Wie misst man geistige Leistungen, wertschöpferische Mitarbeit, guten Rat? Die Frage ist uralt. Dabei lautet sie nicht, ob es Berater braucht, sondern, welche es genau sein sollen, mit welchen Fähigkeiten sie ausgestattet sein müssen und vor allem: Entscheidend ist, ob man ihren Nutzwert messen kann und dass der Beitrag zur Erhöhung der Wertschöpfung auch konkret nachgewiesen werden kann.

Man würde die heutigen Unternehmen sträflich unterschätzen, würde man ihnen in dieser Frage Naivität unterstellen. Sie wissen genau, worauf es ankommt, auch beim Einkauf von Beraterleistung. Und die Consultants in der Schweiz hätten letztes Jahr nicht einen Branchenumsatz von 1,2 Mrd Fr. erreicht, wenn es sie nicht bräuchte. Und 9% Wachstum erst recht nicht. Aber das brauchen sie auch, vor allem wenn die Konjunkturdaten eines Tages nicht mehr so beeindruckend sein werden. Kommt dazu, dass sich die Management Consultants deutlich schwerer tun als ihre Kunden und die reinen IT-Berater, auf den steigenden Konsolidierungsdruck der eigenen Branche zu reagieren. Übernahmen sind in diesem «people’s business» auch deutlich schwerer bewertbar.
Der Branchenverband der Berater in der Schweiz, die Asco, leistet hier einen wertwollen Beitrag: Sie bringt Licht in den Kennwert «Return on Consultancy», und sie richtet dieses Jahr dafür bereits den zweiten Asco-Award aus, für den sich dieses Jahr noch mehr Projekte beworben haben als im Jahr zuvor. Das ist eine reife Leistung, zumal viele Kunden immer noch die falsche Scheu haben, eigenen Beratereinsatz «zuzugeben». Wie wenn es eine Schande wäre. In anderen Unternehmensbereichen sind Helfer von aussen längst eine Selbstverständlichkeit.

Alte Fragen, neue Antworten

Zum Thema «guter Rat» kommen in dieser Beilage Kunden und Berater zu Wort. Und seit den Zeiten Goethes hat sich viel verändert. Der schrieb in den «Wahlverwandtschaften» noch harte Worte: «Glaubt ihr, dass ich in der Welt bin, um Rat zu geben? Das ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann.»
Beide Seiten sind seither professioneller geworden, wenden verfeinerte Methoden an. Und auch der damalige Satz eines Migros-Managers, Berater
hätten bei ihm grundsätzlich
Hausverbot, ist dort heute nicht mehr gültig. Was in allen Zeiten geblieben ist, sind die unternehmerischen Herausforderungen der Kunden: Kostenbewusstsein, effiziente Prozesse, Wachstum und Innovation. Den Consultants wird die Arbeit also vorerst nicht ausgehen.

Anzeige