«Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben», sagt Giann Theler. Der Finanzchef der börsenkotierten Bergbahngesellschaft Titlis Rotair AG in Engelberg weist zwar für die kurze Festtagsperiode vom 24. Dezember bis 2. Januar ein Einnahmenplus von einer halben Mio Fr. gegenüber dem Vorjahr aus. «Aber», sagt Theler, «es wäre unverantwortlich, nur aufgrund eines guten Weihnachtsgeschäfts irgendeine Zusatzinvestition zu tätigen.»

Trotz dieser Warnung spricht Theler im nächsten Satz von ambitionierten Ausbauplänen. Im Frühling möchte Titlis Rotair die Konzession für zwei neue Transportanlagen auf der Engstlenalp einreichen, die bis 2013 gebaut werden sollen. Für das geplante «Schneeparadies», die Zusammenführung der Skigebiete von Engelberg, Frutt und Meiringen-Hasliberg, will Titlis Rotair 30 Mio Fr. investieren.

Investitionen hüben wie drüben

Vom Weihnachtsansturm – 45% mehr Gäste als im Vorjahr – lässt sich auch die ebenfalls kotierte Jungfraubahnen-Gruppe nicht zu kurzfristigen Änderungen der Investitionspläne hinreissen. Diese fallen mit 20 Mio Fr. für Beschneiungsanlagen und eine neue 6er-Sesselbahn allein in diesem Geschäftsjahr schon ehrgeizig genug aus. «Den Festtagszustupf nehmen wir gern, aber er tangiert unsere Investitionsstrategie überhaupt nicht», sagt Finanzchef Christoph Seiler.

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In Gstaad, wo die Kalenderwoche 52 eine zusätzliche Mio Fr. gegenüber dem Vorjahr in die Kassen spülte, sollen in den nächsten Jahren 30 Mio Fr. in Beschneiungsanlagen investiert werden. «Bis 2018 sollen weitere 100 Mio Fr. für Transportanlagen aufgewendet werden», sagt Armon Cantieni, Direktor der Bergbahnen Destination Gstaad. Im Fahrplan der Bergbahnen Engadin St. Moritz stehen für die nächsten drei Jahre Investitionen von 36 Mio Fr., bei den Davos Klosters Bergbahnen sind es laut langfristigem Finanzplan 10 Mio Fr. pro Jahr.

Die Savognin Bergbahnen wollen in den nächsten Jahren 15 Mio Fr. für den Bau einer neuen Sesselbahn aufbringen. In Wildhaus im Toggenburg, einer vom Klimawandel bedrohten Skiregion, ist im Frühling die komplette Sanierung und Erweiterung des Berggasthauses Oberdorf für 7 Mio Fr. vorgesehen.

Das Geld zur Sicherung der Zukunft des Wintersports ist nach Jahren der Ernüchterung offenbar vorhanden. Das belegt eine Untersuchung des «Swiss Equity magazin», wonach 85% aller Bergbahnen genügend Cashflow erzielen, um die langfristige Erneuerungsfähigkeit zu sichern.

Parallel zum kostspieligen Ausbau der Infrastrukturen müssen zahlreiche Bergbahnen jedoch Schulden abbauen. Dazu gehört die Weisse Arena AG in Flims-Laax, wo neben Investitionen von 11 Mio Fr. jährlich auch die Eigenkapitalquote mittelfristig von 27 auf 35% gesteigert werden soll. Das entspricht gemäss Marketingleiter Andreas Bärtsch einem Schuldenabbau um 10 Mio Fr. Das gute Weihnachtsgeschäft hilft bei diesem Unterfangen, wie in Saas-Fee. «Wir brauchen unsere Einnahmen vor allem zur Schuldenreduzierung», sagt Bernhard Pfammatter, Geschäftsführer der Saas-Fee Bergbahnen AG, die mit knapp 62% fremd kapitalisiert ist.

Weihnachten gut, und Ostern?

Deutlich komfortabler ist die Ausgangslage bei den kotierten Titlis Rotair und Jungfrau-Bahnen Gruppe. Mit Eigenkapitalquoten von 44% beziehungsweise sogar 72% stehen sie mit kerngesunden Bilanzen da. «Unser Ziel von 70% haben wird damit sogar überschritten», sagt Christoph Seiler von den Jungfraubahnen.

Das stärkt die Vorwärtssstrategie. Trotzdem ist Vorsicht geboten. So sagt GiannTheler von Titlis Rotair: «Die Einnahmen am Berg sind wie Wellenbewegungen, liegen um die Jahreswende vielleicht überdurchschnittlich hoch, an Ostern aber 30% unter dem Vorjahr.»