Der Start eines Joint Air Transportation Competence Center for Security wirft seine Schatten voraus. Das Gründungskonsortium besteht aus dem Center for Aviation Competence an der Universität St. Gallen, der Technischen Universität Berlin und der US-amerikanischen Embry-Riddle Aeronautical University in Florida. Von der Praxisseite haben die im europäischen Luftfrachthandling aktive schweizerische Cargologic, Lufthansa Cargo sowie zwei international tätige Speditionskonzerne ihre Teilnahme angekündigt.

Ziele der auf Luftfrachtsicherheit fokussierten Plattform sind die Entwicklung und der Austausch von Best Practices bei der Umsetzung neuer Gesetze und Verordnungen, deren Risikoabschätzung (Kosten/Nutzen) anhand von Bedrohungsszenarien, die Abwägung wirtschaftlicher Auswirkungen sowie die Darstellung und rechtliche Abklärung der Finanzierung neuer Sicherheitsmassnahmen. «Derzeit kämpft jeder für sich und teilweise jeder gegen jeden. Diesem Missstand will das Konsortium ein Ende setzen», konstatiert Wolfgang Stölzle, Professor und Ordinarius für Logistikmanagement an der Universität St. Gallen (LOG-HSG).

Logistics Due Diligence

Vor kurzem ins Leben gerufen wurde der Expertenkreis Logistics Due Diligence. Dessen Aufgabe besteht in der Analyse, Bewertung und Optimierung von Logistikdienstleistern vor Mergers & Acquisitions (M&A). Bislang habe kein spezifischer Ansatz in diesem für die Branche aktuellen Thema existiert. Logistics Due Diligence erfordere ein auf Logistikunternehmen zugeschnittenes Toolset mit Checklisten und Leitfaden, präzisiert Stölzle.

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Kernziel des Expertenkreises ist die Entwicklung eines IT-basierten Werk-zeugsatzes zur ganzheitlichen Analyse und Bewertung von Logistik-dienstleistern. Dabei steht neben den Bereichen Transport, Umschlag und Lagerung das breite Spektrum der Added-value Services im Vordergrund.

Das Vorhaben dient der Schaffung eines Standards zur Leistungsmessung von Logistikprozessen und Organisationseinheiten, der Identifikation von Potenzialen der Kostensenkung und Qualitätssteigerung, der Unterstützung der Entscheidungsfindung bei Fragen des «make or buy» sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Ermittlung und Realisierung etwaiger Restrukturierungsmassnahmen.

Den Nutzen für partizipierende Unternehmen umreisst Stölzle so:

Aktive Mitgestaltung der Schwerpunkte und Checklisten unter Be-rücksichtigung firmenspezifischer Interessen,

Beurteilung erfolgreicher Ansätze, Methoden und Umsetzungsver-fahren zur Logistics Due Diligence,

Einsatz des entwickelten Toolsets und Leitfadens zur Analyse und Bewertung der Performance von Logistikdienstleistern ihrer Wahl sowie

persönliches Networking im Kreis von Logistik- und Due-Diligence-Experten.

Überlebenswichtige Frage

Für das Projekt ist eine Durchführungsdauer von zwölf Monaten veranschlagt. Es soll jetzt im 4. Quartal 2009 beginnen und neun Workshops (sieben Arbeitspakete plus Startmeeting und Abschlusspräsentation) umfassen. Die Behandlung individueller Arbeitspakete wird sich auf Einblicke in ausgewählte Partnerbetriebe stützen.

Unter den «ständig rund 25 bei uns laufenden Projekten» hebt Professor Stölzle auch die Studie «Switchpoints for the Future of Logistics» hervor. Für die Branche sei es überlebenswichtig, sich mit der Frage zu befassen, «wohin die Logistikreise in den nächsten 10, 20 Jahren geht». Dazu bedürfe es plausibler Zukunftsszenarien, wie sie von der Studie entworfen würden, erläuterte er.

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Die von heute einen zwölfjährigen Zeithorizont überspannende Arbeit gilt Logistikdienstleistern in Europa; nur das Briefsegment bleibe ausgeklammert. Ziele der Studie sind unter anderem die Identifikation bedeutender, aber höchst unsicherer Einflussfaktoren, die Entwicklung plausibler Zukunftsszenarien der Logistik, eine Beschreibung zukunftsnaher Entwicklungen, die als massgebliche Indikatoren für langfristige Szenarien deutbar sind.

Treiber identifizieren

Unter wissenschaftlicher Federführung der Universität St. Gallen und in Kooperation mit Roland Berger Strategy Consultants wird die Studie auf Basis von 12 bis 15 Expertengesprächen der Kerngruppe die Treiber identifizieren und diese in einer breit angelegten Online-Befragung (auf über 100 Teilnehmer erweiterte Expertengruppe) bewerten. In einem Abschlussworkshop der Kerngruppe sollen plausible Szenarien validiert und bewertet werden. Diese Arbeiten sollen demnächst abgeschlossen sein.

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