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Bankiervereinigung
«Wir sind ein Think-Tank und keine Verwaltung»

Herbert J. Scheidt
Bankierpräsident Herbert Scheidt äussert sich zur Reorganisation des Dachverbandes.Quelle: RTS

Herbert J. Scheidt fordert einen Marschhalt bei der Regulierung sowie eine unabhängige Regulierungsprüfstelle. Der SBVg-Präsident kämpft an vielen Fronten – auch im eigenen Dachverband.

Von René Maier und Werner Rüedi
am 14.09.2017

Streichen Sie sich ausser Hero- und Schwartau-Konfitüre auch mal eine andere Marke aufs Frühstücksbrot?

Herbert Scheidt: (lacht) Nur, wenn ich muss.


Wie sind Sie als in der Wolle gefärbter Banker Vizepräsident des Hero-Verwaltungsrates geworden?

Einmal abgesehen davon, dass auch Banker einen Beitrag in einem Verwaltungsrat einer Nicht-Bank einbringen können, liegen meine wirklichen Wurzeln im produzierenden Mittelstand. Dort habe ich im elterlichen Betrieb angefangen. Aber im Ernst, die Eignerfamilie Oetker und meine Familie kennen sich sehr gut und das seit vielen Jahren. Als 2010 im Verwaltungsrat der Firma im Bereich Finanzen eine Veränderung anstand, hatte mich Arend Oetker angefragt.


Inwieweit können Sie von Ihren Erfahrungen und Kontakten aus der Konsumgüterindustrie profitieren?

Ich bin immer noch ein neugieriger Mensch. Der andere Blickwinkel, den die Konsumgüterbranche und insbesondere der Lebensmittelsektor bieten, ist spannend. Nachhaltigkeit hat, wenn es um unsere Ernährung geht, nochmals einen ganz anderen Stellenwert. Anderseits ist der Umgang der Konsumgüterindustrie mit Themen wie Positionierung, Auftritt oder Branding besonders innovativ und damit auch für uns interessant. Diese Themen beschäftigen uns im Bankgeschäft zunehmend.


Es besteht also Nachholbedarf.

Durchaus. Begriffe aus der Konsumgüterindustrie wie Kundenorientierung und Vertriebskanäle sind heute auch in unserer Branche von zentraler Bedeutung.


Waren die Bankiers in der Vergangenheit zu eindimensional?

Nein. Wir hatten seit jeher Bankiers mit sehr breitem Horizont, die sich intensiv und kritisch mit ihrem Umfeld auseinandergesetzt haben.


Ein Präsident der Bankiervereinigung steht oft zwischen den Fronten. Warum tun Sie sich das überhaupt an? Sie könnten sich doch längst zurücklehnen.

Ehrenämter kommen bekanntlich sozusagen auf einen zu. Die Übernahme des Präsidiums ist mit einer grossen Verantwortung verbunden, und ich habe das Amt angenommen, weil es mir die Möglichkeit gibt, etwas zurückzugeben und Verantwortung für den Finanzplatz Schweiz mitzuübernehmen. Ich sage bewusst «mitübernehmen», denn ich sehe mich als Teil eines Teams.


Ein Jahr Scheidt: Wo haben sich Ihre Ziele erfüllt, die Sie sich für das erste Jahr gesetzt hatten?

Ganz oben auf der Liste steht die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen, sodass die Schweizer Finanzwirtschaft davon profitiert. Hier haben wir im ersten Jahr schon einiges auf den Weg bringen können.


Und das zweite Ziel?

Wir wollen als ein wettbewerbsfähiger, starker, innovativer Finanzplatz wahrgenommen werden. Wichtig ist dabei auch, dass wir uns nicht von unserer Vergangenheit überschatten lassen, sondern nach vorne blicken. Wer ständig in den Rückspiegel schaut, kann schlecht nach vorne fahren. Wir können und sollten klar sagen, wie wir uns positionieren und wo wir gut sind.


Also die negativen Ereignisse aus der Vergangenheit ausblenden?

Wir blenden die Vergangenheit nicht aus, sondern haben sie aufgearbeitet. Und da, wo es noch offene Punkte gibt, werden wir auch diese Hausaufgaben machen.


Das klingt sehr pragmatisch.

