Mit einer gross angelegten Werbekampagne ist «Rivella gelb» vor Monatsfrist in den Verkauf gegangen. Das Traditionsunternehmen aus Rothrist gab sich richtig euphorisch. Verhalten sind hingegen bis heute die Reaktionen bei Detailhändlern, die den laktosefreien Wellness-Drink anbieten. Bei der Ladenkette Volg mit ihren 600 Filialen wird eine «für Neuheiten durchschnittliche Nachfrage» beobachtet, wie Konzernsprecher Reinhard Wolfensberger sagt. Von Massenverkäufen des neuen Getränks ist auch bei Coop nicht die Rede. «Nach einem Monat ist es noch nicht möglich, die Popularität von ‹Rivella gelb› abzuschätzen», sagt Sprecher Nicolas Schmied vorsichtig. Einzig bei Migros heisst es, dass die Absätze von Rivella gelb im ersten Monat über Budget liegen.

Darum ist Migros wichtig

Von einem Fehlstart will der Rivella-CEO Franz Rieder nichts wissen. «Wir beobachten ein grosses Interesse der Schweizer an ‹Rivella gelb›.» Darauf würden Lieferengpässe in den ersten Wochen nach Einführung hindeuten. Im Moment habe «Rivella gelb» bei den Verkaufszahlen das blaue Schwesterprodukt vom zweiten Rang hinter dem Klassiker «Rivella rot» verdrängt. Rieder begründet dies mit vielen «Probierkäufen» von neugierigen Konsumenten und geht davon aus, dass sich «Rivella gelb» bezüglich Beliebtheit mittelfristig zwischen «Rivella blau» und «grün» einreihen werde. Konkrete Verkaufszahlen nennt er nicht und räumt ein, dass es für eine schlüssige Erfolgsbeurteilung zu früh sei.

Ambitioniert hatte sich Rieder vor der Einführung von «Rivella gelb» gegeben und das neue Getränk als «Meilenstein» in der Firmengeschichte taxiert. Die Bezeichnung beziehe sich in erster Linie auf die neuartigen Verfahrenstechniken bei der Herstellung, sagt er heute. Das Getränk basiert auf Sojaserum, welches aus Sojamolke gewonnen wird.

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Rieder steht unter Erfolgsdruck: Zwischen 2003 und 2007 hat das Unternehmen kontinuierlich Marktanteile verloren. Der Umsatz ging von 159 Mio Fr. auf 141 Mio Fr. zurück. Nachdem auch noch Gerüchte eines Verkaufs des Getränkeunternehmens die Runde gemacht haben, ist Rieder mit «Rivella gelb» zu einem Volltreffer gezwungen.

Der CEO sieht sich auf gutem Weg dazu. «Wir rechnen 2008 mit einer Umsatzsteigerung von über 5% gegenüber 2007.» Unterstützend wirkt der Gewinn der neuen Kundin Migros, die Anfang Jahr ihre Eigenmarke «Mivella» zugunsten von Rivella aufgegeben hat. Auch die kürzlich lancierte Neuheit Michel Power Coffee komme beim Publikum gut an, sagt Rieder.