Um den Agrarchemiekonzern Syngenta bahnt sich womöglich ein milliardenschwerer Bieterkampf an. Der Chemieriese BASF erwägt Insidern zufolge eine Übernahmeofferte für Syngenta und käme damit dem US-Saatgut- und Genpflanzen-Hersteller Monsanto in die Quere, der für die Schweizer 45 Milliarden Dollar auf den Tisch legen will. BASF spreche mit Investmentbankern über die Möglichkeit eines Angebots für Syngenta, erfuhr Reuters von mit der Situation vertrauten Personen am Mittwoch. Eine Entscheidung bei BASF sei aber noch nicht gefallen und am Ende könnte es auch darauf hinaus laufen, dass es keine Offerte gibt. Syngenta hat das Angebot von Monsanto bislang als zu niedrig zurückgewiesen.

BASF, Syngenta und Monsanto wollten sich nicht dazu äussern. Die Syngenta-Aktie legte nachbörslich in Frankfurt um fast vier Prozent auf 420 Schweizer Franken zu. Die auch an der Wall Street gelisteten Titel kletterten bis zu 8,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 97,95 Dollar.

Von Monsanto wird höhere Offerte erwartet

BASF war von Analysten bereits als wahrscheinlichster Kandidat für einen Kauf der Syngenta-Saatgutsparte genannt worden, sollte Monsanto diese verkaufen, um sich die Zustimmung der Kartellbehörden zu sichern. Monsanto-Chef Brett Begemann hatte erklärt, er sei unter anderem bereit, die gesamte Saatgutsparte von Syngenta zu veräussern, um die Transaktion über die Bühne zu bringen. Nach Ansicht der Schweizer unterschätzt Begemann aber die regulatorischen Hürden für die Übernahme.

Anwälte der beiden Unternehmen haben sich in der vergangenen Woche in New York getroffen, um zu diskutieren, ob diese Hürden aus dem Weg geräumt werden könnten, sagte ein anderer Insider. Am Markt wird erwartet, dass Monsanto seine Offerte noch erhöht.

«Es würde für alle Beteiligten gut passen»

BASF hat bislang kein eigenes Saatgutgeschäft und das Angebot der Ludwigshafener an Pestiziden könnte durch diesen Bereich sinnvoll ergänzt werden. «So eine Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen», sagte Analyst Christian Faitz von Kepler Cheuvreux mit Blick auf einen möglichen Verkauf des Syngenta-Saatgutgeschäfts. «BASF hat die Kriegskasse dafür, das würde für alle Beteiligten gut passen.»

Nun könnte BASF aber sogar den Erwerb des ganzen Unternehmens anstreben, das 2014 Erlöse von gut 15 Milliarden Dollar erzielte. Der weltgrösste Chemiekonzern BASF erwirtschaftete im selben Zeitraum einen Umsatz von 74,3 Milliarden Euro. Die letzten milliardenschweren Zukäufe bei BASF liegen mit Cognis 2010 und dem Schweizer Ciba-Konzern 2009 inzwischen schon einige Zeit zurück.

Anteilsverkäufe denkbar

Am weltweiten Markt für Pestizide, Mittel gegen Insektenbefall, Unkräuter und Pilze hat BASF nach Syngenta und Bayer einen Anteil von rund elf Prozent. Bei einem Zusammenschluss von BASF und Syngenta könnte es auch zu Anteilsverkäufen kommen, um kartellrechtliche Bedenken aus dem Weg zu räumen. Mit einer Offerte würde BASF jedoch womöglich die Allianz mit seinem Kooperationspartner Monsanto gefährden. Seit 2007 abeiten die beiden Konzerne bei der Entwicklung biotechnologisch veränderter Nutzpflanzen zusammen.

(reuters/me)

 

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