Als Bankiervereinigung ist es unsere Aufgabe, dass wir uns intensiv damit auseinandersetzen, was um uns herum passiert und welche Trends im Allgemeinen für unsere Branche langfristig massgebend sind. Diese gilt es zu analysieren, und daraus sind die richtigen Schlüsse zu ziehen, die im Dialog mit den regulatorischen und politischen Behörden proaktiv zu diskutieren sind. Auch das ist bisher sehr gut gelungen, finde ich.


Finden Sie offene Ohren bei den Behörden?

Ja, ich bin in Bundesbern auf offene Türen gestossen, was mich persönlich auch sehr gefreut hat, weil der Dialog von elementarer Bedeutung für unsere ehrenamtliche Arbeit für den Finanzplatz Schweiz ist. Wichtig ist, dass man den Dialog nicht nur kurzfristig sucht, sondern dass man ihn auch pflegt, dass man als Gesprächspartner zur Verfügung steht, wenn man auch nichts auf der eigenen Agenda hat. Das ist ohne Frage sehr zeitintensiv. In den vielen Gesprächen habe ich auch gespürt, wie wichtig es für meine Gesprächspartner ist, ebenfalls nach vorne zu schauen.


Unter Ihrem Vorgänger Patrick Odier wurde die Organisationsstruktur der Bankiervereinigung unter die Lupe genommen. Was waren die Schwachpunkte?

Der bisherige Aufbau war zeitintensiv und schwerfällig und führte zu einer zu grossen Detailfokussierung bis hinauf zum Verwaltungsrat. Dies hatte zur Folge, dass die Diskussionen auf allen Ebenen oft stark über fachspezifische Details geführt wurden, was zu langen und teilweise auch frustrierenden Sitzungen führte und die Konsensfindung erschwerte.


Ist dieses Problem nun behoben?

Ja. Wir haben umstrukturiert und sogenannte Steuerungsausschüsse geschaffen, mit denen die Entscheidungsfindung effizienter und schlanker wird. Wir beziehen die geschäftsbezogenen Aspekte – sei es aus dem Asset Management, dem Wealth Management, dem Retailbanking oder aus Capital Markets – stärker in den Prozess der Aufarbeitung von Themen mit ein und bringen sie erst dann in den Verwaltungsrat, wenn sie von den Ausschüssen ausreichend beurteilt wurden.


Das klingt auch nach einem neuen Selbstverständnis.

Wir sehen uns als Think-Tank für den Finanzplatz Schweiz und nicht als Behörde oder Spiegelbild der Verwaltung. Verbände haben allerdings eine gewisse Statik, und die haben wir mit unserer Umstrukturierung etwas dynamischer gestaltet. Ich nenne das «Strukturkultur».


Wir haben den Eindruck, dass es der SBVg ab und zu an Durchschlagskraft mangelt.

Der Schein kann manchmal trügen. Im Übrigen kommt es auf solche Kategorien auch überhaupt nicht an. Wichtig ist, dass der Finanzplatz gewinnt. Und am Ende ist der gemeinsame Erfolg immer der beste. Es wird sicherlich auch vielfach unterschätzt, wie oft Politik und Wirtschaft von vornhe - rein an einem Strang ziehen. Von besonderer Bedeutung ist die gute Dialogkultur, vor allem auch mit den Bundesräten. Ich schätze sehr die sehr gute Zusammenarbeit mit Finanzminister Ueli Maurer und Jörg Gasser, dem Staatssekretär für internationale Finanzfragen. Ich sehe ein hohes Mass an Respekt, Verständnis und Wertschätzung. Wir sind in einem Land mit einer konstruktiven Kompromisskultur. Zu diesen Kompromissen kommen wir mit gegenseitigem Respekt und indem wir die Meinung des anderen anhören und unsere eigene einfliessen lassen.


Sind Sie mit der Haltung des Bundesrates zur Bankenregulierung zufrieden?

Ich denke, dass auch der Bundesrat angesichts der vielen Vorstösse im Parlament sieht, dass bei der Regulierung das Pendel zu weit ausgeschlagen hat.


Was unternehmen Sie, damit das Pendel wieder etwas zurückschlägt?

