1. Home
  2. Unternehmen
  3. Behinderte kritisieren Fitness-Rabatt der CSS

Unfair
Behinderte kritisieren Fitness-Rabatt der CSS

Nordic Walker beim Murtenlauf: Wer viel läuft, profitiert bei der CSS. Keystone

Zusatzversicherte bei der CSS profitieren von Prämienreduktionen, wenn sie täglich 10'000 Schritte laufen. Das sei diskriminierend für Menschen mit Behinderungen, bemängeln Behindertenorganisationen.

Veröffentlicht am 25.09.2016

Der Krankenversicherer CSS wird von mehreren Behindertenorganisationen scharf kritisiert, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Grund dafür ist das neue Programm «MyStep», das die CSS im Sommer schweizweit eingeführt hat. Wer eine Zusatzversicherung, ein elektronisches Sportarmband trägt und damit beweist, jeden Tag 10‘000 Schritte zu gehen, profitiert von einer Prämienreduktion.

«Dieses Programm ist diskriminierend für Menschen mit einer Behinderung», sagt Silvia Raemy, Sprecherin von Agile, dem Dachverband der Behinderten-Selbsthilfeorganisationen. Viele Personen seien körperlich schlicht nicht fähig, täglich so viel zu gehen. In der Regel hätten diese Menschen ohnehin schon höhere Gesundheitskosten zu bewältigen, da sie auf teure Spezialisten angewiesen sind. Auch der gemeinnützige Verein Procap, der sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt und rund 20 000 Mitglieder zählt, äussert Bedenken: «Eine solche Zweiteilung der Kundschaft ist ungerecht», sagt Martin Boltshauser, Leiter des Procap-Rechtsdienstes, in der «Schweiz am Sonntag». Man werde die CSS ersuchen, das Programm für Menschen mit anderen Bewegungsabläufen zu erweitern, damit auch sie profitieren können.

CSS: Alle profitieren

Das Problem ist grundlegend: Die obligatorische Grundversicherung ist solidarisch abgestützt. Bei Zusatzversicherungen herrscht jedoch Vertragsfreiheit. Hier können Versicherungskonzerne mit Sonderangeboten auf Kundenfang gehen. Behinderten Menschen, bei denen das Krankheitsrisiko oft schon bei der Geburt eingetreten ist, werden aber solche Zusatzversicherungen in aller Regel verwehrt. Marc Moser, Sprecher von Inclusion Handicap, dem Dachverband dem Schweizer Behindertenorganisationen wie Pro Infirmis und Insieme angehören, sagt denn auch: «Eine blinde Person, die täglich 10 000 Schritte läuft, wird unter Umständen gar keine Möglichkeit haben, eine Zusatzversicherung abzuschliessen, weil sie blind ist.»

Mit der Kritik konfrontiert, sagt CSS-Sprecherin Christina Wettstein, von einer gesünderen Lebensweise der «MyStep»-Teilnehmer würden alle Versicherten profitieren, weil die Kosten und somit auch die Prämien für alle weniger stark steigen, «auch für diejenigen, die diese Leistungen nicht in Anspruch nehmen wollen oder können».

(cfr)

Anzeige