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Euro-6-Norm
Befürchtungen ausgeräumt

15 Minuten braucht das Bergungs- und Abschleppfahrzeug der Larag

Einst als fast unüberwindbare Knacknuss für die Hersteller von Nutzfahrzeugen geltend, hat sich die neue Abgasvorschrift zum wichtigen Beitrag für geringere Emissionen und tiefere Betriebs

Von Kurt Bahnmüller
am 27.05.2014

Vor einigen Jahren galt die Emissionsnorm Euro 6 als höchst anspruchsvolle technische Auflage für die Nutzfahrzeughersteller. «Euro 6 war für die gesamte Branche eine Herausforderung», blickt Joel Granath, Leiter der Produktentwicklung des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers Scania, zurück. Unzählige Versuche wurden unternommen, um mit möglichst verkraftbarem Aufwand die extrem tiefen Grenzwerte zu erreichen. Dabei wurden unterschiedliche Wege eingeschlagen. Vielerorts rechnete man mit steigendem Treibstoffverbrauch durch die höhere Komplexität der Technik im Abgasstrang. Auch von höheren Fahrzeugpreisen war häufig die Rede.

Diese unsicheren Aussichten führten dazu, dass viele Nutzfahrzeugmarken im Herbst 2013 mit einem starken Zustrom von Kunden konfrontiert wurden, die sich noch vor dem Jahreswechsel 2013/14 ein Euro-5-Fahrzeug sichern wollten. Grund: Die Transportunternehmer stehen in einem harten Konkurrenzkampf; deshalb haben viele Nufa-Betreiber Bewährtes – das heisst Euro-5-Lastwagen – dem Unbekannten vorgezogen.

Mittlerweile erweisen sich die Befürchtungen zu Euro 6 als unbegründet, realisierten die Hersteller doch funktionierende technische Lösungen. Vorreiter waren Mercedes-Benz und Scania. Beide konnten deutlich vor der übrigen Konkurrenz Euro-6-Fahrzeuge liefern. Sie waren es auch, die mit umfangreichen Testfahrten beweisen konnten, dass Euro 6 keinesfalls mit höherem Treibstoffverbrauch verbunden ist. Im Gegenteil. Ein 40-Tonnen-Sattelzug Scania Streamline G410 kam in ­einem Test deutscher und fran­zösischer Fachzeitungen auf einer anspruchsvollen Strecke nahe München mit einem Durchschnittsverbrauch von 23,39 Litern Diesel auf 100 Kilometer aus. Scania profitierte von der Tatsache, dass seit der ersten Lancierung von Euro-6-Motoren mehr als drei Jahre vergangen waren, in denen man wertvolle Erfahrungen sammeln konnte.

Auch die Testfahrten anderer Hersteller ergaben Verbrauchswerte, welche die Vorbehalte gegenüber der Euro-6-Technik widerlegten. Gleichzeitig wurden Euro-6-­Triebwerke entwickelt, die mit alterna­tiven Treibstoffen wie etwa 100 Prozent Biodiesel betrieben werden können. Auch Nutzfahrzeuge mit einem Hybridantrieb (Elektro/Diesel) oder einem Gasmotor ­gewinnen an Bedeutung.

Die geringeren Emissionswerte leisten einen wirksamen Beitrag zur Reduktion der Luftbelastung durch den Schwerverkehr. Niedrige Verbrauchswerte bedeuten auch tieferen Gesamtaufwand der Fahrzeuge, macht doch der Treibstoff rund 30 Prozent der Gesamtbetriebskosten aus.

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