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Luftfahrt
Belair-Käufer: «Es wird eine sportliche Angelegenheit»

Belair
Belair-Maschine in der Flotte von Air Berlin, Jürgen Bremer von SBC: Im Sommer 2018 soll es losgehen. Quelle: Getty Images / ZVG

Die deutsche Beteiligungsfirma SBC kauft Belair. Im Interview sagt SBC-VR-Mitglied Jürgen Bremer, wie es weitergeht.

Von Tim Höfinghoff
am 17.01.2018

Herr Bremer*, Sie übernehmen Belair. Wann heben die Flieger wieder ab?
Wir wollen im Sommer 2018 wieder am Start sein. Bis dahin müssen wir noch einige Genehmigungen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) erhalten.  Wir sind aber zuversichtlich, dass das klappt.

Unter welchem Namen wird die Fluggesellschaft antreten? Belair? Oder sogar Balair?
Die Markenfrage ist noch nicht endgültig geklärt. Wir müssen noch weitere Gespräche zu dem Thema führen.

Was ist von Belair übrig? Wie viel Personal und wieviele Flieger sind noch da?
Was die Mitarbeiterzahl angeht, kann ich Ihnen aktuell keine konkrete Zahl nennen. Als Belair Ende Oktober 2017 die Operation einstellte, gab es fünf Flugzeuge. Die sind mittlerweile alle an die Leasing-Unternehmen zurückgegeben worden, weil sie zum Air-Berlin-Bestand zählten. Aber der Markt ist günstig. Wir sind sehr zuversichtlich, wieder genügend Flugzeuge zu erhalten.

Manche der ehemaligen Belair-Mitarbeiter wurden sehr enttäuscht und sind längst bei Konkurrenten wie der Swiss untergekommen. Wollen Sie auch um diese werben?
Natürlich, aber wir stehen hier im Wettbewerb. Doch auch wer schon woanders untergekommen ist, ist herzlich willkommen, sich bei Belair wieder zu bewerben. Wir haben einen Email-Aufruf gestartet und bereits sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. Das gibt uns Mut, dass viele ehemalige Belair-Mitarbeiter wieder an Bord kommen. Ich habe schon viele Sanierungen erlebt, aber noch nie so viel Begeisterung wie bei der Belair-Crew.

Werden Sie nur von Zürich fliegen? Was ist mit Basel und Genf?
Das hängt von der Kundennachfrage ab. Bisher ist Belair im Wet-Lease, also im Auftrag von anderen Airlines wie Air Berlin und Niki oder Tour-Operatoren unterwegs gewesen. Das wird beim Neuanfang auch so sein. Wir legen in Zürich los. Alles andere wird man sehen. Wir sprechen mit verschiedenen Reiseveranstaltern und Fluglinien. Seit dem Wegfall der Air-Berlin-Kapazitäten gibt es Bedarf für unser Angebot. Wir wollen in der Anfangsphase vorsichtig wachsen. Es wird eine sportliche Angelegenheit, und wir werden uns zu Beginn vermutlich zunächst auf zwei Kunden konzentrieren.

Wie wollen Sie gegen Swiss, Edelweiss und Germania in der Schweiz bestehen?
In Zürich agieren grosse Platzhirsche wie die Lufthansa-Gruppe. Aber wir sind überzeugt, dass es Nischen für uns gibt. Viele Schweizer Kunden goutieren, dass Belair zurück im Schweizer Markt ist.

Die Schweiz ist ein teurer Standort, warum investieren Sie hier in die Airline-Branche?
Es gibt auch andere Unternehmen, die erfolgreich das Luftfahrtgeschäft in der Schweiz betreiben. Wir werden dies ebenfalls erfolgreich tun und freuen uns über eine sehr motivierte Mannschaft. Die Belair-Crew war stets sehr effizient und zuverlässig. Darauf wollen wir aufbauen. Zudem war bei Belair der Cash-Flow positiv, sie hatte aber innerhalb des Air-Berlin-Konstrukts sicherlich keinen leichten Stand. Leider hat sich Belair unter Air Berlin nicht richtig entfalten können.

Im Jahr 2016 betrugen die Belair-Erlöse rund 90 Millionen Franken. Was peilen Sie an?
Wir werden auf einem tieferen Niveau anfangen, glauben aber, spätestens im dritten Jahr wieder auf ein ähnlich hohes Niveau zu kommen.

Die SBC ist eine Investmentgesellschaft, die auf Sanierungen spezialisiert ist. Können Sie auch Luftfahrt?
Wir haben Berater von InAvia Aviation Consultants mit an Bord, die über eine langjährige Erfahrung im Schweizer Aviatik-Markt verfügen. Swissness ist uns wichtig. InAvia-Chef Michael Hoevel wird die operative Leitung von Belair übernehmen. Wir planen langfristig mit InAvia. Auch Belair-VR-Präsident Christof Zuber bleibt dabei.

* Jürgen Bremer ist VR-Mitglied der Beteiligungsgesellschaft SBC AG in Düsseldorf, die im Bereich Restrukturierung, Mergers & Acquisitions, Gesellschafts- und Insolvenzrecht tätig ist. Bremer ist seit 1994 als Rechtsanwalt bei deutschen und schweizerischen Unternehmen tätig, u. a. bei OC Oerlikon und bei Von Roll Holding als Mitglied der Konzernleitung.

 

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