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Industrie
Bei Comet droht ein Machtkampf ums Präsidium

Hans Hess, Praesident von Swissmem, spricht an der Jahresmedienkonferenz von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) am Dienstag, den 28. Februar 2017 in Zuerich..(KEYSTONE/Siggi Bucher)
Heinz Hess: Noch ist offen, wer den scheidenden Präsidenten bei Comet ersetzt.Quelle: Keystone

Das Unternehmen sucht einen Präsidenten. Nun scharen sich die Aktionäre hinter den Kandidaten, der für Veränderung steht.

Von Marc Badertscher
am 07.11.2018

Oft kommt das nicht vor: Innerhalb weniger Monate musste das Industriekonglomerat Comet vor wenigen Tagen zum zweiten Mal eine Gewinnwarnung absetzen. Diesmal waren unter anderem «die gestiegenen Unsicherheiten im wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld» schuld an der Misere. Der Zeitpunkt für die Hiobsbotschaft ist denkbar ungeeignet. Seit Wochen brodelt es im Aktionariat. Neben dem Frust über die magere Performance kamen zuletzt Zweifel an der bisherigen Strategie auf.

Nun droht ein Machtkampf: Brennpunkt ist die anstehende Wahl des neuen Verwaltungsratspräsidenten. Sie dürfte richtungsweisend sein. Noch hat sich der Verwaltungsrat für keinen eigenen Kandidaten entschieden. Doch der Druck aus dem Aktionariat nimmt zu. Nach dem Fonds Veraison äussert auch Pictet Asset Managment seine Unterstützung für den Kandidaten Heinz Kundert. Der ehemalige Chef des Vakuumventil-Herstellers VAT gilt als einer, der den Fokus bei breit aufgestellten Unternehmen schärfen kann.

Unter Druck gerät der im Frühling scheidende Comet-Verwaltungsratspräsident Hans Hess. Er steht für die Positionierung mit vier grösstenteils unabhängigen Geschäftseinheiten. «Es gab operative Fehler, die bis Ende Jahr korrigiert sind», sagt Hess. 2018 sei kein gutes Jahr für Comet. «Unsere Strategie kann aber nach wie vor Mehrwert schaffen. Jetzt geht es um die Nomination eines neuen Verwaltungsratspräsidenten und nicht um einen Strategieentscheid», so Hess weiter. Wie die Strategie für die Periode 2020–2025 aussehen soll, werde der Verwaltungsrat unter dem neuen Präsidenten erarbeiten.

Neue Verwaltungsräte

Wer über welchen Einfluss verfügt, ändert sich gerade. Veraison erhöht seine Position fortlaufend. Erst vor zwei Wochen meldete der Fonds einen Aktienanteil von 7,3 Prozent. Aufgestockt hat auch das Assetmanagement von Pictet. Vor einem Monat nahm Pictet die 5-Prozent-Hürde. Und die Bank wünscht offenbar ebenfalls Veränderungen. Auf Anfrage jedenfalls erklärt Lorenz Reinhard, Leiter Aktien Schweiz bei Pictet Asset Management: «Wir befürworten alle Bemühungen, die Strategie bei Comet möglichst rasch den jüngsten Entwicklungen anzupassen und zu schärfen. Wir würden es begrüssen, wenn Heinz Kundert neuer Verwaltungsratspräsident würde.» Um Comet voranzubringen, sei es zudem sinnvoll, den Verwaltungsrat mit weiterem Finanz-Knowhow zu stärken.

Offenbar stünde eine entsprechende Kapazität zur Verfügung: Dominik de Daniel, ehemaliger Finanzchef von Adecco. Reinhard geht davon aus, dass de Daniel zusagen würde, wenn man ihn fragt. De Daniel genoss zu seiner Adecco-Zeit gerade in Investorenkreisen grosses Ansehen.

Vorderhand geht es allerdings primär um die Personalie für den Präsidentenjob. In den nächsten Wochen soll die Suche nach Kandidaten abgeschlossen werden, sodass der Gesamtverwaltungsrat noch im Dezember darüber abstimmen kann, wer der Generalversammlung (GV) vorgeschlagen werden soll.

VR im Dilemma

Für die Verwaltungsräte ist das keine einfache Situation. Auf der einen Seite haben sie sich gemeinsam auf die noch gültige, auf vier Geschäftspfeilern basierende Strategie festgelegt. Entsprechend dürfte es ihnen schwerfallen, jetzt einen Präsidenten wie beispielsweise Kundert vorzuschlagen, der das Unternehmen möglicherweise ein Stück weit straffen und Teile abstossen könnte. Anderseits wissen die Verwaltungsräte auch, dass ihnen eine steife Brise entgegenbläst, sollten sie die Wünsche der Aktionäre einfach negieren. Es würde niemanden erstaunen, käme es in der Folge zu einem echten Kräftemessen, vielleicht sogar an der GV. Und vielleicht ginge es dann nicht mehr nur um das Präsidium. Mit Kundert, de Daniel und Veraison-Mann Valentin Chapero stünden jedenfalls bereits drei potenzielle Verwaltungsräte in den Startlöchern.

Hess weicht unterdessen von seiner Linie nicht ab: «Der Verwaltungsrat nimmt ernst, was uns einzelne Aktionäre sagen», sagt er. «Aber letztlich treibt der VR das voran, was wir für die Zukunft des Unternehmens als richtig erachten. Dafür sind wir gewählt.»

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