So ganz selbstverständlich geht David Haines die Handhabung seines neuesten Design-Wasserhahns noch nicht von der Hand. Das jüngste Top-Modell «Ondus» des Armaturenherstellers Grohe hat keinen Hebel mehr, Wassermenge und Temperatur werden über unscheinbare Tasten digital gesteuert. Schwarz-silbern ist der Hahn, todschick und mit 2000 Euro pro Stück sündhaft teuer. «Auch ein neues Design-Hotel in Las Vegas will die haben. Und wir haben alle möglichen Designpreise abgeräumt», sagt Grohe-Chef Haines, als er die Technik endlich im Griff hat.

Überhaupt ist der 47-jährige Brite, der mit seinem harten Sanierungskonzept 2005 in den Mittelpunkt der sogenannten Heuschreckendebatte geriet, längst wieder obenauf: «Die Massnahmen von damals zahlen sich aus. Wir haben ein Rekordjahr hinter uns. Grohe ging es noch nie so gut», sagt er.Das Unternehmen, das den Private-Equity-Gesellschaften Texas Pacific Group und der Beteiligungssparte der Credit Suisse gehört, steigerte seinen Umsatz 2007 um 8% auf 1,017 Mrd Euro. In nahezu allen Märkten – ausser Deutschland und den USA, wo fast sämtliche Bauzulieferer unter der schwächelnden Baukonjunktur leiden – wuchs das Unternehmen zweistellig. Insbesondere in Asien, im Mittleren Osten und in Russland reissen sie sich um die Designarmaturen.

Im schwierigen deutschen Markt legte das Unternehmen trotz eines schwachen 2. Quartals ganz leicht zu, während die Branche mit einem knappen Minus abschloss. In den USA stieg der Umsatz trotz der Hypothekenkrise währungsbereinigt um 3%. Für 2008 ist Haines wegen der zahlreichen weltwirtschaftlichen Unwägbarkeiten noch zurückhaltend. «Wir wollen den Umsatz jedes Jahr organisch um 4 bis 8% steigern.»

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Haines wittert Chancen, jetzt regionale Schwächen auszubügeln: «Ich denke, in nächster Zeit werden einige Armaturenhersteller zum Kauf angeboten. Wenn wir eine passende Ergänzung finden, werden wir zuschlagen. Die Preise für diese Unternehmen fallen, wir müssen also nur Geduld haben», sagt der frühere Coca-Cola- und Vodafone-Manager.

Die Finanzierung ist kein Problem. Schneller als selbst von den Grossinvestoren erwartet, hatte Haines 150 Mio Euro an Einsparungen erzielt und dabei auf einige Entlassungen verzichtet. «Wir haben in zweieinhalb Jahren geschafft, wofür andere fünf bis zehn Jahre brauchen», betont er. Die Produktionsstrukturen wurden völlig neu geordnet, die Reklamationsquote sinke. Und sobald der Umbau des deutschen Stammwerkes abgeschlossen ist, dauert die Herstellung einer Armatur nicht mehr 20, sondern nur noch 3 Tage.