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Vergütungen
Bei den KMU sinken die Löhne für Verwaltungsräte

Neue Bescheidenheit: In KMU-Verwaltungsräte sinken die Vergütungen.   Keystonex

In den Aufsichtsgremien der Schweizer KMU geht es bescheiden zu. Die Löhne der Präsidenten sinken. Hauptgrund: Die Patrons gönnen sich weniger.

Von Marcel Speiser
am 16.05.2017

Roche-Präsident Christoph Franz bekam im letzten Jahr eine Vergütung von 6,2 Millionen Franken. Bei UBS-Chefaufseher Axel Weber waren es 6,1 Millionen. Und der bei Nestlé als Präsident abgetretene Peter Brabeck vergoldete sein letztes Dienstjahr mit 5,9 Millionen Franken. Es sind diese Männer und Lohnsummen, welche die öffentliche Wahrnehmung prägen – und die vergiftete Debatte um Kaderlöhne und Boni befeuern.

Doch die Realität in der Schweizer Wirtschaft – sie wird zu über 90 Prozent von KMU dominiert – ist eine andere. Eine völlig andere. Bei der grossen Mehrheit der Schweizer Firmen verdienen Verwaltungsräte keine wahnwitzigen Summen – im Gegenteil. Und im Vergleich zu 2014 sind die Entschädigungen für Verwaltungsratspräsidenten zuletzt gar gesunken. Ein KMU-Präsident verdient im Durchschnitt noch knapp 31'000 Franken. Drei Jahre zuvor lag der Wert bei rund 35'000 Franken.

Daten von 700 Unternehmen

Diese Zahlen gehen aus einer Studie der Revisions- und Beratungsfirma BDO hervor. BDO hat sie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klein- und Mittelunternhemen der Universität St. Gallen erstellt. Ausgewertet wurde die Daten von knapp 700 Schweizer Firmen – von Kleinstbetrieben wie Autogaragen über Bergbahnunternehmen, Krankenkassen und Software-Schmieden bis hin zu börsenkotierten Firmen wie etwa Ascom oder U-Blox.

Im Vergleich zu den 31'000 Franken bei den KMU, bewegen sich die Präsidenten-Entschädigungen bei grösseren Schweizer Unternehmen in ganz anderen Sphären. Die zwanzig SMI-Unternehmen zahlen ihren Präsidenten ohne Exekutiv-Funktion im Durchschnitt gemäss Daten der Vergütungsberater von HCM Hostettler & Company über 2,1 Millionen Franken aus. Bei den Top100 im Börsenindex SPI vertretenden Unternehmen liegt der Wert bei gut 900'000 Franken.

Patrons schnallen Gürtel enger

Die BDO-Studie erklärt den Rückgang bei den VR-Honoraren mit geringeren oder ganz ausbleibenden Erfolgsbeteiligungen. Haupttreiber für die sinkenden Löhne in den Aufsichtsgremium ist aber die Bescheidenheit der Inhaber und Mitinhaber. Kurz: Sind die Zeiten hart, schnallen die Patrons den Gürtel enger.

Denn sie haben als Unternehmer ein grosses Interesse am langfristigen Bestehen des Unternehmens und an einem nachhaltigen Geschäftserfolg. In wirtschaftlichen Schwächephasen – nach dem Frankenschock der Normalzustand der Schweizer KMU-Wirtschaft – wird deshalb häufig freiwillig eine geringere Entschädigung in Kauf genommen. «Den Verwaltungsräten der KMU kann diesbezüglich eine Vorbildfunktion attestiert werden», sagt dazu Werner Schiesser, VR-Delegierter der BDO.

Handlungsbedarf bei der Digitalisierung

Weniger vorbildlich, so ein weiteres Resultat der Studie, sind die KMUs allerdings beim Frauenanteil in ihren Aufsichtsgremien. Dieser verharrt wie schon 2014 bei knapp 15 Prozent. Dazu BDO-Delegierter Schiesser: «Nach einer langsamen, aber immerhin positiven Entwicklung verzeichnen wir nun einen leichten Rückgang.»

Zudem stellt die Verwaltungsratsstudie Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung fest. Zwei Drittel aller Verwaltungsräte in Schweizer KMU sind 50 Jahre alt oder älter.  «Das lässt vermuten», analysiert Schiesser, «dass die notwendige Sensibilisierung im Hinblick auf die potenziell disruptiven Veränderungsprozesse, welche mit der Digitalisierung einhergehen werden, noch kaum stattgefunden hat.»

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