Die Familie Vafias hat sich mit Hochseeschiffen ein Vermögen aufgebaut. Vater Nikolaos Vafias legte den Grundstein 1972 mit einer Flotte, die ausschliesslich trockene Güter transportierte. Das änderte sich nach dem Eintritt von Sohn Harry, der 1999 im jungen Alter von 20 Jahren und mit einem englischen Master-Abschluss im Sack, ins Tankergeschäft investierte. Weil die Preise für Öltanker damals extrem tief waren, reichten 4 Mio Dollar aus den väterlichen Kassen, um mit der neu gegründeten Stealth Maritime rasch eine Flotte von 16 Einheiten zu etablieren. Fünf Jahre später, als sich der Zyklus dem Höhepunkt näherte, verkaufte der clevere Jungunternehmer den Grossteil der Tanker und realisierte damit einen Gewinn von 400 Mio Dollar.

Nummer eins

Sich einfach blind im Reederei-geschäft zu etablieren, das war nicht die Sache des Harry Vafias. Während in Athen die Olympischen Sommerspiele über die Bühne gingen, studierte er die Erfolgschancen der Hochseeschifffahrt in den Segmenten Container, Trockenprodukte, Tanker, Chemikalien und Flüssiggas. «Die Wahl fiel auf Gas als attraktiven Nischenmarkt», begründet Vafias den Entscheid. Ein Viertel des selbst erwirtschafteten Vermögens investierte der junge Reeder daraufhin in die neue StealthGas Inc., die in nur drei Jahren zur Nummer eins beim Seetransport von flüssigem Gas aufstieg, einem Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Rohöl und Erdgas. Irgendwie hatte der «Harry Potter» im Sektor Gas damals geahnt, dass dieser Energieträger im Zuge der Klimadiskussion rasch an Bedeutung gewinnen würde. Zur Finanzierung einer schnell wachsenden Flotte wählte er 2005 den Gang an die amerikanische Börse Nasdaq. Die Überzeugungsarbeit des knapp 28-Jährigen («Ich war damals der jüngste CEO einer Nasdq-Company») zeigte Wirkung: Das IPO des griechischen Wunderkindes wurde dreifach überzeichnet. Der Aktienkurs schnellte in die Höhe.

Frachtraten steigen

StealthGas verfügt heute als grösster Spezialist für Transporte von Flüssiggas über rund 40 Schiffe, die ein durchschnittliches Alter von rund zehn Jahren aufweisen. Marktexperten gehen davon aus, dass sich das Volumen von derzeit 50 Mio t bis 2009 auf 70 Mio t ausweiten wird. Dafür verantwortlich sind steigende Exporte aus dem Mittleren Osten und von Westafrika. Gleichzeitig schnellt die Nachfrage nach Flüssiggas insbesondere in den USA, Indien und China steil nach oben. «Die Frachtraten werden sich mittelfristig weiter aufwärts entwickeln», ist Vafias überzeugt.

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