Lanxess räumt vor dem Wechsel an den Firmenspitze in der Bilanz auf. Abschreibungen auf schlecht ausgelastete Anlagen drückten den Chemiekonzern 2013 tief in die roten Zahlen. Der neue Chef Matthias Zachert soll den Konzern besenrein übernehmen. Zachert, ehemaliger Finanzchef der Kölner, dessen Ernennung die Börse bejubelt hatte, soll spätestens zum 15. Mai das Ruder übernehmen.

Der weltgrösste Hersteller von synthetischem Kautschuk für die Reifenindustrie fürchtet, dass seine Geschäfte weiter schleppend laufen. Lanxess leidet nicht nur unter der Marktflaute in Europa, sondern auch darunter, dass die Konkurrenz ihre Produkte wegen deutlich niedrigerer Energie- und Rohstoffkosten erheblich günstiger verkaufen kann.

Während aber operativ trotz eines 40-prozentigen Rückgangs 2013 immer noch ein Gewinn von 735 Millionen Euro übrig blieb, standen unter dem Strich 159 Millionen Euro Verlust.

Wertberichtigungen lasten schwer

Hintergrund: Die anhaltend trüben Geschäftsaussichten zwingen das Unternehmen, den Wert einiger Sparten niedriger anzusetzen. Lanxess kann seine Anlagen wegen niedriger Nachfrage nicht auslasten und schrieb darauf im vierten Quartal 257 Millionen Euro außerplanmässig ab, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Den Verlust vergrössert hätten ausserdem Kosten von 30 Millionen Euro für laufende Sparschritte. 2012 hatte Lanxess noch einen Gewinn von 508 Millionen Euro erzielt.

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Die Aktionäre kommen nicht ungeschoren davon. Ihnen kürzte das Management für 2013 die Dividende um die Hälfte auf 50 Cent je Aktie. Die Lanxess-Aktie brach im Dax um gut vier Prozent auf 52.50 Euro ein. Analysten hatten zum Teil noch mit einem Gewinn von über 100 Millionen Euro gerechnet.

Der Neue will eine neue Strategie

Auch im vierten Quartal schrieb Lanxess in Folge der Abschreibungen tiefrote Zahlen - auf 204 Millionen Euro beläuft sich das Minus. Lanxess setzte im vergangenen Jahr insgesamt 8,3 Milliarden Euro um – 8,7 Prozent weniger als im Jahr 2012.

Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt rund 40 Prozent seines Umsatzes mit der Auto- und Reifenbranche. Durch die starke Abhängigkeit bekommt der Konzern Schwankungen in dem Geschäft besonders stark zu spüren. Vor allem der Preisverfall auf den Kautschukmärkten und die Absatzkrise der Autobranche in Europa setzten dem Chemiekonzern schwer zu.

Mit einem strengen Sparprogramm steuert Lanxess gegen: Bis Ende 2015 sollen weltweit 1000 der zuletzt 17'500 Stellen abgebaut werden – 300 davon in Deutschland.

Strategische Ausrichtung wohl der Zankapfel

Wegen der schwierigen Geschäftslage hatte das 2004 vom Bayer-Konzern abgespaltene Unternehmen Ende Januar einen Chefwechsel eingeleitet. Lanxess trennte sich von seinem langjährigen Konzernchef Axel Heitmann. Im Umfeld des Unternehmens war von unterschiedlichen Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung die Rede.

Ein zentraler Punkt: die starke Abhängigkeit vom Geschäft mit der Auto- und Reifenbranche. Heitmanns Nachfolger Zachert, aktuell noch Finanzchef des Darmstädter Merck-Konzerns, hatte schon angekündigt, das Dax-Unternehmen neu auszurichten.

Operatives Ergebnis im Zielkorridor

Beim operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen (Ebitda) habe Lanxess dagegen 2013 die Ziele erreicht. Es liege mit 735 Millionen Euro in der anvisierten Spanne von 710 bis 760 Millionen Euro. Damit liegt es aber immer noch fast 40 Prozent unter dem Vorjahreswert. Für das laufende Jahr stellte das Unternehmen ein «leicht verbessertes» operatives Ergebnis in Aussicht. Die Prognose gilt laut Lanxess selbst dann, sollten im laufenden Jahr die Preise weiter auf dem aktuell niedrigen Niveau verharren.

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Lanxess beschäftigt im fribourgischen Granges-Paccot rund 50 Mitarbeiter – und war lange Zeit gerüchteweise immer wieder als potenzieller Clariant-Käufer aufgetaucht.

(reuters/vst)