Der deutsche Chemiekonzern BASF lässt sich vom Schiefergas-Boom in den USA anlocken. Mit einer Rekordinvestition in eine neue petrochemischen Grossanlage an der amerikanischen Golfküste will das weltgrösste Chemieunternehmen von den niedrigen Gaspreisen dort profitieren.

«Wir wollen diesen Grundstoff direkt in Nordamerika weiterverarbeiten und unser Geschäft kräftig ausbauen», sagte Konzernchef Kurt Bock auf der Hauptversammlung vor rund 5500 Aktionären in Mannheim. Die Anlage kostet voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro - es wäre für BASF die bislang grösste Einzelinvestition.

Kostenvorteile in den USA

Im ersten Quartal bremste das Unternehmen vor allem ein schwaches Öl- und Gasgeschäft. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) sank um 3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Bock bekräftigte aber die JaVom hresziele.

Chemiekonzerne, die in den USA produzieren, haben wegen des niedrigen Gaspreises dort grosse Kostenvorteile im Vergleich zu Firmen, die hauptsächlich in Europa ihre Chemikalien herstellen. Erdgas kostete in den USA zuletzt nur ein Drittel des in Europa fälligen Preises - für die energieintensive Chemiebranche ein entscheidender Standortfaktor.

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Die geplante neue Grossanlage soll aus Erdgas Propylen herstellen, einen wichtigen chemischen Grundstoff für Autolacke, Waschmittel und Superabsorber für Windeln.

Schiefergas boomt

Um vom Schiefergasboom in den USA zu profitieren baut BASF bereits eine Anlage für Ameisensäure im US-Bundesstaat Louisiana, die dieses Jahr in Betrieb genommen werden soll. Die Chemikalie wird für die Schiefergas-Gewinnung eingesetzt.

Mit der Milliardeninvestition in den USA steht BASF bei weitem nicht alleine da. Nach Schätzungen des US-Chemieverbandes American Chemistry Council lag der Wert aller geplanten Investmentprojekte der Branche im Zusammenhang mit dem Schiefergasboom zuletzt bei mehr als 100 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon kommen von Konzernen ausserhalb der USA.

(sda/dbe)