Ausmass von Lohnsprüngen sei stets die Entwicklung der einzelnen Arbeitsmärkte. «Wenn plötzlich in bestimmten Branchen ein akuter Mangel an Fachpersonal herrscht, dann steigen die Einstiegssaläre überproportional.»

Umgekehrt scheinen momentan die Vorzeichen für die krisengeschüttelte Finanzbranche, wo eher ein beträchtlicher Stellenabbau zu erwarten ist. Martin Hofferberth geht davon aus, dass die Einstiegssaläre in diesem Sektor, speziell die variablen Komponenten, in den nächsten zwei Jahren deutlich langsamer oder überhaupt nicht wachsen werden. «Es ist damit zu rechnen, dass die Finanzinstitute ihre Boni-Vergütungen vor allem für Neueinsteiger und mittlere Kader zurückstufen.»

Er geht allerdings von einer temporären Delle im Lohngefüge der Banken aus, die sich auf die Dauer der Krise beschränken wird. Danach werde sich die Situation wieder entspannen. Dass die hiesige Finanzbranche wegen eines leichten Rückgangs bei den Einstiegsvergütungen auf ein Nachwuchsproblem zusteuere, kann sich Hofferberth nicht vorstellen. «Die Schweizer Banken werden ihren international zementierten Ruf als lukrative Arbeitgeber über die Krise hinaus verteidigen.»