Der Wirteverband Basel-Stadt ist nicht zimperlich, wenn es um das Vertreten eigener Interessen geht. So wurde vergangenen Mai ein Rampenverkauf organisiert, bei dem Cola-Dosen und Carlsberg-Bierflaschen zum Dumping-Preis feilgeboten wurden – aus Protest gegen die Preispolitik der Getränkekonzerne.

Nun scheint ein nächster Streit zu eskalieren, dessen Geschichte ihren Anfang im November 2011 nimmt. Seit damals importiert der Wirteverband Basel-Stadt Mehrwegflaschen von der deutschen Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG – und verteilt diese via Partnerfirma an rund 200 Gastwirtschaftsbetriebe in der Nordwestschweiz.

Weko-Anrufung provoziert Offertstellung

Die Einsparung: «Je nach Rabattstufe in der Schweiz zwischen 11 und 34 Rappen pro Flasche», so Maurus Ebneter, Delegierter des Wirteverbandes. Es lag auf der Hand, den Umweg über den Zwischenhändler zu eliminieren. Auf eine Offertanfrage reagierte der deutsche Coca-Cola-Vertreiber aber erst nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) eingeschaltet worden war.

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Für Ebneter sei es unhaltbar, «dass ein Schweizer Kunde von der Konzern-Niederlassung in benachbarten Ländern erst dann eine Offerte erhält, wenn man Anzeige erstattet oder zumindest damit droht».

Vorenthaltene Preisermässigung

Die verspätete Offerte kam am Rheinknie alles andere als gut an: «Zwar ist die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG bereit, den Basler Wirten die üblichen Mengenrabatte und Belieferungskonditionen zu gewähren, allerdings nicht sogenannte Werbebeiträge, die angeblich der Marktbearbeitung in Deutschland dienen», so der Verband in einer Mitteilung.

Ein Angebotsvergleich hätte gezeigt, dass die vorenthaltene Preisermässigung bei rund 15 Prozent des Nettopreises läge. «Würde ein deutscher Grossist für diesen Wert tatsächlich Werbung leisten, wäre er eine Werbeagentur und nicht Getränkehändler», kommentiert Ebneter sarkastisch. Weil viele Wirte darauf angewiesen seien, mit Coca-Cola beliefert zu werden, würde dies vom Konzern ausgenutzt, «um in der Schweiz Kartellrenten zu erzielen».

Verschärfung des Kartellrechts

Ebneter fordert eine gesetzliche Norm, die sicherstelle, dass Kunden aus der Schweiz nicht benachteiligt würden. «Das würde unsere Position stärken und dazu beitragen, dass in der Schweiz endlich Wettbewerbspreise zustande kommen.» Der Zeitpunkt der Verbandsoffensive ist deshalb kein Zufall, weil der Ständerat am Donnerstag über eine Verschärfung des Kartellgesetzes diskutieren wird.

Vorerst besteht eine Patt-Situation: Die vom Wirteverband bei der Weko angefragte Vorabklärung sei eröffnet, bestätigt Weko-Direktor Patrik Ducrey auf Anfrage – ein Vorgang, der allerdings bereits auf Ende 2012 zurückgeht. «Uns hat das grundlegende Problem beschäftigt, dass der Wirtverband nicht beliefert wurde, jetzt geht das. Deshalb ist dies für uns keine Behinderung von Parallelimport mehr», sagt er gebenüber der Konsumsendung «Espresso» von Radio SRF 1.

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Die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG will laut Bericht «zum Stand von Verhandlungen keine öffentliche Stellungnahme abgeben». Beim hiesigen Ableger Coca-Cola HBC Schweiz gibt man sich auf Anfrage von «Handelszeitung Online» diplomatisch: «Wir sind im ständigen Austausch mit allen unseren Partnern», so Alex Maycock, Leiter Gastro & Ausser Haus Konsum, «es ist uns ein Anliegen, auch mit dem Wirteverband eine gemeinsame Lösung zu finden.»