Chefredaktor Markus Somm, der lange Zeit heimliche Investor Christoph Blocher und der neue Financier Tito Tettamanti haben sich unter den Lesern der «Basler Zeitung» («BaZ») wenig Freunde gemacht: Die Zeitung hat alleine in der vergangenen Woche Abonnements im vierstelligen Bereich verloren, wie Somm im Gespräch mit dem «Sonntagsblick» sagt.

Auf die Frage, wie viele Abos weniger es sind, antwortet Somm: «Über tausend. Das ist brutal.» Er wolle jeden verlorenen Abonnenten zurückgewinnen, das werde jedoch sehr schwierig. «Ich kann verstehen, dass sich die Abonnenten veräpelt fühlen.»

Es ist das Ergebnis einer turbulenten Woche: Am Montagabend wurde bekannt, dass Moritz Suter seine Anteile an der «Basler Zeitung» an Rahel Blocher verkauft, ihr Vater Christoph Blocher kam als der wirklich Mächtige bei der «BaZ» zum Vorschein. Nur zwei Tage später übernahm dann Tito Tettamanti über eine Holding erneut die Zeitung.

Blocher leistet nun eine Garantie für allfällige Defizite der industriellen Bereiche, neuer Präsident und Delegierter des «BaZ»-Verwaltungsrates ist Filippo Leutenegger. Der umstrittene Chefredaktor Markus Somm bleibt im Amt.

Am Samstag wehrten sich Leutenegger und Somm gegen Vorwürfe, Marionetten von Blochers SVP zu sein. Der Unmut in Basel ist jedoch gross: Gleichentags protestieren mehrere hundert Menschen auf dem Theaterplatz gegen Somm, Blocher und Tettamanti.

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Blocher: «Ich habe bei der 'BaZ' nichts Unwahres gesagt»

Auch am Sonntag verteidigten sich die Protagonisten: «Ich bin keine Marionnette. Ich schreibe immer das, was meine Überzeugung ist», so Somm im «Sonntagsblick». Zu Blochers verstecktem Engagement sagte er: «Ob ein Investor Auskunft gibt, kann er selbst entscheiden - das gilt auch für Medien.» Er selbst habe nicht gewusst, woher Verleger Moritz Sutter das Geld hatte und er habe es auch nicht wissen wollen.

Blocher selbst sagte der Zeitung: «Ich habe bei der 'BaZ' nichts Unwahres gesagt, aber nicht alles offengelegt. Was soll denn hier so schlimm sein?»

Der neue Investor Tito Tettamanti gestand im Interview mit «Der Sonntag» ein, dass Blocher bei der «BaZ» schon seit längerem Regie führte. «Wir haben den Fehler gemacht, dass wir keine Transparenz geschaffen haben», sagte Tettamanti. Die Restrukturierung der «BaZ» bezeichnete er als «schwierigen Fall», aber, so der Tessiner weiter, «eine Sanierung scheint möglich.»

(tno/vst)