Wir sind sehr bemüht, mit Bundesbern und der Finma das Gespräch über eine angemessene und ausgeglichene Regulierung zu führen. Wir möchten frühzeitig in Regulierungsfragen miteinbezogen werden und fordern, dass bei grösseren Regulierungsprojekten eine Wirksamkeitsanalyse bezüglich Kosten und Nutzen durchgeführt wird. Im Weiteren schlagen wir eine unabhängige Prüfstelle vor.


Was ist der Stand bezüglich Regulierungsprüfstelle?

Wir sind in Diskussionen. Allerdings ist es nicht unsere Absicht, ein neues Bürokratiemonster zu schaffen. Ob es sich um eine völlig unabhängige Behörde handelt und wo sie angesiedelt sein soll, wird sich zeigen. Die frühzeitige Miteinbindung in den Regulierungsprozess ist uns jedenfalls wichtig, um über Sinn oder Unsinn einer Regulierung schon bei der Entstehung urteilen zu können.


Damit streben Sie klar mehr Einflussnahme an.

Wir wollen die Umsetzung von Regulierungen konstruktiv mitgestalten, weil wir als direkt Betroffene am besten sagen können, was machbar ist und wie viele Ressourcen bei den Banken dadurch gebunden werden. Unsere Ressourcen sind die Rahmenbedingungen; wenn diese falsch gesetzt werden, benachteiligen wir uns im extrem intensiven internationalen Wettbewerbsumfeld. Das kann nicht im Interesse des Landes sein – und das sieht der Bundesrat ebenso.


Also weniger Macht der Finma?

Wir möchten einen sehr pragmatischen Ansatz verfolgen und bieten uns als Gesprächspartner für einen konstruktiven Dialog an. Wir sagen aber auch, man sollte jetzt bei der Regulierung einen Marschhalt einschalten und die Pause nutzen, um sich nochmals über grundlegende Fragen, wie die der Wettbewerbsfähigkeit, bewusst zu werden.


Kleinere und mittelgrosse Banken, insbesondere Inlandorientierte Banken, beklagen nach wie vor die überproportionale Belastung durch die Regulierung.

Alle Banken in der Schweiz leiden unter der extremen Welle neuer Regulierungen, unter einem sehr hohen Detaillierungsgrad und unter der hohen Änderungsfrequenz. Es trifft alle gleich, wobei verschiedene Bankengruppen aufgrund ihres Geschäftsmodells unterschiedlich von gewissen Regulierungselementen betroffen sein können.


Ist eine differenzierte Ausgestaltung der Regulierung realistisch?

Es braucht eine Verhältnismässigkeit der Regulierung. Man muss sich aber auch sehr genau überlegen, auf welchen Ebenen man differenziert. Sonst wird es rasch sehr fachtechnisch. Wir sind derzeit im Prozess, dies genauer durchzudenken.


Wie können bei der FintechRegulierung Wettbewerbsverzerrungen zulasten der angestammten Finanzdienstleister vermieden werden?

In Sachen Digitalisierung passiert viel. Wenn man über Fintech spricht, betrifft das aber nicht nur kleine Startups. Fintech findet ja auch in den Banken selber statt. Deshalb ist es zentral, dass die regulatorischen Erleichterungen im Bereich Fintech für alle Marktteilnehmer gelten. Zudem geht es darum, dass man die Startups nicht durch übermässige Bankenregulierungen, die sie gar nicht erfüllen können, abwürgt. Ich denke, dass die Erleichterungen, die der Bundesrat beschlossen hat, vernünftig sind und eine gute Basis bilden.


War die Kritik berechtigt, dass Zulassungsprozesse teilweise viel zu lange gedauert haben?

Ein Beispiel zur Antwort: Ein Vertreter aus der Blockchain- bzw. Bitcoin-Szene hat mir erzählt, dass er zwei Jahre lang mit der Finma verhandeln musste, bis sein Produkt akzeptiert wurde. Sein Konkurrent hingegen, der nach London ging, hatte die Hürde in der Hälfte dieser Zeit geschafft.


Das heisst ...

