«Es gibt blockierte oder eingestellte Projekte im Wert von etwa 25 Milliarden Dollar», sagt Mark Cutifani, Konzernchef von Anglo American Plc, in einem Interview. «Wir müssen solche Beziehungen alle richtig hinbekommen.»

Widerstand gegen Minen ist zwar nichts Neues, das Thema sorgt unter den Bergbaukonzernen wie Anglo American aber für wachsende Besorgnis und die Führungskräfte äussern sich nun öfter dazu. Milliarden an Dollar stehen auf dem Spiel, sagen sie.

Ihre Gegner argumentieren, dass die Unternehmen die Umwelt beschädigen und der lokalen Wirtschaft keinen Nutzen bringen - zumindest nicht in dem von ihnen behaupteten Ausmass.

Von Peru bis Südafrika

Der Gegenwind hat seit den 1980er Jahren zugenommen. Damals wurden lokale Gemeinschaften nur selten in solche Entscheidungen miteinbezogen. Heutzutage aber ist die Unterstützung vor Ort von entscheidender Bedeutung, erklärt Thras Moraitis, Strategiechef bei Xstrata Plc vor der Übernahme des Bergbaukonzerns durch Glencore Plc im Jahr 2013. «Man kann ohne vollständige und im Vorfeld eingeholte Zustimmung der lokalen Gemeinden keine Genehmigung bekommen», sagt er.

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Gemeinden von Peru bis Südafrika mobilisieren nun ihre Bewohner und sind dadurch erfolgreicher bei den Verhandlungen mit den Konzernen geworden, ergaben zwei Studien aus dem vergangenen Jahr. Die Anwohner, die für die Bergwerke umsiedeln müssen, fordern demnach mehr als Gegenleistung ein.

Gesündere und grössere Meerschweinchen 

In Peru waren sechs Jahre andauernde Gespräche notwendig, bevor die Arbeit am Kupferprojekt Las Bambas aufgenommen werden konnte, sagt Moraitis, der nun ein Principal bei X2 Resources ist, einem von ehemaligen Xstrata-Managern gegründeten Investmentvehikel für den Bergbau.

Um die Las-Bambas-Einigung zu erzielen, war der Bau eines neuen Dorfes in 4000 Metern Höhe nötig, inklusive Häusern mit sechs Zimmern, einer Stierkampfarena und eines Fussballplatzes. Das neue Bergdorf Nueva Fuerabamba verfügt über Strom, fliessendes Wasser und Kläranlagen. Auch Landwirtschaftsexperten wurden angeheuert, um gesündere und grössere Meerschweinchen zu züchten, die den Bewohnern als Proteinquelle dienen.

«New York in den Anden»

«Wir nennen es 'New York in den Anden'», sagt Andrew Michelmore, Konzernchef der chinesischen MMG Ltd., die Las Bambas im Juli 2014 von Glencore für 7 Milliarden Dollar übernommen hatte. MMG hat drei Viertel der Dorfbewohner bereits umgesiedelt und rechnet mit dem Abschluss des Prozesses in diesem Quartal.

Im zunehmenden Masse stossen Bergbaukonzerne auf einen stärkeren Widerstand in lokalen Gemeinden. Das bremst moderne Projekte aus und bringt zusätzliche Kosten für die Branche mit sich, die ohnehin schon mit fallenden Gewinnen zu kämpfen hat.

Gott in der Bauxitmine

«Für die Gemeinden, Staaten und Bergbaukonzerne wird das in naher Zukunft eine Herausforderung bleiben», sagt Tom Albanese, Chef von Vedanta Resources Plc. «Es wird die Anzahl neuer Projekte verringern, die entwickelt werden. Es erschwert die Angebotssteuerung.»

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Vedanta musste 2014 den Plan einer Bauxitmine in den indischen Niyamgiri-Bergen auf Eis legen. Ansässige Stämme hatten das Vorhaben abgelehnt, weil sich ihrem Glauben nach ihr Gott dort aufhält.

3400 Einwohner umgesiedelt

Der Unmut der Ansässigen kann kostspielig sein. Diese Erfahrung machte auch Barrick Gold Corp. im Jahr 2013, als das kanadische Unternehmen den Bau seines Pascua-Lama-Projekts an der chilenisch-argentinischen Grenze unterbrechen musste, nachdem einheimische Gruppen gerichtlich dagegen vorgegangen waren. Der grösste Goldproduzent der Welt hat seither etwa 6 Milliarden Dollar auf den Wert des Projekts abgeschrieben.

Anglo Americans geplanter Ausbau eines Eisenerzprojekts in der nördlichen Kapprovinz Südafrikas zeigt, wie schwierig es sein kann, sich die Unterstützung aller Einheimischen zu sichern. Um den Plan umzusetzen, müssen 3400 Einwohner von Dingleton umgesiedelt werden. Doch während die meisten bereits eine Einigung mit der Anglo-Sparte Kumba Iron Ore erzielt haben, geben 36 Haushalte einfach nicht nach. Zu ihnen gehört auch Cyril Briesies.

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Kommentare abgelehnt

«Sie verhandeln niemals nach Treu und Glauben, und zeitweilig wird es regelrecht bösartig», sagt Briesies in seinem Vierzimmerhaus auf einem Grundstück von der Grösse eines halben Fussballfelds. «Dies ist wertvolles Land. Wenn dieses Haus ihnen so wichtig ist, können sie auch einen Preis aushandeln, der meinen Vorstellungen entspricht.»

Das Unternehmen, dem nach eigenen Angaben diese Art von Beschwerden bekannt ist, lehnte weitere Kommentare ab. Für die Umsiedlung von Dingleton mussten bereits neue Standorte für 24 Geschäfte, mehrere Schulen, eine Klinik, eine Polizeistation und sieben Glaubensgemeinden vorbereitet werden.

Abwarten, um mehr zu bekommen?

«Das ist ein sensibles Projekt; wir haben es mit dem Zuhause von Menschen zu tun», erklärt Yvonne Mfolo, Kumbas Projektleiterin für die Umsiedlung. «Es gibt noch immer dieses leise Gefühl, dass sie vielleicht doch nicht das richtige machen, oder abwarten sollten, um mehr zu bekommen.»

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(bloomberg/tno)