Die Karl Steiner AG hat per Ende Mai für das Spital Männedorf einen Erweiterungsbau mit 24 Patientenzimmern für Zusatzversicherte abgeschlossen. Alle Zimmer verfügen über Seesicht und einen eigenen Zugang zur Terrasse, auf der man auch im Bett Momente der Musse geniessen kann. Der Erweiterungsbau verbindet beispielhaft höchsten Komfort mit optimierten Abläufen.

Spitäler haben Nachholbedarf

Am Projekt Männedorf lässt sich exemplarisch veranschaulichen, worauf Bauherrschaft und Generalunternehmung besonders achten sollten. Auf dieser Basis werden Skaleneffekte bei weiteren Modernisierungs- und Ausbauvorhaben vieler Schweizer Spitäler möglich, die zwischen 1960 und 1980 entstanden. Sie erreichen ein Alter, in welchem Bausubstanz und technische Infrastruktur an die Grenzen der Leistungsfähigkeit bzw. der Lebenserwartung stossen.

Die Bedürfnisse der Patienten haben sich während der letzten Jahre und Jahrzehnte grundlegend verändert. Die Individualisierung der Gesellschaft macht - verbunden mit dem Wunsch nach mehr Komfort bzw. nach einem permanent guten Lebensgefühl - vor Spitälern nicht halt. Patienten haben faktisch die Wahlfreiheit, wo sie sich behandeln lassen wollen. Zimmer mit vier, sechs oder gar acht Betten sind nicht mehr marktfähig. Gleichzeitig nehmen Kostendruck und Konkurrenz im Gesundheitswesen zu.

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Frühe Einbindung lohnt sich

Bau- und Sanierungsprojekte öffentlicher Spitäler nehmen von der Entwicklung bis zur Schlüsselübergabe viel Zeit in Anspruch. Politische Gremien wie Trägergemeinden und Kanton müssen nach mehreren Revisionsschlaufen ebenso überzeugt hinter dem definitiven Lösungsvorschlag stehen wie die Spitalleitung, Ärzteschaft und Pflegende sowie die Stimmbevölkerung.

Die Erfahrung zeigt, dass es keine Standardlösung für den richtigen Ansatz gibt. Jedes Spital ist anders und kennt spezifische Bedürfnisse. Im einen Gebäude sind eine grundlegend neue Aufteilung der Raumstruktur mit Flächenoptimierung sowie eine geeignete Staffelung der Bauphasen möglich. Im anderen Gebäude bleibt dies eine Quadratur des Kreises; ein kompletter Neubau oder Erweiterungsbau ist nötig.

Die Wahl des Generalunternehmens, das für die Umsetzung zuständig sein wird, erfolgt auf Grund der Submissionsprinzipien für öffentliche Ausschreibungen in der Regel erst nach abgeschlossener Planung und Entwicklung. Im Sinne der Konsistenz von Entwicklung, Planung und Realisierung ist es jedoch angesichts der Komplexität von Spitalbauten sinnvoll, GU-Expertise möglichst frühzeitig einzubinden. Ob eine gangbare Etappierung von Bauarbeiten oder Baustellenlogistik möglich ist, kann ein in Spitalprojekten erfahrenes Generalunternehmen in beratender Funktion bei entsprechenden Entwicklungs- und Planungsoptionen durch sein Expertenwissen zuverlässig vorhersagen, auch, ob die temporäre Symbiose von Spital- und Baustellenbetrieb tatsächlich funktionieren wird. Dies ist ein wertvoller Beitrag, um wichtige Weichen von Anfang an richtig zu stellen.

Flexibilität während Erstellung

Im Vergleich zu anderen Haustypen (z. B. Büro- und Gewerbegebäude) sind Spitalbauten in ihrer Multifunktionalität hochkomplex und mit modernster Technik ausgerüstet. Die Raumanordnung als Ganzes sowie jeder einzelne Raum für sich müssen optimal auf die spezifischen und gleichzeitig vernetzten Aufgaben von Ärzten, Pflegenden, Hotellerie, Gastronomie und Reinigung ausgerichtet sein.

Nebst hoher Beständigkeit spielt die Ästhetik im modernen Krankenhaus und insbesondere in den Patientenzimmern eine wichtige Rolle. Das Ambiente soll so sein, dass sich Rekonvaleszente, ihre Angehörigen und Besucher wohlfühlen. Entsprechend hohen Stellenwert nehmen Fragen zur Materialisierung in den Patientenzimmern ein. Flexibilität während der Erstellungsphase zahlt sich deshalb besonders aus.

Aus diesem Grund richtete die Karl Steiner AG beim Erweiterungsbau für das Spital Männedorf drei Monate nach Baubeginn im Auftrag der Bauherrschaft ein Musterzimmer ein. Die Investition von 260000 Fr. mag auf den ersten Blick hoch erscheinen. Doch dieses «Laboratorium» sollte sich als äusserst wertvoll erweisen, denn im Prototyp liess sich laufend experimentieren. Welche Anordnung ist die beste? Welche Materialisierung wirkt anmutig und ist gleichzeitig gut zu reinigen? Lassen sich auch speziell lange oder breite Betten problemlos manövrieren? Ist die Notrufanlage in der Nasszelle immer noch bedienbar, wenn man am Boden liegt?

Der Input aller Beteiligten führte beim Erweiterungsbau Männedorf zu über 150 Änderungsanträgen, welche die Karl Steiner AG in enger Absprache und Koordination mit Bauherrschaft, Planern und Subkontraktern bearbeitete. Aus ihnen resultierte im Bauverlauf eine Vielzahl von Verbesserungen.

Patient steht im Mittelpunkt

In Spitälern soll der Baufortschritt vor allem akustisch möglichst emmissionsfrei sein. Auch während der Realisierung eines Neu- oder Erweiterungsbaus steht der Patient mit seinem Bedürfnis nach Schonung und Ruhe im Mittelpunkt, was besondere Rücksichtnahme durch die Ausführenden erfordert. Zu den entsprechenden Massnahmen gehören eine Meldepflicht und die klare Einhaltung der Zeiten für alle Tätigkeiten, die mit hoher Lärm- und Vibrationsintensität verbunden sind. Die Meldepflicht ermöglicht es den Operationsteams zudem, bei besonders delikaten Eingriffen kurzfristig eine Unterbrechung der entsprechenden Arbeiten zu verlangen.

Nicht zu vergessen sind überdies die strengeren Anforderungen im Bereich der Baustellensicherheit auf einem Spitalareal. In Männedorf galten beispielsweise spezielle Befestigungsrichtlinien für Materialien, die für den neuen Patiententrakt neben dem Helikopterlandeplatz gelagert wurden.