Auf dem Emissionsmarkt für Anleihen herrscht Zögern. Seit Jahresbeginn wurden gemäss Fredy Flury auf dem Franken-Primärmarkt Anleihen im Wert von rund 3 Mrd emittiert. Laut dem Kreditspezialisten der Bank Vontobel war dies im langjährigen Vergleich ein verhaltener Start. Auf grösseres Interesse seien lediglich Emissionen von Nestlé mit einem Coupon von 2% sowie von Toyota mit einem Coupon von 4% gestossen.

Staatsnahes ist nicht gefragt

Verglichen mit der gleichen Periode 2008 war laut Flury auch die Emissionstätigkeit im Euro-Bereich eher flau. Dieser ist jedoch wesentlich grösser als der Franken-Primärmarkt. Zudem lockt er - im Gegensatz zum Franken-Sektor - traditionell auch weniger sicherheitsbewusste Marktteilnehmer an. Gemäss Fredy Flury stiessen auf dem Euro-Primärmarkt lediglich Unternehmensanleihen von grösseren Schuldnern mit zweitklassiger Bonität auf Interesse.

Als Beispiel nennt Flury den Versorger E.ON, den Autokonzern Daimler und den Telekomriesen Vodafone. Emissionen von Schuldnern mit erstklassiger Bonität, wie Staaten, staatsnahe Institutionen und Unternehmen mit Staatsgarantie, gingen ganz im Gegensatz zu den letzten Wochen 2008 schlecht weg. «Bei erstklassigen Bonds warten die Anleger ab, wie sich die Renditen entwickeln», erläutert Flury die umgekehrten Verhältnisse. Denn dort hatte die Flucht in Sicherheit zuletzt die Gewinnaussichten der Anleger stark beeinträchtigt.

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Trübe Stimmung treibt Käufe

«Massgebend für die Kapitalaufnahme über den Primärmarkt werden die Marktkonditionen sein», sagt Nannette Hechler Fayd’herbe, Leiterin Global Fixed Income & Credit Research bei der Credit Suisse (CS), zu den Faktoren, die in den kommenden Wochen die Emissionstätigkeit angebotsseitig bestimmen.

Insbesondere Kennzahlen zur Messung der Liquidität an den Finanzmärkten wie der Swap-Spread seien zu beachten. Zudem bestehe als Konsequenz des rezessiven Wirtschaftsumfeldes und der hohen Zahl auslaufender Bonds ein erhöhter Finanzierungsbedarf seitens öffentlicher Haushalte wie auch von Unternehmen. Auf der Nachfrageseite wird laut Hechler Fayd’herbe die Stimmung der Anleger den Ausschlag geben. «Solange das Wirtschaftsumfeld trüb bleibt, ist generell mit einem erhöhten Interesse an Bonds zu rechnen.

Eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte und eine fallende Volatilität dürften hingegen die Nachfrage nach Obligationen zugunsten risikoreicherer Anlageklassen dämpfen», sagt die CS-Bankerin. «Wir erwarten, dass in den kommenden Wochen hauptsächlich Schuldner mit sehr guter Bonität, Staatsbanken, supranationale Schuldner und Unternehmen aus defensiven Wirtschaftssektoren erfolgreich an den Markt kommen», zeigt sich Hechler Fayd’herbe überzeugt.

Emissionen werden auch laut Fredy Flury von der Bank Vontobel vor allem von Unternehmen mit Top-Rating sowie von Staaten und staatsnahen Institutionen kommen. Insbesondere bei Banken würden in den nächsten Wochen viele Anleihen auslaufen. «Wer über eine Staatsgarantie verfügt oder sich eine solche noch beschaffen kann, wird sich mit Sicherheit über den Primärmarkt refinanzieren wollen», sagt Flury.

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Tendenziell würden die Anleger kurzfristige Bonds mit Laufzeiten bis fünf Jahre bevorzugen. Darauf hätten sich auch die Emittenten eingestellt. Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage ist dies keine Überraschung. Solange völlige Unklarheit herrscht, wie hartnäckig sich die gegenwärtige Rezession hält, legt sich niemand gern langfristig fest. Bei Zinserhöhungen wären zudem Kursverluste zu erwarten, weil Neuemissionen meist über attraktivere Coupons verfügen.

Die guten Jahre sind so fern

Fazit: Der Start auf dem Primärmarkt mag im langjährigen Vergleich nicht gut gewesen sein. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verwerfungen werden von vielen Ökonomen aber auch schon mal als Jahrhundertkrise dargestellt. So gesehen kann es auch als angenehme Überraschung gedeutet werden, dass Anleger nicht nur erstklassigen Schuldnern ihr Geld anvertrauen.

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Ein Austrocknen des Primärmarktes ist auch in den kommenden Wochen nicht zu befürchten. Sollte die Stimmung auf den Finanzmärkten trüb bleiben, könnte die Emissionstätigkeit gar noch leicht zunehmen. Verhältnisse wie in guten Jahren sind indessen nicht zu erwarten. «Der Markt stellt sich auf ein tieferes Niveau ein», lautet dazu die Meinung von Fredy Flury von der Bank Vontobel - er trifft damit wohl den Nagel auf den Kopf.