Auf den ersten Blick sind die Waadtländer glimpflich davongekommen. Das Projekt eines gemeinsamen IT-Dienstleistungszentrums mit der Zürcher Kantonalbank (ZKB), das nun unvermittelt abgebrochen wurde, hat die Banque Cantonale Vaudoise (BCV) weniger als 2 Mio Fr. gekostet. Das Fünffache, nämlich etwa 10 Mio Fr., haben die Zürcher mit entsprechenden Planungsarbeiten in den Sand gesetzt.

Zuverlässig, aber ohne Zukunft

Doch während die ZKB gemäss eigenen Angaben «nur» noch 250 Mio Fr. und vier Jahre von einer neuen IT-Plattform entfernt ist, steht man in Lausanne wieder auf Feld eins: Dem System Osiris und dem ursprünglich mit BCV-Mitarbeitern bemannten Rechenzentrum Unicible, das 2007 als Ganzes an IBM ausgelagert wurde. «Wir werden uns nun die Zeit nehmen, alle uns offen stehenden Möglichkeiten zu prüfen», sagt Christian Jacot-Descombes, Mediensprecher der BCV. Schliesslich laufe der Vertrag mit IBM bis 2014, das System sei stabil. Es bestehe demnach kein Grund zur Eile.

Tatsächlich aber ist die BCV, zumal als börsenkotiertes Unternehmen, unter Zeitdruck. Schon im April 2007 berichtete die BCV in einer Präsentation, Osiris sei zwar zuverlässig, es fehle aber die Flexibilität für künftige Anforderungen im Bankwesen. Zudem würde ein Teil der Module 2011 das Ende ihres Lebenszyklus erreichen, während kleinere Bankkunden das System verliessen und damit die Kosten in die Höhe trieben. Gleichzeitig haben viele Regional- und Kantonalbanken die Migration auf die Plattformen Avaloq oder Finnova eingeleitet oder bereits vollzogen (siehe Tabelle). Genau das waren die Gründe, warum sich die Bank zur Partnerschaft mit der ZKB entschlossen hatte. Dabei hätte sich die BCV aber in ein bereits bestehendes System einbringen und einzelne Anwendungen aktiv zukaufen müssen. Gemäss Spezialisten gelinde gesagt eine «Challenge». Denn ist eine Banken-IT-Lösung nicht von Anfang an auf mehrere Benutzer ausgelegt, ist eine nachträgliche Einbindung nur mit grossen Kosten und Zeitaufwand zu bewerkstelligen. Zu gross für eine BCV, die sich nach schweren Handelsverlusten und einem Gewinnrückgang im 1. Semester 2008 in einer Transformationsphase befindet. «Die Kosten waren höher als vorhergesehen, und es war mit Verzögerungen zu rechnen», räumt Jacot-Descombes ein.

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Um eine Erneuerung der IT kommt BCV trotzdem nicht herum. Und der Spielraum ist nicht gross. IBM hat mit der Übernahme der Unicible-Mitarbeiter damals eine Restrukturierung bei BCV verhindert. Das verpflichtet: «Wenn die BCV eine neue Plattform suchen will, sind wir mit unseren Lösungen sicher in einer guten Position», sagt Sebastian Drews, Sprecher bei IBM Switzerland. «Wir sind für alles offen.»

«Software-Graben» öffnet sich

Ebenfalls in einer guten Position sieht sich Charlie Matter, CEO des Bankensoftware-Anbieters Finnova. «IBM betreibt das Rechenzentrum für einige Westschweizer Kantonalbanken, die ihrerseits ihre IT über die Finnova-Lösungen abwickeln. So gesehen würden Synergien bestehen.»

Kommen Finnova/IBM zum Handschlag, öffnet sich der Bankensoftware-Graben in der Schweizer Bankenwelt noch weiter: Hüben Avaloq, drüben Finnova. Denn eine dritte Kraft mit der ZKB und BCV als Kern ist jetzt definitiv Geschichte.