In Corona-Zeiten stehen nicht nur die ­Flieger, sondern auch die Abfertigung still. ­Besonders hart trifft das den Flughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt», die grösste Flughafenbaustelle Europas.

Eine Handvoll Schweizer Firmen hat daran mitgewirkt. Die Herausforderungen waren zum Teil beträchtlich – und sind es noch.

Vergabemängel und technische Schwierigkeiten haben die Eröffnung um ein knappes Jahrzehnt verzögert. Bereits 2011 hätte der Flugbetrieb starten sollen.

Neun Jahre später sind einige Schweizer Unternehmen immer noch dran an dem Projekt; geplant waren Kosten von 2 Milliarden Euro, daraus sind bis jetzt mehr als 6 Milliarden geworden.

Jubelstimmung kommt kaum auf

Im April 2020 sagt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, die «sichere Inbetriebnahme» sei in diesem Jahr trotz Corona gewährleistet». Eröffnungstermin: 31. Oktober.

Neugierig auf eine endgültige Eröffnung nach so vielen Jahren ist man nicht nur in Deutschland, sondern auch hier­zulande: darunter eine Baufirma, ein Lifthersteller, ein Fördertechniker und ein Planungsbüro aus der Schweiz.

Manche hatten mehr Erfolg als andere. Jubelstimmung kommt aber bei kaum einer hiesigen Firma auf, die etwas zum Airport beigetragen hat. Das Projekt wurde zur Geduldsprobe.

Reparaturarbeiten von Implenia

Der Schweizer Baukonzern Implenia hat für 14,5 Millionen Euro rund 100 000 Quadratmeter Fassadenfläche erstellt. Baubeginn war 2009. Drei Jahre später war Implenia damit fertig.

Der Status 2020 lautet allerdings: in Bau. Denn: «Anschluss- und Reparaturarbeiten sind noch im Gang», so ein Sprecher.

Weil der Flughafen nicht wie geplant 2012 fertig war, wurde die Zusammen­arbeit mit zwei Generalplanern aufgekündigt, mit denen Implenia gearbeitet hat.

Von Implenia heisst es acht Jahre später, man arbeite partnerschaftlich mit dem Auftraggeber zusammen und habe über die gesamte Zeit die Teilaufträge «gut ­realisieren» können. Insgesamt keine einfache ­Sache.

Krasser lief es beim Lifthersteller Schindler. Das Unternehmen räumte 2012 die Ausstattung des Flughafens mit gut 100 Aufzügen, knapp 30 Fahrtreppen und 20 Fahrsteigen ab.

Ein grosser Erfolg für den Maschinenbauer in dem deutschen Ver­gabeverfahren. Doch nach der Installation und einem Baustopp wurden die Wartungsverträge neu vergeben.

Den Zuschlag bekam nicht Schindler, sondern Thyssenkrupp. «Wir sind nur noch am Rande vor Ort», sagt eine Schindler-Sprecherin.

Zur Verschwiegenheit verpflichtet

Auch das Planungsbüro Suisseplan, Spezialist für Gepäckförderanlagen, muss es sportlich nehmen. «Von verschiedenen Seiten wurde das geplante System mit Förderbändern und Sortiermaschinen als nicht innovativ bezeichnet», schreibt das Unternehmen.

Bei den kurzen Wegen auf dem Flughafen hätten die Vorteile hoher Geschwindigkeiten nicht genutzt werden können.

«Wenn wir Innovation im Mate­rialfluss und einen effizienten Einsatz mit der für die gestellte Aufgabe geeignetsten Technologie erreichen, lassen wir uns ­gerne nachsagen, wir seien altmodisch», schreibt Suisseplan.

Darüber hinaus wolle man das Projekt nicht kommentieren. Man sei zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Etwas besser hat es da noch das Unternehmen Interroll.

Der Tessiner Fördertechniker hat Installationen für die Gepäckkontrolle zugeliefert. «Alle Projekte, an denen wir beteiligt waren, verliefen nach Zeitplan», sagt ein Sprecher. «Aus unserer Sicht komplikationsfrei.»