Waren das noch Zeiten! Beschrieben 1942: «Als die dichte Uhr vor 15 Jahren auf den Markt kam, hielt mancher sie für eine der vielen Modetorheiten oder für einen Werbetrick, denn schliesslich ist es nicht unbedingt notwendig, beim Baden eine Uhr zu tragen ...»

Stimmt! In dieser Hinsicht muss man einem Artikel über wasserdichte Uhren in Heft 29/30 der Fachzeitschrift «Uhrmacher-Woche» unbedingt beipflichten. «Aber Sport verlangt stabile Uhren», hiess es bereits in einem Uhrenprospekt aus den 1930er Jahren. Und zurückdrehen liess sich das Rad der Zeit noch nie. Mit dem Lancement der Rolex Oyster im Jahre 1927 war die Armbanduhr zu einer wirklich alltagstauglichen Kameradin avanciert. Als solche begleitete sie die Amazone Mercedes Gleitze noch im gleichen Jahr beim Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen.

Fünf Jahre später war die italienischen Officina Panerai mit dem Prototypen einer 47 mm grossen Armbanduhr für Marinetaucher zur Stelle. Als Radiomir schrieb sie ab 1938 Geschichte.

Die Aufzählung dessen, was sich aus der Welt robuster Sport-Armbanduhren mit Tiefgang nicht mehr wegdenken lässt, würde Seiten füllen. Das Spektrum ist beinahe unübersehbar und erreicht von Jahr zu Jahr breitere Dimensionen.

Das zeigte sich einmal mehr im Rahmen des Genfer Uhrensalons 2009. Neben der schlichten Eleganz, die inzwischen ein bemerkenswertes Comeback feiert, stehen markante Sportuhren weiterhin im Rampenlicht. Freilich hat sich das Bild im Vergleich zu dem, was Sportuhren vor sieben oder acht Jahrzehnten kennzeichnete, massiv gewandelt. Wasserdichtigkeit der Gehäuse ist nur ein Aspekt. Der von Panerai aus funktionalen Gründen des besseren Lesens markierte Trend zur Grösse hält an. Ferner darf es getrost noch etwas mehr sein. Und zwar in Hinsicht der mechanischen Innenleben. Automatikwerke sind fast schon eine Selbstverständlichkeit. Chronographen erfreuen sich weiterhin besonderer Käufergunst. Darüber hinaus ist es keineswegs abwegig, mit einem Tourbillon in die Tiefen des Meeres zu gleiten.

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Kurzum: Auf dem Gebiet moderner Sport-Armbanduhren ist mittlerweile alles erlaubt. Die Grenzen steckt allein das persönliche Budget.

Audemars Piguet: Mit Karbon

AP versteht sich nicht nur aufs Herstellen von Uhrwerken, sondern auch aufs Schmieden von Karbon. Wegen seiner hohen mechanischen Qualitäten, seiner extremen chemischen Stabilität, seiner vorzüglichen Schlagfestigkeit und seiner besonderen Leichtigkeit eignet sich dieses innovative Material ausgezeichnet für Uhrengehäuse. Allerdings stellen die richtige Zusammensetzung, die adäquaten Verarbeitungsmethoden und die erforderlichen Werkzeuge eine Herausforderung der besonderen Art dar. Die Formen der achteckigen Lünette und des nicht minder komplexen Mittelteils müssen von Hause aus scharfe Kanten und eine perfekte Oberfläche bieten. Werkstücke aus geschmiedetem Karbon lassen sich nämlich nicht polieren.

In diesem Sinne verkörpert der soeben vorgestellte Royal-Oak-Offshore-Chronograph mit Automatikwerk und gelber Farbattitüde eine Luxus-Sportuhr, für die es selbst in Krisenzeiten wieder Wartelisten geben dürfte.

Cartier: Rückblick auf 1904

Die bereits 1904 für den Flugpionier Alberto Santos-Dumont entwickelte Santos von Cartier gehört zu den wahrhaft ikonographischen Sportuhren. 2004 lief sie in Gestalt der monumentalen Santos 100 zu dimensionaler Höchstform auf. In Genf am SIHH zeigte Cartier - allerdings noch etwas unter dem Tisch -, welches Potenzial in der 105 Jahre alten Kreation steckt. Der brandneue Santos 100 Chronograph besitzt eine Titan-Schale mit besonders robuster ADLC-Beschichtung.

Hublot: Name ist Botschaft

Bei Hublot ist der mit Bullauge korrekt ins Deutsche übersetzte Markenname bereits Botschaft. Der sportliche Big Bang führte das noch bis 2002 dümpelnde Unternehmen mit Jean-Claude Biver an der Spitze zu einem ungeahnten Höhenflug. Parallel zum SIHH lancierte CEO Jean-Claude Biver im Januar 2009 das, was man getrost als Komparativ zum Big Bang bezeichnen kann. Selbiger trägt den Namen King Power und lässt sich in Sekundenbruchteilen als Hublot identifizieren.

