Der Chemieriese BASF hat das Anteilstauschgeschäft mit dem staatlichen russischen Gaskonzern Gazprom verteidigt. «Die Diskussion darüber, man würde uns den Gashahn abdrehen, finde ich absurd. Die Russen wollen liefern, das haben sie auch während des Kalten Krieges gemacht», sagte der Chef des weltgrössten Chemiekonzerns, Kurt Bock, im Interview der «Süddeutschen Zeitung».

Das Ludwigshafener Unternehmen und Gazprom hatten vereinbart, dass die BASF-Tochter Wintershall das Gashandels- und Gasspeichergeschäft vollständig an die Russen abgibt. Dafür erhält BASF im Gegenzug mehr Anteile an grossen Erdgasfeldern in Sibirien. Der Anteilstausch soll Mitte des Jahres vollzogen werden.

1 Milliarde Umsatz mit Kunden aus Russland

Die Russen benötigten Kunden, sie brauchten Einnahmen «und wir brauchen Gas», sagte der BASF-Chef dem Blatt. Zuletzt hatte es Diskussionen darüber gegeben, ob es politisch sinnvoll sei, Gazprom den Zugriff auf Gas-Speicher und -Versorgungsleitungen in Deutschland zu geben. Durch die Ukraine-Krise rückte die hohe Abhängigkeit von russischem Gas stärker in den Blick. Deutschland bezieht aktuell gut ein Drittel seines Erdgases aus Russland.

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Von Sanktionen gegen Russland hält der BASF-Chef nichts. Dann müsse man auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen und fragen, wer am meisten leidet. «Und man muss wissen, wie man von Sanktionen wieder herunterkommt», sagte Bock. Politiker oder Historiker müssten entscheiden, ob Boykott-Massnahmen zu einem Wandel führten. «Ich habe da meine Zweifel.» BASF erwirtschaftet derzeit etwa eine Milliarde Umsatz mit Kunden in Russland. Zudem ist der Konzern an der Erdgasförderung in Sibirien beteiligt. Der Gesamtumsatz von BASF lag 2013 bei rund 74 Milliarden Euro.

(reuters/dbe/sim)