Die HRS Real Estate AG, Totalunternehmerin des Basler Messeneubaus, weist Lohndumping-Vorwürfe von Gewerkschaften zurück: Auf Grossbaustellen seien schwarze Schafe unter Subunternehmen kaum zu vermeiden; mit einer fehlbaren Metallbaufirma habe HRS keinen Vertrag.

«Das System der globalisierten Submission beziehungsweise Auftragsvergabe bei Grossaufträgen» baue auf «Eigenverantwortung auf allen Stufen», teilte HRS mit: «Jeder Auftraggeber kontrolliert nur seinen direkten Auftragnehmer» und verpflichte diesen vertraglich, «die Spielregeln nach unten weiterzugeben».

Zeitweise seien 1200 Arbeitskräfte pro Tag auf der Messebaustelle. Als Totalunternehmerin habe HRS beim Stahlbau nur mit der Messe Schweiz (MCH) als Bauherrin und mit der ARGE Wendeler + Süssen Vertragsbeziehungen. Die jüngsten Lohndumping-Vorwürfe beträfen eine slowenische Metallbaufirma als «Sub-sub-Unternehmen».

Arbeit ohne Lohn

Leidtragende sind indes die Arbeitnehmer am Ende der Auftragskette: Solche in Slowenien warten laut HRS-Communiqué auf ihre Löhne. Ein Subunternehmer als Auftraggeber jener Firma habe wegen der Vorwürfe Zahlungen zurückgehalten. HRS-CEO Martin Kull nannte es an einer Medienkonferenz «bedauerlich», dass deswegen Lohnzahlungen ausbleiben; das liege jedoch nicht im Einflussbereich der HRS.

Bisher sei das angestrebte Gespräch aller Auftragsketten-Ebenen zur Bereinigung dieses Falles nicht gelungen. HRS bleibe dran, was laut Kull einige Monate dauern kann. Solange fliesse die Auftragssumme nicht. Betroffene Arbeiter müssen also weiter auf ihren Lohn warten. Verantwortlich sei allein jene fehlbare Firma.

Insgesamt gebe es auf der Messebaustelle Lohndumping-Vorwürfe in drei Fällen: neben dem Stahlbauer, wo Lohnkontrollen noch pendent sind, auch noch gegen Gipser und Elektriker - laut Kull Schweizer Firmen. Gemäss HRS-Projektleiter Wolfgang Schäfer hat die Gipserfirma die Einhaltung aller Regeln unterzeichnet; freiwillig offen gelegte Belege sähen korrekt aus.

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HRS sieht keinen Handlungsbedarf

Auch den Vorwurf, die Arbeitssicherheit werde Spar- und Termindruck geopfert, wies Kull zurück: Mit 22 Unfällen, davon 8 mit mehr als drei Ausfalltagen, sei auf dieser Baustelle relativ wenig passiert. Vom ganzen Bauvolumen seien auch nur 11 Prozent an ausländische Firmen vergeben worden - Subunternehmen indes nicht eingerechnet.

Seit Baubeginn bemüht sich HRS laut Communiqué «nach bestem Wissen und Gewissen und mit grossem Nachdruck», mit der MCH vereinbarte Termine und Bedingungen einzuhalten. Die künftige Solidarhaftung bringe Generalunternehmern neue Kontrollpflichten samt -rechten, aber auch erheblichen Administrativaufwand.

Das 430-Millionen-Messeprojekt soll am 30. April 2013 abgeschlossen sein. Der spektakuläre Hallenneubau muss für die wichtige nächste Uhren- und Schmuckmesse bereit stehen.

Ausländische Scheinselbständige

Gewerkschaften hatten wiederholt auf diverse Verstösse gegen geltendes Recht auf der Messebaustelle hingewiesen. Moniert hatten sie etwa ausländische Scheinselbständige, verschleierte Dumpinglöhne sowie unzulässig lange Arbeitszeiten.

Die Arbeitnehmerverbände verweisen überdies auf den Kanton St. Gallen: Dieser toleriere auf seinen Baustellen grundsätzlich keine Subunternehmer-Ketten mehr.

(tno/sda)