..., dass wir bei allen beteiligten Parteien und vor allen Dingen bei den Regulatoren Offenheit dafür finden müssen, damit wir proaktiv gute Rahmenbedingungen schaffen können für einen attraktiven und zukunftsfähigen Finanzplatz Schweiz. Wir haben gutausgebildete Leute hier in der Schweiz. Und deshalb wollen wir auch die jungen Unternehmen hier und nicht an einem anderen Finanzplatz. Bundesbern ist diesbezüglich sehr konstruktiv.


Der Marktzugang im Ausland ist nach wie vor eine regulatorische Baustelle. Wie beurteilen Sie die Chance, dass Lösungen zustande kommen?

Seit dem Besuch von Bundespräsidentin Doris Leuthard bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im April schätze ich die Aussicht wieder optimistischer ein. Der Besuch war ein Eisbrecher.


Wie sehen die Ziele für auslandorientierte Banken aus?

Wir fordern die Äquivalenz. Auf technischer Ebene haben wir mit der AIFM-Richtlinie bereits eine solche Äquivalenz für die Verwalter alternativer Investmentfonds in der EU geschaffen. Das wollen wir über weitere Themen ausbauen.


Übereinkünfte auf technischer Ebene reichen vermutlich nicht.

Nein. Wir benötigen auch die Äquivalenz auf politischer Ebene – beide gehören zusammen. Wir müssen wissen, wo die EU-Kommission Ja oder Nein sagen will. Ich schätze die aktuelle Situation aber wieder als positiv ein.


Zweckoptimismus?

Ja, vielleicht. Wir tun jedenfalls alles, um mit der EU im Dialog zu bleiben, um gemeinsame Interessen voranzutreiben und Hindernisse zu überwinden.


Eine Aufgabe der SBVg ist es, für das Swiss Banking internationales Standort- Marketing zu betreiben. Was haben Sie bisher erreicht?

Wir haben viel erreicht. Zuerst einmal haben wir es geschafft, dass unsere Gesprächspartner wieder mehr an der Zukunft des Finanzplatzes und weniger an der Vergangenheit interessiert sind. Wir kommen allmählich aus der Schmuddelecke heraus, in die man uns – vielfach aus Wettbewerbs- und Eigeninteressen – gedrängt hatte. Wir können bei unseren Kontakten im Inland und Ausland gut darlegen, wofür wir stehen, nämlich für Solidität, Stabilität und Transparenz. Besonders Transparenz ist ein sehr wichtiger Punkt. Mit diesen Eigenschaften kann sich die Schweiz als internationaler Finanzplatz behaupten –, und er tut es bereits. Vor allem in den USA und Asien sind wir gut unterwegs.


Neues Ungemach droht die EU-Richtlinie Payment Services Directive 2 PSD2 zu bringen, dank der beispielsweise neue Marktteilnehmer wie Apple und Google & Co. ab 2018 Zahlungen von Kunde zu Kunde auslösen können. Damit könnte es sein, dass Banken zu Buchhaltungsstellen degradiert werden und dass die Erträge im Zahlungsverkehr einbrechen werden.

Wir haben uns in der letzten Verwaltungsratssitzung mit dieser EU-Richtlinie beschäftigt und sind zum Schluss gekommen, dass die Bedeutung der Kundenschnittstelle und vor allem die Sicherheit der Kundendaten so gross ist, dass wir eine PSD2-analoge Regulierung in der Schweiz ablehnen. Eine solche Regulierung, sprich eine gesetzliche Verpflichtung der Banken zur Öffnung der Zugriffsrechte für Dritte, ist unnötig, denn wir haben bereits offene Schnittstellen und innovative Lösungen, die sehr gut funktionieren, sodass wir keinen weiteren Bedarf sehen.


Ist der Druck zum Mitmachen nicht hoch?

Bisher haben wir noch keinen verspürt.


Und wenn er wächst?

Dann würden wir zuerst aufzeigen, was wir bereits umgesetzt haben und dass es keinen Handlungsbedarf für eine neue Regulierung gibt.


Haben Sie diesen Entscheid mit der Finma oder mit den politischen Behörden abgesprochen?

Wir haben seitens des Schweizer Regulators bisher keine Signa le bezüglich PSD2 empfan gen. Seitens der Bankier vereinigung war es uns wichtig, dass sich die Branche frühzeitig und klar positioniert.


Das ist aber nicht bindend für einzelne SBVg-Mitglieder?