Allerdings hat die äussere Gestalt nochmals an Prägnanz gewonnen. Geblieben ist Fusion, das Markenzeichen von Hublot, also eine Schale aus verschiedenen Werkstoffen. Besonders ausdrucksstark präsentiert sich der Keramik-Glasrand mit Kautschukfries, welcher auch in leuchtendem Rot erhältlich ist. Das von La Joux Perret beigesteuerte Automatikwerk, Basis Valjoux 7750, besitzt neben dem Chronographen eine «blitzende» Sekunde zum exakten Ablesen der gestoppten Sekundenbruchteile, weshalb der dafür zuständige Zeiger bei der 9 eine entsprechende Form aufweist.

IWC: Reise auf die Galapagos

Der schwarze Aquatimer Chronograph Edition Galapagos Islands symbolisiert eine Kooperation zwischen der IWC und der auf den fernen Galapagos-Inseln ansässigen Charles Darwin Foundation. Die Schaffhauser haben die chronographische Ausnahmeerscheinung mit dem Automatikkaliber 79320 ausgestattet, was einem Valjoux 7750 entspricht.

Neu in jeder Hinsicht ist das mattschwarze, vollständig mit vulkanisiertem Kautschuk beschichtete Edelstahlgehäuse. Zusammen mit einem tiefschwarzen Zifferblatt und damit kontrastierenden Indexen ergibt sich ein absolut unübersehbares Zeit-Statement für maskuline Handgelenke. Der Tiefgang reicht bis 120 m.

Jaeger-LeCoultre: US-Partner

Tauchen ist faszinierend, aber auch gefährlich. Deshalb muss auf das Equipment absolut Verlass sein. Uhren sind für das rechtzeitige Erreichen der Oberfläche unter Berücksichtigung der verfügbaren Reserven an Atemluft zuständig. Zu diesem Zweck hat Jaeger-LeCoultre schon vor Jahren die Linie Master Compressor Diving aus der Taufe gehoben.

Nun ist die Traditionsmanufaktur aus dem Vallée de Joux eine Partnerschaft mit einer Spezialeinheit der US-Marine eingegangen. In Kooperation mit den Navy Seals entstand die Master Compressor Diving Alarm Navy Seals. Es handelt sich bei dem 44 mm grossen Unterwasserboliden um einen Zeitmesser mit Alarmfunktion, der sich selbst 300 m unter dem Wasserspiegel akustisch meldet. Im Titangehäuse mit Keramik-Drehring tickt das Automatikkaliber 956.

JeanRichard: Für Amateure

Unverkennbare Merkmale ausdrucksstarker Sportuhren aus den 1960er Jahren finden sich in der neuen Diverscope von JeanRichard wieder. Dieses Modell wurde in erster Linie für Amateurtaucher entwickelt. Die Wasserdichtigkeit des kautschukbeschichteten Stahlgehäuses in den Dimensionen 43 x 43 mm reicht bis zu 30 Atmosphären. Mit Hilfe der PVD-beschichteten Schraubkrone bei der 9 lässt sich der innen liegende Tauchzeit-Drehring in beiden Richtungen verstellen. Für die Darstellung von Stunden, Minuten, Sekunden und Datum ist das hauseigene Automatikkaliber JR1000 zuständig.

Montblanc: Keine Kompromisse

Eine Synthese aus klassischer Uhrmacherei und Hightech stellt der neue Sport-Chronograph Automatic von Montblanc dar. Innen ist das Unternehmen keine Kompromisse eingegangen. Das Automatikkaliber Valjoux 7750 mit Chronograph bewährt sich seit 1973 in nahezu allen Lebenslagen. Geschützt wird es von einem robusten Edelstahlgehäuse mit schwarzer Beschichtung aus Kohlefaser mit diamantähnlichen Eigenschaften, kurz DLC genannt. Die Wasserdichtigkeit reicht bis 20 Atmosphären.

Parmigiani: Mit Luxusyacht

Die Marke aus Fleurier kooperiert seit 2008 mit der italienischen Ferretti-Group, ganz konkret mit deren Mitglied Pershing. 40 Fans der italienischen Luxuswerft und deren üppig motorisiertem Flaggschiff 115 können sich chronometrisch an dem erfreuen, was die Manufaktur soeben auf Kiel gelegt hat. Parmigiani verbaut sein komplexes Kaliber PF 511 in ein markantes Palladium-Gehäuse. Konkret handelt es sich um ein Formwerk, dessen Tourbillon zur Steigerung der Ganggenauigkeit alle 30 Sekunden einmal um seine Achse rotiert. Zur Steigerung des Vergnügens haben die Uhrmacher den tickenden Mikrokosmos sorgfältig durchbrochen. So bleibt dem Betrachter nichts vom Räderwerk verborgen.

Piaget: Weiter mit Polo

Bei Piaget steht der Name Polo seit nunmehr 30 Jahren für Sportliches. Besonders markant tritt der neue, 45 mm grosse Chronograph mit Titangehäuse in Erscheinung. In seiner Lünette hat die Manufaktur rippenförmige Einsätze aus poliertem Edelstahlbefestigt. Besonderen Wert legt Piaget auf die Verwendung eines flachen Manufakturkalibers mit Selbstaufzug, zweiter Zonenzeit und Flyback-Funktion des Stoppers. Das 880P mit 50 Stunden Gangautonomie misst nur 5,6 mm in der Höhe.