Sie realisieren zwei Drittel Ihres Gewinns im Ausland. Wie sind Sie betroffen von den Verwerfungen in diversen europäischen und anderen Ländern?

Etienne Jornod: Wie alle Pharmaunternehmen sind auch wir von der Krise betroffen. Die Staaten haben sich massiv verschuldet und müssen ihre Finanzen in den Griff bekommen. Die Gesundheitsbudgets, die überall sehr hoch sind, geben dabei ein besonders beliebtes Ziel ab. Insbesondere in Griechenland, Deutschland und Spanien werden Medikamenten-preis-Senkungen angeordnet, wovon wir betroffen sind. Zudem beeinträchtigt die Euro-Schwäche spürbar unsere Verkäufe. Der derzeitige Dollarkurs entspricht unserem Budget.

Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Geschäftsgang? Wird sich dieses Jahr eher unter oder über dem Schnitt präsentieren?

Jornod: Wir bewegen uns innerhalb unserer Prognosen. Einmal abgesehen von der Euro-Schwäche gibt es keine grösseren Überraschungen.

Wo sehen Sie in der Schweiz noch Wachstum? Und welche Rolle spielt für Sie die eher gute Verfassung unserer Wirtschaft?

Jornod: Die Schweiz war sehr lange Zeit ein überaus günstiges Umfeld für die Pharmaindustrie. Dem ist nun nicht mehr so, auch wenn es unserer Wirtschaft relativ gut geht. Auf allen Stufen werden Massnahmen getroffen. Vor allem die Margensenkungen in den Apotheken und die Preissenkungen per 1. März sorgen dafür, dass sich der Arzneimittelmarkt in der Schweiz derzeit auf Abwärtskurs befindet.

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Wie lange geht das noch so?

Jornod: Mittelfristig wird sich die Lage durch die Stärke des Frankens keinesfalls verbessern. Die Behörden werden erneut die Preise mit dem Ausland vergleichen und neue Preissenkungen fordern - ungeachtet der Tatsache, dass Schweizer Unternehmen zu Schweizer Kosten arbeiten. Alle Mieten und Gehälter der Schweizer Apotheken werden schliesslich in Franken bezahlt.

Wie betrifft diese Entwicklung Galenica?

Jornod: Glücklicherweise verfügen wir über gute Produkte und sind beim Vertrieb und bei den Apothekenketten in einer strategisch guten Position. Wir haben zur richtigen Zeit die richtigen Akqui-sitionen getätigt. Dadurch kön-nen wir unsere Marktanteile stärken.

Sie haben sich immer gegen eine Aufteilung der Gruppe gewehrt. Welchen Mehrwert wird diese Strategie den Investoren in den nächsten Jahren bringen?

Jornod: Sie trägt zum Wachstum bei und gewährleistet eine gute Risikoverteilung, zumal wir unsere Investitionsbemühungen doch stark vor allem auf Forschung und Entwicklung sowie auf klinische Studien konzentrieren.

Sie haben für 2008 und 2009 für 1,5 Mrd Fr. zugekauft. Haben sich die Ausgaben gelohnt?

Jornod: Ja. Diese Investitionen haben die Gruppe ganz erheblich gestärkt. Aspreva hat bereits mehr eingebracht als seinen Nettoakquisitionspreis. Die Sun-Store-Kette läuft sehr gut und wir sind sehr zufrieden mit OM Pharma, die unsere Position im Ausland stärkt. Wie angekündigt, planen wir dieses Jahr keine Akquisitionen. Wir wollen die Gruppe in erster Linie konsolidieren. Wegen der Akquisitionen beschäftigt sie heute über 6500 Mitarbeitende.

Ab wann kaufen Sie wieder?

Jornod: 2011 oder 2012 kommen Zukäufe wieder in Betracht - wenn etwa Interessantes auftaucht.

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Bekannt ist Galenica auch durch seine Eisenpräparate. Wo sehen Sie weiteres Absatzpotenzial?

Jornod: Ihr grösstes Wachstum realisiert die Gruppe im internationalen Umfeld. Wichtig sind Ferinject, Venofer, Maltofer sowie demnächst PA21. Alle diese Produkte sind aus unserer Forschung in unserem ureigenen Kompetenzgebiet hervorgegangen - dem Eisen. Mit der Akquisition von OM Pharma eröffnen sich uns weitere hochinteressante Perspektiven.

Auf welche anderen Produkte aus Ihrer Forschungspipeline setzen Sie besonders?

Jornod: Wir befassen uns insbesondere mit der Erforschung eines neuen, oralen Eisenpräparates. In diesem Bereich haben wir kürzlich eine Vereinbarung über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Evotec getroffen.