Schon wieder eine neue Karte im Kreditkartenhimmel: Der Detailhändler Coop hat die Verdecard lanciert - eine Premiumkarte von American Express für Umweltbewusste. Denn: 0,5% des Umsatzes, der mit der Verdecard getätigt wird, fliessen in nachhaltige Projekte. In einer ersten Phase sollen zwei WWF-Projekte unterstützt werden: Die Revitalisierung eines Flussabschnitts der Bünz im Aargau und ein Flussdelfin-Schutzprogramm in Kambodscha. Gratis gibts die Verdecard nicht: Sie kostet 69 Fr. Jahresgebühr und bietet Zusatzservices, mit denen sich die etablierten Anbieter von den Gratiskarten-Emittenten abzuheben versuchten.

Nun richten sich alle Augen auf Coop-Konkurrentin Migros. Ob und wie sie auf den jüngsten Schachzug von Coop reagiert, will Migros-Sprecherin Monika Weibel nicht kommentieren.

Das lässt Spielraum für Spekulationen offen. Zur Erinnerung: Als Coop im Juni 2006 die erste Gratis-Kreditkarte auf den Markt gebracht hatte, konterte die Migros nur wenig später im November mit der ebenfalls kostenlosen M-Budget-Kreditkarte. Es folgten weitere Nachahmer, darunter das Warenhaus Jelmoli mit der aus der Kundenkarte hervorgegangenen Visa Bonus Card und Telekomanbieter Orange mit einer Visa-Karte.

Zusammen traten sie den Beweis an, dass es auch ohne die von den etablierten Emittenten verrechneten Jahresgebühren von bis zu 100 Fr. für eine Einsteigerkarte geht. Inzwischen kommen die Gratiskarten - im Umlauf sind mehr als 4,5 Mio Kreditkarten - auf einen Marktanteil von 15% Prozent. «Die Gratiskarten haben den Kreditkartenmarkt aufgemischt und den Wettbewerb belebt», räumt Urs Knapp, Sprecher von Swisscard, ein. Die Credit-Suisse-Tochter vertreibt Karten für Visa, Mastercard und American Express. So sind die Konditionen auch bei den etablierten Anbietern ins Rutschen geraten. Zudem wurden seither weitere Premium-Karten lanciert, die spezifische Kundengruppen ansprechen. Dazu gehört etwa die TCS drive, eine Mastercard, mit der Mitglieder des Touring Clubs Schweiz (TCS) beim Tanken bis zu 12 Rp. Rabatt pro Liter Benzin erhalten. Vor wenigen Monaten hat Jelmoli Bonus Card AG eine Kombikarte mit den SBB lanciert, die Kreditkarten- und Halbtax-Funktion verbindet. Davon wurden bisher über 10000 Stück abgesetzt.

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«Teure» Barzahlung

Laut Knapp von Swisscard macht das stets wachsende Angebot bei Kreditkarten Sinn. «Denn der Konkurrenzkampf verläuft weniger zwischen den einzelnen Kreditkarten, sondern vielmehr zwischen den beiden Zahlungsmitteln Kreditkarte und Bargeld», erklärt er. Die Detailhändler sind daran interessiert, dass sich das Plastikgeld an der Kasse durchsetzt. Denn damit lassen sich massiv Kosten einsparen. «Im Gegensatz zur Barzahlung fallen beim Plastikgeld Transport und Versicherung weg, und das Fakturieren ist effizienter zu bewältigen», erklärt Coop-Sprecher Nicolas Schmied. Ein weiterer Vorteil: Als Kreditkarten-Anbieter fahren die Detailhändler mit Transaktionskosten von rund 1% wesentlich günstiger. Denn beim Bezahlen mit fremden Karten müssen sie höhere Kommissionen von bis zu 3% entrichten. Kein Geheimnis ist, dass mit Kreditkarten die Umsätze generell angekurbelt werden. Denn das Plastikgeld verlockt viele Menschen zu Einkäufen, die sie mit Bargeld nicht tätigen würden.

«Der Kreditkarteneinsatz nimmt, nicht zuletzt dank unserer eigenen Karten, jedes Jahr massiv zu», bestätigt Schmied. Bei Coop werden inzwischen 35% der Einkäufe mit Plastikgeld bezahlt. Wie oft an den Kassen der Migros mit Kreditkarten bezahlt wird, gibt die Nummer eins im Detailhandel nicht bekannt. Branchenexperten schätzen aber, dass es anteilsmässig weniger ist als bei Coop. Die Migros wird folglich nicht darum herumkommen, weitere eigene Kreditkarten zu lancieren.