Man muss unterscheiden: Es steht jeder Bank frei, ob sie den Zugriff öffnen will. Das ist ein geschäftspolitischer Entscheid der einzelnen Banken. Ob es aber eine neue Regulierung braucht, ist eine andere Frage, und hier hat der Verwaltungsrat der SBVg, in dem alle bedeutenden Institute des Landes vertreten sind, klar entschieden, dass es keine staatliche Regelung braucht.


Online-Plattformen wie Swisspeers erlauben es Unternehmen, bei Anlegern direkt – also ohne Zwischenschaltung eines Finanzinstituts – Fremdkapital zu beschaffen. Diese Peer-to-Peer-Finanzierung schafft eine einfache Alternative zum traditionellen Bankkredit.

Im digitalen Umfeld kommt es in der Tat zu neuen Angeboten. Die digitalen Anbieter schieben sich zwischen die Banken als Produzenten und die Kunden. Das führt dazu, dass die Produzenten die regulatorischen Kosten allein tragen müssen, derweil die digitalen Vermittler sich darauf konzentrieren können, die Marge abzusahnen. Diesen Herausforderungen müssen sich die Banken in ihren Geschäftsfeldern stellen.


Wie das?

Beispielsweise, indem sie eigene Plattformen lancieren oder bestehende übernehmen. Man muss halt gut klären, ob sich das rechnet, ob genug Volumen auf solchen Plattformen vorhanden sind. Ein anderer Ansatz ist, in der Dienstleistung so exzellent zu sein, dass der Wechsel zu einer digitalen Plattform dem Kunden keinen Mehrwert bringt und er das Angebot daher ablehnt.


Oder, indem die neue digitale Konkurrenz ebenfalls einer gewissen Regulierung unterstellt wird und damit einen Teil der Regulierungskosten mittragen muss.

Genau. Damit sind wir beim UberThema. Wenn man sich am regulatorischen Umfeld vorbeischlängeln kann, ist es einfach, hohe Margen bei niedrigsten Kosten zu erzielen.


Noch ein Wort zur Politik. Wie schätzen Sie als «oberster Schweizer Banker» die Politik des US-Präsidenten Donald Trump ein?

Die USA sind ein extrem wichtiger Handelspartner für die Schweizer Wirtschaft und damit auch für uns Banken. Wir müssen daher nur schon aus der Staatsräson heraus ein rationales Verhältnis mit den USA pflegen – unabhängig davon, wer gerade Präsident ist. Die grosse Administration wird schliesslich nicht bis in die feinsten Verästelungen vom Präsidenten gesteuert. Mit dieser müssen wir deshalb in Kontakt bleiben ...


... obwohl der Präsident persönlich Vorwürfe an die Schweiz richtete?

Damit müssen wir uns auseinandersetzen.


Tut das die Schweiz auch zur Genüge?

Ja. Bundesrat Johann SchneiderAmmann war in den USA und hat mit wichtigen Vertretern gesprochen und für Klärung gesorgt. Seit dem Amtsantritt von Trump hat weltweit eine starke Verunsicherung um sich gegriffen. Doch unserer Meinung nach werden die USA die Finanzmarktregulierung nicht weitertreiben. Wir rechnen vielmehr mit einer Deregulierung im Bankensektor. Ähnliches stellen wir übrigens in Grossbritannien im Hinblick auf den Brexit fest.


Was heisst das für den Schweizer Bankenplatz?

Dass wir die unterschiedlichen Entwicklungen weiterhin genau beobachten und uns immer wieder fragen sollen, was dies für unsere eigenen Regulierungspolitik und für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz bedeutet. Wir müssen der Regulierung im Ausland in keiner Richtung vorauseilen. Aber wir sollten uns beispielsweise fragen, ob wir die internationale Regulierung immer noch mit einem «Swiss Finish» anreichern wollen, der alles unnötigerweise verkompliziert und verteuert.


Man könnte den «Swiss Finish» auch so anwenden, dass möglichst alles erleichtert wird.

Das wäre auch eine Alternative. Keine Verschärfung der internationalen Regulierung, sondern pragmatische, auf unser Land und unsere Bankenlandschaft angepasste Rahmenbedingungen.