Die Credit Suisse (CS) will die Sparte Asset Management (AM) womöglich auflösen - das hatte die BILANZ bereits Ende vergangener Woche berichtet. Am Dienstagabend legte nun Reuters nach: Das AM-Geschäft der CS solle in die beiden anderen Sparten Private Banking und Investment Banking integriert werden, berichtete Nachrichtenagentur unter Berufung auf Insider.

Ein Gerücht brachte zudem ein Privatbanker in einem Kommentar in der heutigen Ausgabe des «Tagesanzeiger» auf. Demnach plant die CS, ihre Investment Bank in eine Transaktionsbank nach Vorbild der Deutschen Bank umzubauen, was einen erneuten Personalabbau in dieser Division zur Folge haben werde. Bis Mitte 2013 würden rund 2400 Stellen im Investment Banking abgebaut, vermutet der Banker.

Laut BILANZ diskutiert die Grossbank intern - als eine von zwei möglichen strategischen Änderungen - die Aufhebung des Asset Management als eigenständige Einheit und deren Integration ins Private Banking. Die CS wollte keinen Kommentar abgeben.

Banken-Titel tendieren schwächer

Die Aktien von UBS und Credit Suisse tendierten heute Nachmittag nun deutlich schwächer als der leichter notierende Gesamtmarkt. Gedrückt werden die Kurse offenbar durch die Berichte.

Allerdings stehen auch europaweit Bankenaktien unter Druck, was Händler auf einen Bericht des deutschen «Handelsblatt» zurückführen. Dieses hatte geschrieben, der erweiterte Euro-Rettungsschirm ESM werde möglicherweise bei bestehenden Altlasten nicht greifen.

Dass die CS-Aktie zeitweise weniger stark unter Druck stand als die der UBS könnte mit Gerüchten über Anstrengungen der Bank zu tun haben, die - sollten sie sich bewahrheiten - letztlich zu einer Verbesserung der Gewinnstruktur führen sollten.

Analyst hält Aufgabe für möglich

Sicher ist, dass das CS-Management verschiedentlich erklärt hatte, dass sich die Bank im Zuge der geplanten Stärkung der Kapitalbasis von Aktivitäten auch im Asset Management trennen will. Insbesondere illiquide Teile des Asset Managements sollen veräussert werden. Im Zuge dessen hat die Bank unter anderem ihre Beteilung an der schottischen Aberdeen Asset Management in diesem Jahr verkauft.

Ob die CS für alle Teile einen Käufer finden werde, sei noch offen, sagte ein Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Der Deutschen Bank, die dieselbe Strategie verfolge, sei dies beispielsweise nicht gelungen.

Deshalb intgegriere sie jetzt das Asset Management stärker. Diesen Schritt könnte auch die CS nachvollziehen und das geschrumpfte Asset Management - wie die BILANZ berichtet hatte - als selbstständige Einheit aufgeben, so der Experte weiter.

Rein organisatorischer Schritt

Das wäre ein rein organisatorischer Schritt und noch keine Abkehr vom bisher propagierten integrierten Geschäftsmodell. Sollte sich der Verkauf von Aktivitäten aber als Erfolg entpuppen, dann könnte man überlegen, ob sich die Bank nicht aus dem gesamten Geschäft verabschieden wolle.

Bezüglich der Devestitionen im Asset Management sah CFO David Mathers in einer Investoren-Präsentation im September die CS allerdings auf Kurs. Ein offenes Geheimnis ist es auch, dass die CS ihre Kosten im Investment Banking weiter reduzieren will. Allerdings habe die Bank diesbezüglich bereits viel geleistet, betonte Mathers in der erwähnten Präsentation.

So sank der Aufwand im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Diesem standen indes Erträge gegenüber, die um 13 Prozent abnahmen.

Kostenstruktur nicht zu rechtfertigen

Die Cost/Income-Ratio verschlechterte sich gegenüber dem Vorjahr auf 80,7 Prozent von 78,7 Prozent. Es sei klar, dass sich diese Kostenstruktur mit der gegenwärtigen Ertragsentenwicklung auf die Dauer nicht rechtfertigen liessen, sagte ein Händler.

Entsprechend sei ein weiterer Personalabbau, wie im «Tagesanzeiger» vermutet, nicht auszuschliessen. Allerdings hänge das Ausmass des Stellenabbaus davon ab, wie die Bank die Marktentwicklung einschätze.

(aho/tno/awp)

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