Knapp 350 Fr. für einen Flug von Hongkong nach London-Gatwick. Alle Taxen und Gebühren inklusive. Das gibt es bei der chinesischen Billiglinie Oasis. Vielleicht bald auch für die Strecke Basel - Hongkong. Die Gespräche mit dem Discount-Anbieter laufen, wie EuroAirport-Direktor Jürg Rämi Recherchen der «Handelszeitung» bestätigt. Und nicht nur mit Oasis. Kontakte gibt es auch mit Air Asia X, die mit 15 Grossraumflugzeugen von Kuala Lumpur aus Europa im Visier hat.

Takeoff für Airline-Giganten

Schon in Kürze sollen die ersten rot-weissen Flieger von Air Asia X Richtung Grossbritannien, Tschechien und Russland abheben. Bereits interessieren sich laut Insidern die Airline-Giganten Virgin Express und Easy Jet für Kooperationen mit der Discount-Gesellschaft, um ebenfalls Budget-Flüge zwischen Asien und Europa anbieten zu können. Zusammen mit Ryan Air wollen Air Asia X und Oasis den weltweiten Flugverkehr aufmischen. Ihre Chancen dafür stehen gut. «Ich bin überzeugt, dass sich diese Airlines am Markt behaupten werden», sagt Rämi (siehe «Nachgefragt»).

Er will dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, sondern sie aktiv vorantreiben. Sein Ziel: Eine Art Billig-Hub in Basel. Das bedeutet nichts anderes, als dass der EuroAirport künftig neben Billig-Kurzstrecken- auch Billig-Langstreckenflüge anbieten wird. Etwa ein halbes Dutzend sind mittel- fristig vorstellbar. Genug, um damit das Kurz- und Mittelstreckennetz mit zusätzlichen Fluggästen vor allem aus Asien zu speisen.

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Das Motto dabei heisst simpel und günstig. Passagiere sollen ihre Langstreckenflüge ebenso wie die europäischen Anschlussflüge per Internet kombinieren und buchen können. Dadurch würde der Flughafen Basel laut Rämi deutlich an Attraktivität gewinnen. Denn für Touristen aus Malaysia, China oder Südkorea spielt es keine Rolle, welchen Flughafen in Zentraleuropa sie ansteuern. Hauptsache, sie können günstig und ohne lange Wartezeiten zu ihrer gewünschten Destination weiterfliegen.

Das Konzept steht

«Wir haben ein Konzept für einen virtuellen Hub erarbeitet», erklärt Rämi. Das Papier wurde bereits mehreren Fluggesellschaften vorgestellt ? und stiess auf Anklang. Definitive Partnerschaften gibt es noch keine. Die ersten Kontakte seien aber da. Angesichts der rapide wachsenden Zahl an Billiglinien auf der Langstrecke dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis aus Rämis Konzept Realität wird.

Die Schnäppchen-Airlines sind interessiert an Flughäfen wie Stansted oder eben Basel mit einem bestehenden Low-Cost-Angebot auf der Kurzstrecke. Das garantiert ihnen die benötigte kostengünstige Infrastruktur sowie das passende Umfeld: Passagiere, die für einen Trip zwischen europäischen Städten möglichst wenig zahlen, wollen auch für eine Reise in die USA oder nach China nicht zu tief ins Portemonnaie greifen.

Oasis und Air Asia X ihrerseits nutzen Kostenvorteile der Low-Cost-Carrier auf der Kurzstrecke auch auf der Langstrecke. So sparen sie beim Vertrieb, kostenpflichtigen Zusatzdienstleistungen und dem Inflight-Service. Und sie können gezielt Punkt-zu-Punkt-Verbindungen eröffnen, ohne Rücksicht auf eine bestehende NetzwerksStruktur zu nehmen, wie das bei traditionellen Fluggesellschaften wie Lufthansa, Swiss oder Air France der Fall ist.

Geht der Plan von Jürg Rämi auf, werden sich diese bald an eine Konkurrenz gewöhnen müssen, die einen Flug Basel?Hongkong in der Economy-Class für 350 Fr. anbieten.

 

 

nachgefragt
«Das Potenzial für Langstreckenflüge ab Basel ist da»

Der Direktor des EuroAirport, Jürg Rämi, will den Flughafen als Drehkreuz für interkontinentale Billigfluglinien etablieren. Interessiert ist er an Destinationen in Asien und den Vereinigten Staaten.

Oasis oder Air Asia X bieten Langstreckenflüge zum Discount-Preis an. Führt der EuroAirport mit diesen Fluggesellschaften Gespräche?

Jürg Rämi: Ja. Wir sind in Kontakt mit diesen Airlines. Aber bisher ist noch nichts konkret.

Was heisst bisher?

Rämi: Die Zukunft wird es zeigen.

Rechnen Sie noch dieses Jahr mit einer Anbindung?

Rämi: Ich rechne nicht damit. Aber es ist nicht ausgeschlossen.

Wie gross ist Ihr Interesse an einer solchen strategischen Partnerschaft?

Rämi: Wir sind sehr interessiert an einem solchen Airline-Partner. Auf der Langstrecke bieten sich zwei, drei Destinationen in Asien und zwei bis drei Destinationen an der amerikanischen Ostküste an.

Wird der EuroAirport damit zum internationalen Drehkreuz?

Rämi: Nein, ich glaube nicht, dass unser Flughafen mittelfristig zu einem Hub im traditionellen Sinn entwickelt werden kann. Aber das Potenzial für Langstreckenflüge ab Basel ist da.