B arack Obama wird Amerika und die Welt zum Besseren verändern – davon sind seine Anhänger und viele Europäer überzeugt. Und bei kaum einem anderen Thema sind die Hoffnungen grösser als beim Umweltschutz und bei der Energieerzeugung. Zwar gilt der Republikaner John McCain bereits als ziemlich grün, wenn man den amtierenden Präsidenten George W. Bush als Massstab nimmt, doch verglichen mit Barack Obamas Plänen wirkt das energiepolitische Programm von McCain fast konventionell.

· Energie Obama würde es längst nicht dabei belassen, die Hälfte der Wagenflotte des Weissen Hauses innerhalb eines Jahres nach seiner Wahl auf Hybridfahrzeuge umzustellen.

Er will innert der nächsten zehn Jahre 150 Mrd Dollar ausgeben, um erneuerbare Energien zu fördern, eine neue Generation von Biotreibstoffen zu entwickeln und das Stromverteilnetz zu modernisieren. Auch Kohlekraftwerke will Obama bauen – allerdings nur, wenn sie wenig CO2 ausstossen.

Obamas grüne Pläne freuen natürlich Unternehmen aus dem Bereich der alternativen Energie. Doch auch etablierte Konzerne könnten profitieren. So ist der grösste Teil des amerikanischen Stromnetzes vom Elektro- und Automationskonzern ABB oder seinen Vorgängerfirmen gebaut worden, wie ABB-Konzernsprecher Wolfram Eberhardt erklärt.

ABB, die in den USA rund 10 000 Personen beschäftigt und rund 10% ihres Umsatzes macht, wäre bei einem weiteren Ausbau der vielerorts veralteten Infrastruktur erneut in einer guten Ausgangsposition. Auch würde es der ABB helfen, wenn ein Präsident Obama so stark auf Energieeffizienz setzen würde, wie er es im Wahlprogramm verspricht.

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Eine Nichtwahl des Senators wäre für die ABB allerdings kein Grund zur Trauer. Der Republikaner McCain setzt zwar stärker als Obama auf die Ölförderung und will gar 45 neue Atomkraftwerke bauen, doch auch er hat sich die Themen Effizienz und Alternativenergien auf die Fahnen geschrieben. Und für Firmen wie die ABB ist es gar nicht so entscheidend, ob der Strom aus konventionellen oder alternativen Quellen stammt: ABB-Transformatoren braucht es in jedem Fall.

· Energie-Subventionen Könnten Schweizer Firmen direkt vom amerikanischen Subventionsfüllhorn profitieren? Würde beispielsweise die Solarfirma Edisun Power in den USA eine Solarstromanlage bauen wollen, so könnte sie dort theoretisch eine Tochterfirma gründen, um in den Genuss der Fördergelder zu kommen, wie Edisun-CEO Robert Kröni sagt. Wie einfach das wäre, steht aber auf einem anderen Blatt. Denn Obama ist ein Skeptiker, was den Freihandel betrifft. Er will Subventionen so einsetzen, dass neue Technologien in den USA entwickelt und gefertigt werden.

Obamas Skepsis gegenüber dem Markt ist denn auch der Grund, weshalb viele etablierte Wirtschaftsfirmen seinem Charme nicht erliegen. «In Dollar oder Franken kann ich zwar nicht beziffern, welchen Unterschied eine Wahl von Obama oder McCain machen würde», sagt Johann Schneider-Amman, Präsident der Swissmem, des Verbandes der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Von den in der Swissmem vertretenen Firmen würden aber 90% einen republikanischen Präsidenten vorziehen, sagt Schneider-Ammann: McCain verfechte den freien Markt, und dieser führe nun einmal zu mehr Wohlstand.

· Mehr Krankenversicherte Eines der wichtigsten Ziele Obamas für das US-Gesundheitssystem ist die Erhöhung des Anteils an Krankenversicherten. 46 Mio Amerikaner sind aktuell ohne Versicherung. Viele von ihnen verzichten auf Medikamente, weil sie sich diese nicht leisten können. Die Zunahme an Versicherten ist eine gute Nachricht für Pharmaunternehmen. Das Volumen an abgesetzten Medikamenten dürfte bei einer Wahl von Obama zunehmen. Dieser fordert zwar nicht wie einst Hillary Clinton eine Pflichtversicherung, doch will er verhindern, dass Krankenkassen schlechte Risiken, das heisst Kranke und von Krankheiten Gefährdete, wie jetzt ausschliessen können. Gleichzeitig sollen mehr Unternehmen verpflichtet werden, eine Krankenversicherung anzubieten. Doch Obama will auch bei den Kosten Druck machen und Generika und Parallelimporte fördern. Damit dürfte er sich bei Pharmaunternehmen kaum beliebt machen.