DETAILHANDEL. Milch und Brot werden bereits am 1. November in den meisten Läden teurer: Denner schlägt bei den Milchprodukten um 10 Rp. auf, die gewerblichen Bäckereien verlangen fürs Pfünderli Ruchbrot bis 20 Rp. mehr. Preisanpassungen bei Milch und Brot wird im Laufe des Novembers auch Grossverteiler Coop vornehmen. «Über die Details werden wir zu gegebener Zeit offen und transparent informieren», erklärt Coop-Sprecher Takashi Sugimoto. Vorderhand noch bedeckt hält sich die Migros.

Klar ist, dass sich die Preisspirale nach Milch und Brot weiter drehen wird. Ob der Preisschub 2008 insgesamt 10 bis 15% betragen wird, wie bereits in den Medien spekuliert worden ist, bleibt offen. Denner wird 2008 die Preise für Schokolade und Biscuits um 5%, für Mehl um 15% und für Bier sowie Mineralwasser um 5 Rp. pro Flasche erhöhen. Doch das dürfte erst die halbe Rechnung sein. «Die Verhandlungen mit der Industrie sind noch nicht abgeschlossen», so Denner-Sprecherin Grazia Grassi. Eine Teuerung von 10 bis 15% für den gesamten Warenkorb scheint ihr jedoch eine übertriebene Schätzung.

«Alles ist im Fluss»

Bei Coop sollen die 50 gängigsten Artikel des täglichen Bedarfs 2008 nicht mehr als 2% teurer werden. Die Migros will sich weder auf Spekulationen einlassen, noch vorgängig Details verraten. Im Moment sei man immer noch am Verhandeln und Kalkulieren. Sprecherin Martina Bosshard sagt lediglich: «Es ist klar, dass die Preise mehr oder weniger bei allen Produkten stark unter Druck sind.» Die industriellen Verarbeiter ihrerseits verweisen auf die laufenden Verhandlungen. «Es ist alles im Fluss; wir geben deshalb zu möglichen Preiserhöhungen keinen Kommentar ab», heisst es beim Biscuits-Produzenten Kambly. Nahrungsmulti Unilever hat in diesem Jahr bereits die Verkaufspreise für Salatsaucen, Margarinen, Öle und Fette erhöht. «2008 werden auch die Glacen teurer», verrät Anne Zwyssig, Sprecherin von Unilever Schweiz. Verantwortlich dafür seien in erster Linie die massiv gestiegenen Rohstoffpreise. Ins Gewicht fielen weiter die höheren Verpackungskosten und der teure Euro. «Nachdem wir drei Jahre lang dank Effizienzsteigerung dem Preisdruck standgehalten und dafür auch Margenschmälerungen in Kauf genommen haben, ist es jetzt unumgänglich, die höheren Rohstoffkosten an den Handel und die Konsumenten weiterzugeben», verteidigt Zwyssig die Preispolitik. Hinter eine solche Argumentation, die fast überall in der Branche ähnlich tönt, setzt der Schweizerische Bauernverband (SBV) ein grosses Fragezeichen. «Aufgrund der Rohstoffpreiserhöhungen lassen sich keine massiven Anpassungen der Konsumentenpreise rechtfertigen», gibt SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein zu bedenken.

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Kritik des Bauernverbands

Der SBV untermauert diese These mit brisanten Beispielen: So dürfte das Pfünderli Brot, wenn das Mehl nun um 15% aufschlägt und einfach nur die Kosten weitergegeben werden, im Laden höchstens um 1,5% teurer werden. Tatsächlich jedoch schlagen viele Bäckereien um bis zu 20 Rp. oder rund 10% auf. Auch der Liter Milch dürfte, weil jetzt die Bauern schrittweise 6 Rp. mehr dafür erhalten, nach Berechnung des SBV im Laden höchstens 7, aber nicht 10 Rp. und mehr aufschlagen. «Die Beispiele lassen befürchten, dass Handel und Verarbeiter im Sog der gestiegenen Rohstoffpreise auch ihre eigenen Margen erhöhen», so Helfenstein. Dies wäre keine neue, sondern eine Fortschreibung einer langjährigen Politik. Laut SBV sind nämlich die Preise für landwirtschaftliche Produkte in den letzten 15 Jahren um 25 % gesunken, im gleichen Zeitraum sind aber die Konsumentenpreise um 15% nach oben geklettert. In der aktuellen Preisdiskus-sion vermutet der SBV Stimmungsmache der Händler und Verarbeiter, um dem Konsumenten die Margengewinne zu verschleiern und das Terrain für weitere Aufschläge vorzubereiten.

Nachholbedarf bei den Margen

Wenig abgewinnen kann solcher Argumentation Swissbaker-Direktor Thomas Gehrig. «Fünf Jahre lang war nun der Brotpreis stabil, obwohl in dieser Zeit die Kosten für Löhne, Energie und Rohstoffe gestiegen sind», wendet er ein. Mit dem nun teureren Brot könnten die Bäcker bestenfalls einen Teil des in den letzten Jahren erlittenen Margenverlustes wieder kompensieren. Zudem würde der Markt einen massiven Brotpreisaufschlag nicht goutieren. Auch Coop-Sprecher Sugimoto ist überzeugt, dass im Schweizer Detailhandel der Preiskampf dermassen hart ist, dass kein Händler die aktuelle Situation zu seinen Gunsten ausnützen könne. Und Coop werde auch nicht akzeptieren, wenn jetzt Lieferanten zusätzlichen Profit herausschlagen möchten. Bereits als Gewinner der aktuellen Entwicklung sieht sich, auch wenn er ebenfalls an der Preisschraube dreht, Discounter Denner. «Preisbewusste Konsumenten werden in Zukunft vermehrt, um der Teuerung entgegenzuwirken, im Discountkanal einkaufen», so Grazia Grassi. Solche Feststellungen werden allerdings relativiert durch die Ergebnisse einer Erhebung, die Peter Hofer, CEO der IHA-GfK, diese Woche an einer Tagung des Europa-Forums in Luzern präsentiert hat. Danach ist der Schweizer Konsument im Vergleich zu den Nachbarn im Ausland qualitäts- und genussorientierter. Dafür sei er bereit, freiwillig höhere Preise zu zahlen, vor allem auch, wenn ethische Werte im Spiel sind.

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