Die Schweiz, so betonen Telekommanager gerne, verfüge bereits heute über eine erstklassige Infrastruktur. In kaum einem anderen Land seien schon so viele Glasfasern in die Quartiere gebaut worden wie hierzulande. Und tatsächlich deckt die Swisscom bereits rund 80% der Anschlüsse mit dem sogenanntem VDSL ab. Diese Technologie ermöglicht ein Angebot mit einer Geschwindigkeit von 20 Mbit/s, ist also viel schneller als ADSL.

Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, was eine neue Studie zutage fördert. Das renommierte Beratungsunternehmen Polynomics in Olten hat einen Bericht zur Wirkung des Breitbandausbaus auf Arbeitsplätze und die deutsche Volkswirtschaft verfasst. Die Experten kommen darin zum Schluss, dass in Deutschland bis 2020 für rund 36 Mrd Euro die Hälfte der Haushalte mit Breitband versorgt werden könnten. Diese Zahlen beinhalten sowohl einen Anteil Glasfasern wie auch einen Anteil, der wie in der Schweiz mit VDSL abgedeckt würde.

Swisscom investiert Milliarden

Rechnet man diese Ausgaben auf die Schweiz um, ergäbe das Infrastrukturkosten von lediglich rund 5 Mrd Fr. bis im Jahr 2020. Nun hat aber die Swisscom bekannt gegeben, bereits in den nächsten sechs Jahren insgesamt rund 8 Mrd Fr. in die Schweizer Telekom- und IT-Infrastruktur zu investieren, davon entfallen 35% auf den Glasfaserausbau - entspricht etwa 2,8 Mrd Fr. Doch in der Schweiz investiert ja nicht nur die Swisscom: Auch die regionalen Elektrizitätswerke geben hunderte Millionen für eine neue Glasfaserinfrastruktur aus. Und auch die Cablecom investiert jährlich rund 250 Mio Fr., um ihr Netz schneller zu machen. Zudem sind die Kosten für die Zeitspanne nach sechs Jahren noch nicht berücksichtigt.

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Weniger neue Arbeitsplätze

Wird in der Schweiz also eine viel zu teure Infrastruktur gebaut? Patrick Zenhäusern, Leiter Verkehr und Kommunikation bei Studienverfasserin Polynomics, erklärt, für die grossen Unterschiede gebe es Gründe, etwa bei der Technik: «In Deutschland werden Breitbandnetze auch mit Drahtlos-Technologien gebaut; in der Schweiz dagegen ist der Ausbau im Wesentlichen festnetzbasiert geplant, was vergleichsweise höhere Investitionskosten nach sich zieht.» Die Swisscom betont zudem, es gebe unterschiedliche Kostenstrukturen: «Eine Eurostat-Studie zeigt, dass die Baukosten in der Schweiz zu den höchsten in Europa gehören - sie sind auch im Vergleich zu Deutschland höher», erklärt Sprecher Sepp Huber. Und: «Rund 80% der Gesamtkosten beim Glasfaserausbau bis zum Haus sind Tiefbaukosten.» Im Weiteren seien die Zahlen nicht direkt vergleichbar, weil man in der Schweiz wirklich auf Glasfasern bis in die Haushalte setze. Allerdings, so die Swisscom: «Die qualitativen Ergebnisse, beispielsweise in Bezug auf den Einfluss der hohen Investitionsausgaben auf die Beschäftigung, lassen sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die Schweiz übertragen.» Die Polynomics-Studie kommt zum Schluss, dass der Breitbandausbau in Deutschland bis 2020 fast 1 Mio neue Stellen schaffen wird. Doch trotz teurerem Netz in der Schweiz kann die hiesige Wirtschaft gemäss Zenhäusern in den kommenden Jahren nicht im gleichen Ausmass von der Breitband-Offensive profitieren, «da viele Investitionen bereits erfolgt sind».