Für die Anleger sind die Marktpräsenz und das Stellen von marktgerechten Preisen seitens der Emittenten von grösster Wichtigkeit. Die Messung der Qualität des Market Making war bis anhin für Anleger zu einem grossen Teil schwierig bis gar nicht möglich.

Seit Ende Januar 2009 kön- nen Anleger auf der Internetseite www.scoach.ch für sämtliche gehandelte Produkte nachprüfen, wie gut das Market Making des Emittenten ist. Man erhält aussagekräftige Antworten auf wesentliche Fragen: Wie liquide ist das Produkt? Wie eng ist die Geld-Brief-Spanne? Wie gut und in welcher Regelmässigkeit und Quotepräsenz stellt der Emittent während eines Handelstages die Kurse? Mit der Einführung der Qualitätsmerkmale, die in enger Zusammenarbeit mit den Emittenten und Teilnehmerbanken erarbeitet wurden, wird das Market Making dank standardisierter Basis der Produkte nun quantifiziert und öffentlich transparent gemacht. Es ist voraussichtlich eine Frage der Zeit, bis andere Börsen einen ähnlichen Standard in Sachen Transparenz anwenden werden.

Der Boden dürfte gefunden sein

Das Handelsvolumen hat im Februar 2009 gegenüber dem Vormonat um 4,7% zugenommen. Eine Stabilisierung der Volumen auf den durchschnittlichen Niveaus der Jahre 2005/2006 ist ersichtlich und der Boden dürfte gefunden sein. Diese Entwicklung gerade im Vergleich zu den Aktienmärkten unterstreicht, dass sich strukturierte Produkte als eigene Asset-Klasse etabliert haben.

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Das Anlegerverhalten hat sich dahin verändert, dass derzeit vor allem auf passive Anlageformen und einfache Strukturen gesetzt wird. Diese Aussage wird damit belegt, dass an der Scoach in jüngster Zeit rund 25% der Umsätze bei den Tracker-Zertifikaten (Produkte basieren oftmals auf einen Index) registriert wurden. Vor allem Geldmarkt-, Rohstoff-, aber auch die klassischen Aktienindexprodukte lagen in der Gunst der Anleger.

Bei Insolvenz droht Totalverlust

Derzeit sind rund 22000 Produkte von 28 Emittenten handelbar, und jeden Monat werden rund 2000 neue Produkte an der Börse kotiert. Trotz der Weltwirtschaftskrise und negativen Marktentwicklungen sind die Emittenten bemüht, den Anlegern weiterhin eine breite Produktpalette anzubieten. Der Wettbewerb unter den Emittenten ist unangehalten gross, obschon einige Emittenten ihre Aktivitäten reduziert haben. Eine Lücke beim Produktangebot dürfte dadurch aber nicht entstehen, da dies von etablierten Anbietern ohne weiteres kompensiert wird. Daher wird auch in diesem Jahr das Angebot breit und tief sein. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei strukturierten Produkten um Inhaberschuldverschreibungen. Der Anleger trägt entsprechend ein Ausfallrisiko, welches von der Bonität der emittierenden Bank abhängt.

Bei Insolvenz des Emittenten kann für den Anleger ein Totalverlust resultieren, unabhängig von der Entwicklung des jeweiligen Basiswertes, wie es bei Lehman Brothers der Fall war. Dieser Herausforderung nahmen sich der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP) und die Scoach als Herausforderung an und entwickelte eine Lösung für den Anleger, dieses Risiko bei Bedarf ausschliessen zu können. Ziel war es, eine möglichst einheitliche Lösung für den Finanzplatz Schweiz anzubieten, in Zusammenarbeit mit der SIX Group und ihren Gesellschaften. Es können nur börsenkotierte, an der Scoach Schweiz AG gehandelte Produkte, besichert werden. Der Emittent verpflichtet sich, eine Market-Maker-Vereinbarung zu unterzeichnen, damit die laufende Preisfeststellung und Berechnung der Hinterlegung (Collateral) möglich ist. Die Globalurkunde bzw. das Wertrecht muss zwingend bei der SIX SIS eingebucht sein, und Echtzeitdaten für den Basiswert müssen verfügbar sein. Aus rechtlichen Gründen muss es sich beim Sicherungsgeber um eine Gesellschaft mit Schweizer Domizil handeln. Es ist davon auszugehen, dass die Emittenten primär Kapitalschutzprodukte besichern werden. Eine Ausweitung auf Tracker-Zertifikate, aber auch Barrier Reverse Convertibles ist durchaus möglich.

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Emittent in der Pflicht

Der Emittent ist verpflichtet, den Anlegern leicht verständliche und umfassende Informationen über pfandbesicherte Produkte in standardisierter Form abzugeben. Im Weiteren hat er die kotierungsrechtlichen Vorschriften einzuhalten und somit die Sicherstellung einer umfassenden Informationstransparenz für den Anleger zu wahren. Nicht alle Wertpapiere eignen sich als Hinterlegung. Zudem wird je nach Qualität der Wertpapiere ein Sicherheitszuschlag erhoben, um Schwankungen innerhalb eines Handelstages abzufedern. Die Emittenten können anfänglich Sicherheiten aus dem SNB Basket, ECB Basket und SMI Expanded Basket hinterlegen. Eine Hinterlegung von Geld ist ebenfalls möglich. Bei der Aktienhinterlegung bestehen zudem Konzentrationslimiten, um das Marktrisiko im Verwertungsfall zu minimieren. Im Insolvenzfall findet eine Verwertung des Pfandes zugunsten der Anleger statt.

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Zielpublikum geht auf sicher

Pfandgesicherte Produkte eignen sich für Anleger, die das Emittentenrisiko in einem gewissen Marktumfeld nicht tragen wollen und bereit sind, für diesen «Versicherungsschutz» auf einen Renditeanteil zu verzichten. Zudem stellt es eine Risikodiversifikation der Gegenparteien im Portfolio dar, vor allem wenn Produkte vom selben Emittenten herausgegeben wurden. Bei pfandbesicherten Produkten handelt sich beim Emittentenausfallsschutz um eine zusätzliche Komponente. Sie hat keinen Einfluss auf das eigentliche Chancen-Risiken-Profil des Produkts. Ein wesentlicher Vorteil von strukturierten Produkten besteht darin, dass in kürzester Zeit zur jeweiligen Marktmeinung (steigend, seitwärts, sinkend) ein entsprechendes Produkt aufgesetzt werden kann.

Diese Neuerung wird im 2. Quartal 2009 verfügbar sein. Detaillierte Informationen werden auf der Website www.scoach.ch aufgeschaltet. Damit erhält der Anleger in Zukunft die Möglichkeit, ein Produkt mit oder ohne Emittentenrisikoschutz zu wählen.

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