Es ist die Krönung einer beispiellosen Karriere im Private Banking: Im noch jugendlichen Alter von 43 Jahren wird Boris Collardi Partner bei der Genfer Privatbank Pictet. Es erwartet ihn als unternehmerisch agierender Bank-Teilhaber ein Geldsegen, der sein 6-Millionen-Salär bei der Bank Bär bei weitem in den Schatten stellen wird.

Schon seit längerem suchte Collardi den Exit bei seiner Julius Bär, war auch schon bei Pictet-Konkurrentin Lombard Odier als Partner im Gespräch. Schliesslich ist der Italo-Schweizer seit über zehn Jahren bei den Bären, davon acht Jahre als CEO. Insofern überrascht der Zeitpunkt von Collardis Abgang nicht, seine neue Wirkungsstätte in der Westschweiz jedoch schon.

Pictet legt Wert auf Diskretion

Denn zwischen Pictet und ihrem neuen Partner Collardi liegen Welten. Da das Genfer Traditionshaus calvinistischer Prägung, das grossen Wert auf Diskretion und Kontinuität legt. Wachstum durch Akquisitionen ist man grundsätzlich abgeneigt, lieber arbeitet sich Pictet organisch nach vorn. Dabei legen die Pictet-Partner Wert auf eine gute Corporate Governance und Nachhaltigkeit. Vom Hauptsitz im Genfer Vorort Carouge sind kaum Finanzskandale zu vermelden. Ausnahme ist das hängige Gruppe-1-Verfahren in den Vereinigten Staaten.

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Umkehrt sieht es bei den Bären aus der Limmatstadt aus. Dort bolzte «Sonnenkönig» Boris Collardi in seiner fast zehnjährigen Regentschaft das Vermögenswachstum auf Teufel komm raus, ohne nennenswerten Widerstand aus dem VR. Dabei erkannte Collardi früh, dass in Asien das neue «Wealth-Eldorado» liegt und machte Singapur zum zweiten Heimmarkt der Bank, nach Zürich. Collardis Asset-Hunger wurde erst durch zahlreiche grosse Zukäufe gestillt, wie den Kauf der internationalen Vermögenssparte der US-Grossbank Merrill Lynch.

Forscher Secondo-Dealmaker

Der forsche Secondo-Dealmaker hat mit seinem ungestümen Wachstumsdrang aus der verstaubten Zürcher Privatbank einen ernstzunehmenden, global verankerten Vermögensverwaltungs-Player gemacht. Dafür gebührt ihm Respekt und Anerkennung. Allerdings vermochten die Unternehmensstrukturen der Julius Bär mit dem Tempo eines Boris Collardis nicht Schritt halten. Gerade die Kernelemente einer Bank, IT und Compliance, sind (noch) nicht auf der Höhe der Zeit. Kein grösserer Finanz-Skandal der letzten Jahre, ob Petrobras oder Fifa, bei der nicht Julius Bär als Vermögensverwalterin auftaucht.

Insofern spricht die Wahl von Collardis Nachfolger bei den Bären Bände. Es ist Bernhard Hodler, ehemaliger Chief Risk Officer. Aufräumen ist angesagt.