Die britische Grossbank Barclays rechnet im Skandal um Manipulationen am Devisenmarkt mit einer Strafe von einer halben Milliarde Pfund. Diese Summe (etwa 600 Millionen Euro) sei im abgelaufenen dritten Quartal vorsorglich zur Seite gelegt worden, teilte das Institut am Donnerstag mit.

Derzeit liefen Gespräche mit verschiedenen Aufsichtsbehörden, deren Ausgang allerdings offen sei, erklärte Finanzchef Tushar Morzaria. «Was wir jetzt zurückgelegt haben, ist der Betrag, den wir für wahrscheinlich halten.»

Rückstellungen überschatten Gewinnsprung

Die Rückstellungen überschatteten einen deutlichen Gewinnsprung in den Sommermonaten. Der um Sondereffekte bereinigte Vorsteuergewinn kletterte um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Pfund, weil der radikale Sparkurs allmählich Früchte trägt. Allein im vergangenen Jahr wurden 7800 Jobs abgebaut - binnen drei Jahren sollen 19.000 der mehr als 130.000 Stellen wegfallen.

Ausserdem wirft das Privatkundengeschäft wieder mehr Geld ab, auf das Vorstandschef Antony Jenkins, der aus der Sparte kommt, die Bank stärker ausrichten will. Das Investmentbanking verschlingt nach seiner Ansicht zu viel Kapital und wird deshalb deutlich zurückgefahren, vor allem im Handel. Insgesamt verbuchte das Kapitalmarktgeschäft einen Gewinneinbruch um mehr als ein Drittel auf 284 Millionen Pfund.

Altlasten werfen einen langen Schatten in die Zukunft

Die Altlasten der Investmentbank werden Barclays noch länger beschäftigen. Die Bank war nicht nur in den Skandal um Zinsmanipulationen verstrickt, sie steht auch wegen Tricksereien bei Devisenkursen im Visier der Behörden.

Insidern zufolge verhandelt die britische Finanzmarktaufsicht FCA derzeit mit Barclays, UBS, HSBC, der Royal Bank of Scotland, JPMorgan und Citi wegen dieser Manipulationen. Eine Einigung könnte die Institute zusammen knapp zwei Milliarden Pfund kosten. Auch die UBS hatte deshalb im dritten Quartal ihre Vorsorge deutlich nach oben geschraubt.

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Barclays steht neuer Ärger schon ins Haus: Gerade erst hat ein saudi-arabischer Immobilienkonzern die Bank wegen umstrittener Geschäfte in dem Land auf Schadenersatz in Höhe von zehn Milliarden Dollar verklagt. Zuständig ist ein Gericht im US-Bundesstaat New York.

(awp/ise/ama)