Die AZ Medien müssen sparen. Das viertgrösste Verlagshaus der Schweiz schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von 6 Millionen Franken. 2013 hatte noch ein Überschuss von 1,8 Millionen resultiert. Das sind nicht die Nachrichten, die der charismatische Verleger Peter Wanner gerne bekannt gibt.

Für die markante Verschlechterung um 7,8 Millionen sind Abschreibungen sowie Anlaufverluste bei Start-ups verantwortlich, insbesondere beim jungen Nachrichtenportal «Watson». Das Aargauer Medienhaus investierte im letzten Jahr 7 Millionen Franken in das Nachrichten-Versuchskind, um sein Digitalgeschäft zu stärken.

Fehlende Einnahmen

Das reine Online-Portal startete vor eineinhalb Jahren mit einer sehr gut dotierten Redaktion. Es erreichte im März über 1 Million Unique Clients. Das heisst: Mehr als 1 Million verschiedene Computer, Tablets oder Smartphones haben in einem Monat auf das Portal zugegriffen. Damit ist «Watson» die zehntgrösste Nachrichtenseite der Schweiz. Die Konkurrenz agiert aber teilweise mit deutlich weniger Personal.

Und dort liegt auch das Problem. Noch fehlen die Einnahmen, um die hohen Kosten zu decken. Chefredaktor und Geschäftsführer Hansi Voigt steckt in einem roten Sumpf. Jeden Monat verbrennt «Watson» Hundertausende von Franken. Deshalb steht er jetzt auf die Kostenbremse: Der Leiter Unternehmensentwicklung Sven Ruoss verliess kürzlich das Unternehmen. Seine Stelle bleibt unbesetzt. Der stellvertretende Geschäftsführer übernimmt die Aufgaben.

Wanner soll keinen Druck ausgeübt haben

Und es kommt zu weiteren Sparmassnahmen: Der Leiter Video, Matthieu Gilliand, und der Social-Media-Chef Philipp Meier, arbeiten per 1. Juli offenbar nur noch in reduziertem Pensum. Zumindest einer weiteren Person wurde eine Reduktion aufgezwungen. Voigt will dazu keine Stellung nehmen und versteckt sich hinter Parargraphen. «Aus juristischen Gründen kann ich nichts über einzelne Arbeitsverhältnisse kommunizieren.»

Wie schlecht steht es also um «Watson»? Voigt stellt eine Krise in Abrede. «Watson hat sich in den ersten fünf Monaten bezüglich Einnahmen sehr genau entlang den hohen Erwartungen unseres Businessplans entwickelt.» Oder hat AZ-Verleger Wanner Druck auf den Geschäftsführer des Nachrichten-Startups ausgeübt? Voigt: «Nein.»

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Sparprogramm bei den AZ Medien

Tatsache ist, dass der Verlust bei «Watson» Folgen hat – auch bei der AZ. Die Personalmassnahmen beim Nachrichtenportal reihen sich ein in ein grösseres Kostensenkungsprogramm beim Verlag. Anfang Mai sickerte durch, dass rund sieben Vollzeitstellen beim Verbund «Nordwestschweiz» mit dem Flaggschiff «AZ Aargauer Zeitung» abgebaut werden. Das Gros der Jobs geht im Sportressort verloren. Mediensprecherin Manuela Schranz bestätigt: «Wir überprüfen die Kosten laufend und bauen derzeit punktuell einige Stellen ab.»

Das Medienhaus begründet den Stellenabbau denn auch mit der «rückläufigen Marktentwicklung im Printgeschäft und der anhaltend hohen Investitionstätigkeit – insbesondere in den elektronischen und digitalen Medien». Dass die Zeitungs-Journalisten für die Anfangsverluste von «Watson» bluten müssen, findet Voigt zwar bedauerlich. «Wenn einige den Ausbau der digitalen Publikationen bei gleichzeitigen Kürzungen im Printbereich als unfair empfinden, kann ich das verstehen», sagt er. Und Voigt fügt an: «Aufhalten lässt sich diese Entwicklung nicht.»