Wenn Rückschläge ein Unternehmen aufregend machen, hat Hans Peter Wehrli, der Verwaltungsratspräsident der Belimo Holding, Recht: Es möge ja eine langweilige Firma sein, deren Jahreszahlen er hier präsentiere, sagte er Anfang Woche vor den Medien und fügte nach einer Kunstpause an: «Sicher aber ist Belimo kein erfolgloses Unternehmen.»

In der 30-jährigen Geschichte ist es mit der auf Gebäudeklimatechnik spezialisierten Hinwiler Firma nur aufwärts gegangen: 1976, ein Jahr nach der Gründung, lieferte Belimo den ersten direkt auf die Achse einer Lüftungsklappe montierbaren Antrieb aus. Im März 2006 wurde der dreissigmillionste dieser Steckantriebe montiert. «30 Millionen Antriebe», sagte Belimo-CEO Andreas Steiner. «Aneinandergereiht ergäbe das eine Strecke von Hinwil bis nach Moskau.» Der bildliche Vergleich zeigt, wie schwer es der Belimo-Führungsriege fällt, den Reiz der Firma zu vermitteln.

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Weltspitze im Nischenmarkt

Belimo stellt handgrosse Elektromotoren her, die in Heizungen, Lüftungen und klimatechnischen Anlagen installiert werden. Die Produktepalette teilt sich in die Bereiche Luft und Wasser auf: Also Antriebe für Luftklappen und solche für Ventile bei Wasseranwendungen. Belimo ist in diesem auf 1,2 bis 1,5 Mrd Fr. geschätzten Nischenmarkt Weltspitze und behauptet sich gegen Industriegiganten wie Siemens oder Honeywell sehr erfolgreich, was die Gunst der Anleger zeigt. Die Belimo-Aktie ist seit Jahresbeginn über 20% auf derzeit 950 Fr. gestiegen.

Es gebe keinen Grund, die Strategie zu ändern, sagt Steiner. In Europa, wo Belimo etwas über die Hälfte des Jahresumsatzes von 280,3 Mio Fr. und ein Wachstum von 12,1% erzielte, kam die neue Produktelinie «New Generation» gut an. Diese Antriebe werden modular aufgebaut und benötigen wesentlich weniger Energie als die Vorgängermodelle.

Umsatzsprung in Asien

Im laufenden Jahr soll die neue Produktegeneration auch in Amerika und in Asien/Pazifik eingeführt werden. Das belaste zunächst wohl die Marge, weil der Markt mit zwei Produktelinien beliefert werde, so Steiner. Mit 14,2 Fr. Gewinn pro 100 Fr. Umsatz erzielt Belimo für einen Bauzulieferer bereits eine aussergewöhnlich hohe Marge. Die Region Asien/Pazifik war mit einem bescheidenen Umsatzwachstum von 7,1% der einzige Wermutstropfen im vergangenen Jahr. Grund war die Umstellung der Vertriebskanäle. Anstatt auf Distributoren vertraut Belimo nur noch eigenen Tochtergesellschaften ein Umsatzsprung sei gewiss, hiess es.

Belimo kann von klaren Wachstumstrends profitieren: In Asien, Osteuropa und im Nahen Osten ist das die Baukonjunktur. In Mitteleuropa und im Hauptmarkt Deutschland besteht grosser Erneuerungsbedarf in Gebäuden: Die Automatisierung nimmt zu, die Brandschutzstandards werden strenger und der Zwang zu besserer Gebäudeenergieeffizienz stärker.

Belimo will den Vorsprung auf die Konkurrenz und den Aufwand für Forschung und Entwicklung von 12% des Umsatzes noch erhöhen, vor allem im Bereich Wasser. Hier ist Belimo mit 85 Mio Fr. Umsatz erst der drittgrösste Anbieter. Das Marktpotenzial wird auf rund das Zehnfache geschätzt.

Angesichts der mehr als soliden Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von 62,6 % ruft die Finanzgemeinde bereits nach Zukäufen. Aber VR-Präsident Wehrli winkt ab. Was gut für das Unternehmen sei, werde nicht aufgrund solcher Forderungen entschieden. «Wir lassen uns nicht stressen.» Belimo sei eine kleine, nette Unternehmung, die intelligent weiter wachsen werde.

Belimo Holding: Weiter wachsen

«Wir sind ein sehr vorsichtiges Unternehmen», sagt Belimo-CEO Andreas Steiner zur Frage nach den Prognosen für 2006. Dabei deuten alle Vorzeichen auf weiteres zweistelliges Wachstum. Belimo ist in seinen Hauptmärkten Europa und Amerika gut aufgestellt und hat 2005 auch trotz teilweise stagnierender Baukonjunktur ein Umsatzwachstum von 10,9% auf 280,3 Mio Fr. erzielt. Das heisst, es wurden sowohl geografisch als auch in den Anwendungsbereichen Marktanteile gewonnen, auch dank einer neuen Produktegeneration. Der Reingewinn stieg sogar um 18,2% auf 32,8 Mio Fr. Die Aktionäre erhalten wie im Vorjahr eine Ausschüttung von 30 Fr. Immerhin hiess es zum Ausblick noch, das neue Geschäftsjahr habe sehr gut begonnen.