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Bedroht von Apple: Letzte Chance für Twint und Paymit

Apple Pay: Die Schweizer Anbieter wollen vorsorgen. Keystone

Banken und Detailhändler wollen Twint und Paymit gemeinsam weiterentwickeln. Das müssen sie auch. Denn sonst verlieren sie die Kunden an die ausländische Konkurrenz.

Von Michael Heim
am 30.03.2016

Bezahlen wir bald mit «Pint»? Oder mit «Twaynit»? Nachdem die grossen Banken und Detailhändler gemeinsam mitgeteilt haben, in Sachen Mobile Payment über die Bücher zu gehen, war von einer Fusion die Rede. Von einem Neustart. Und vermutlich war das auch  so beabsichtigt. Das unkoordinierte Nebeneinander der beiden Bezahl-Apps «Paymit» und «Twint» soll hinterfragt werden. Und das ist gut so.

Nicht, dass Wettbewerb etwas Schlechtes wäre. Es ist gut, dass es nicht nur die Visa-Kreditkarte gibt, sondern auch Mastercard und American Express. Doch etwas ist bei Twint gegen Paymit anders: Die beiden Apps treten nicht mit einer standardisierten Technologie an. Händler, welche  Zahlungen akzeptieren wollen, müssen ihre Kassensysteme anpassen und teilweise neue Geräte kaufen. Das wäre, wie wenn Visa auf Magnetstreifen, Mastercard jedoch auf Lochkarten gesetzt hätte.

Detailhändlern droht Technik-Chaos

Es ist vermuten, dass die Detailhändler als Treiber hinter der neuen Allianz stehen. Coop weiss inzwischen, was es heisst, Tausende von Kassen für Twint auszurüsten und das Verkaufspersonal umzuschulen. Und nun kommt auch noch Paymit. Wieder mit einer eigenen Technologie. Wieder mit anderen Abläufen. Der Marschhalt kommt kurz vor dem Start der Pilottests von Paymit bei Migros und Coop. Das ist kaum ein Zufall.

Die Denkpause tut gut. Denn worum geht es eigentlich? Die Banken wollen verhindern, dass die Konsumenten dereinst ihre Zahlungen über ausländische Apps von Google, Samsung und Apple abwickeln. Einerseits verlieren die Banken durch die neuen Konkurrenten an Umsatz und Einfluss. Andererseits lassen sich diese globalen Apps nicht mehr an hiesige Gegebenheiten anpassen. Etwa nach den Wünschen von Coop und Migros. Eine Schweizer Lösung hilft beiden Seiten. So einfach ist das.

Überzeugungskraft von Bezahl-Apps

Doch hilft die Schweizer Lösung auch den Konsumenten? Als hierzulande einst Postcard und EC-Direkt eingeführt wurden, waren das  Innovationen. Direkt ab dem Bankkonto einen Einkauf zu bezahlen, war vorher nicht möglich. Für Twint und Paymit gilt das so nicht. Oder noch nicht. Der Konsument muss gegenüber der Plastikkarte einen klaren Nutzen erkennen können – und das, ohne den Mehraufwand, wie er heute besteht.  Sonst werden die Schweizer Banken gegen die Profis aus dem Silicon Valley keine Chance haben.

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