Die Ausgangslage ist klar: Der Bundesrat will die Mehrwertsteuerordnung deutlich vereinfachen. Wie bei jeder Gesetzesanpassung gibt es aber nicht nur Gewinner – bei der Revision des Mehrwertsteuergesetzes könnte der Sport gar zum grossen Verlierer werden.

Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, hat in Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers (PwC) errechnet, dass allein der administrative Zusatzaufwand bis zu 23,5 Mio Fr. betrüge. Dazu kämen zusätzliche Abgaben, die sich bis auf eine Höhe von 30 Mio Fr. beliefen. Dem Schweizer Sport könnten im Extremfall also über 50 Mio Fr. verlustig gehen. Bei der nunmehr vom Bundesrat vorgeschlagenen Lösung mit einem Einheitssatz und einer Besteuerung ab 250000 Fr. Umsatz unterliegen nämlich rund 700 ehrenamtlich getragene Sportinstitutionen zusätzlich der MWST-Pflicht. Dies haben ebenfalls Berechnungen von PwC ergeben.

Mitte Januar 2008 beantragte der Bundesrat die Einführung eines Einheitssatz von 6,1%, die MWST-Befreiung gemeinnütziger Institutionen, deren Umsatz 250000 Fr. nicht überschreitet, und die Abschaffung möglichst vieler Ausnahmen. Die MWST-Reform soll dem Parlament im Sommer mit einer Sammelbotschaft in zwei voneinander unabhängigen Teilen vorgelegt werden: Der weniger umstrittene erste Teil umfasst eine Totalrevision des Gesetzes mit Vereinfachungen in 50 Punkten, der zweite den Einheitssatz und die Abschaffung der Ausnahmen.

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«Wir begrüssen im Grundsatz den Vorschlag des Bundesrats und nehmen ihn beim Wort, wenn er sagt, er wolle die Ehrenamtlichkeit nicht bestrafen», sagt Marc-André Giger, CEO von Swiss Olympic, Bern. Giger weiter: «Zwingend ist aber die Erhöhung der Umsatzschwelle auf 500000 Fr.» Der Sport sei bereit, für eine Vereinfachung der Mehrwertsteuer Hand zu bieten. «Die Revision darf aber nicht zulasten gemeinnütziger Sportorganisationen gehen. Dafür werden wir auch weiterhin kämpfen», so Giger.

Der Schweizer Sport verlangt zudem die Aufhebung der Vorsteuerkürzung bei Spenden, Sponsoring und Subventionen und fordert das Eidgenössische Finanzdepartement auf, zusammen mit den Kantonen intensiv nach kreativen Lösungen zur Vermeidung der Einnahmenausfälle zu suchen.

Lotteriewesen nicht besteuern

Zur Unterstellung des Lotteriewesens unter die MWST hat der Bundesrat im Januar noch keine Stellung bezogen, dieser Entscheid wurde vertagt. Eine solche Unterstellung würde dem Breiten- und Spitzensport einen wesentlichen Teil seiner Lebensgrundlage entziehen. Swiss Olympic fordert deshalb, dass die geltende Ausnahmeregelung beibehalten wird. Eine Gesetzgebung zum Nachteil des Schweizer Sports lehnen die Sportdachorganisation und ihre 82 Mitgliedverbände entschieden ab.

Von der Revision des Mehrwertsteuergesetzes ist auch der Golfsport betroffen. Weil die meisten helvetischen Golfklubs schon heute die Umsatzlimite von 150000 Fr. überschreiten, sind sie schon jetzt umsatzsteuerpflichtig. Doch laut Stéphane Gmünder, der den Schweizerischen Golfverband (ASG) in Sachen Mehrwertsteuer berät, hätte die Umsetzung des Moduls «Einheitssatz» – wie vom Bundesrat Mitte Januar entschieden – zur Folge, «dass die finanzielle Mehrbelastung für den Golf von allen Sportarten am grössten wäre». Das hätte in erster Linie damit zu tun, dass künftig die im Vergleich zu anderen Sportarten hohen Eintrittsgebühren und Mitgliederbeiträge besteuert würden.

Gmünder hat errechnet, dass die mehrwertsteuerliche Belastung der Klubs und der ASG um 4 Mio Fr. steigen könnte. Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die Klubs die zusätzlichen Kosten auf ihre Mitglieder überwälzen würden. Höhere Eintrittsgebühren und Mitgliederbeiträge wären die Folge.

Die Mehrwertsteuer abführen müssen künftig mit grösster Wahrscheinlichkeit auch die Golf-Professionals auf ihren Einnahmen aus Lektionen. Keinen negativen Einfluss hat die Revision des Mehrwertsteuergesetzes hingegen auf die Höhe der Greenfees; sie unterliegen schon jetzt dem Mehrwertsteuersatz von 7,6%.

Die ASG hat, wie viele andere Sportverbände, zur Vernehmlassung des Mehrwertsteuergesetzes Stellung bezogen. Sie schliesst sich mehrheitlich den Forderungen von Swiss Olympic an und fordert unter anderem die Aufrechterhaltung der Steuerbefreiung von Unterrichtsleistungen der Golflehrer.

Sport besitzt in Bern Gewicht

Stéphane Gmünder hat gehört, dass in Bern über 500 Stellungnahmen eingegangen sind. «Der Sport und seine Anliegen sind im Bundeshaus wahrgenommen worden», stellt auch Peter Notter, Leiter Finanzen bei Swiss Olympic, fest.

Zudem bliebe der Sportbewegung immer noch die Möglichkeit, ihre Sonderstellung mittels Referendum gegen das Gesetz und bei der obligatorischen Verfassungsabstimmung über die Mehrwertsteuersätze zusammen mit weiteren betroffenen Branchen zu verteidigen. Der zehnte und letzte Punkt im Argumentarium von Swiss Olympic tönt jedenfalls wie eine Drohung: «Sollten sich unsere Überlegungen nach den Beratungen im Bundesrat und im Parlament nicht in der Neuordnung der MWST wiederfinden, müsste sich Swiss Olympic mit ihren 1,5 Mio Mitgliedern eine neue Lagebeurteilung vorbehalten.»