«Da meine Zeit sehr knapp ist, möchte ich keine Stellung nehmen», beschied Chris­tof Reichmuth, CEO der Privatbankiers Reichmuth in Luzern. «Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet und können deshalb keine weiteren Auskünfte erteilen», tönte es aus dem Hedge-Fund-Haus RMF. «Notz, Stucki spricht nicht mit der Presse», meinte Marc Honegger, Partner bei der Genfer Vermögensverwaltungsfirma Notz, Stucki. «Die US-Regierung untersucht den Fall. Deshalb können wir keinen Kommentar abgeben», meldete die Union Bancaire Privée (UBP).

Die Einsilbigkeit der Geldmanager ­erklärt sich mit der Hauptfrage der ­BILANZ-Recherche: «Weshalb ist Ihre Bank auf die Versprechungen von Bernard Madoff hereingefallen?» Der tiefe Fall des jahrelang als Anlagegenie gefeierten Amerikaners ist vielen heimischen Financiers nur noch peinlich (siehe «Die Beinahe-Legende» auf Seite 44). Von den 50 Milliarden Dollar, die in Madoffs schwarzem Loch mutmasslich verschwunden sind, entfallen etwa 10 Milliarden auf Banken, Institutionelle, Vermögensverwalter und Privatpersonen aus der Schweiz. Namhafte Adressen haben bei Madoff angelegt, entweder direkt oder über Feeder Funds.

Nach wiederholter Zusicherung, ihre Anonymität werde gewahrt, lassen sich einige Bankiers dann doch auf ein Gespräch ein. Und siehe da: Die sonst so kühl rechnenden Geldmanager der Calvinstadt haben beim Entscheid, bei Madoff zu investieren, zwar durchaus übliche Parameter wie Rendite, Volatilität oder Risiko in ihre Erwägungen einbezogen – aber oft stark auf Beziehungen abgestellt. Das hatte viel mit der Person Madoffs zu tun; wer ihn kennen lernte, war fasziniert. «Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, war charmant und glänzte mit kultiviertem Auftreten», erinnert sich ein damals in Genf tätiger Deutschschweizer Bankier.

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GENFER REISEN. In den neunziger Jahren reiste Madoff oft nach Genf, um neue Mittel zu akquirieren. Er habe sich bei gross­zügigen Einladungen geschickt vermarktet und seine Vermögensverwaltungsfirma Bernard L. Madoff Investment Securities im besten Licht präsentiert, doch nie mit grossen Renditen geprahlt, wird berichtet. Er tauchte alljährlich auf beim glamourösen Interbourse-Skirennen. An den in der Schweiz stattfindenden Wettkämpfen lud Madoff zu illustren Runden. «Seine Einladungen waren legendär, da ging die Post ab», erinnert sich ein Bankier.

Wer bei solchen Anlässen fragte, wie er bei Madoff investieren könne, bekam von diesem meist zu hören, er werde schauen, was sich machen lasse. Diese Ziererei machte die Genfer Bankiersgilde erst recht heiss, ihre Millionen dem Amerikaner überlassen zu dürfen. «Obwohl wir kaum etwas über ihn oder seine Anlagestrategie wussten, galt er als höchst vertrauenswürdig», so der Spitzenmann eines Instituts.

Als sich Madoff immer seltener in der Schweiz blicken liess, tauchten neue Gesichter auf. Das System blieb sich gleich: Nach der Präsentation erstklassiger Zahlen der Hedge Funds, die sich als Feeder Funds von Madoff zu erkennen gaben, folgte der Hinweis, dank der Nähe zum Meister könne man allenfalls einige Millionen platzieren. Dabei würden die branchenüblichen Abgaben fällig, je nach Fonds jährlich ein bis eineinhalb Prozent der Investi­tion als Verwaltungsgebühr und meist 20 Prozent an Gewinnbeteiligung.

Der in Genf und im Waadtland emsigste Betreiber eines Feeder Fund war Walter Noel (siehe «Der Milliardensammler» auf Seite 45). Über seinen Hedge Fund Fairfield Sentry, der mit 7,2 Milliarden Dollar an ausstehenden Anlagen unterging, trieb der 78-Jährige alleine in der Schweiz mindestens eine Milliarde auf. Noel hat eine lange Historie in der Branche, weshalb er problemlos Zugang zu den Bankiers fand. Ein Türöffner war wohl auch Bénédict Hentsch: Der VR-Präsident und Mehrheitsaktionär der gleichnamigen Bank lernte Noel einst in Brasilien kennen. Hat Hentschs Institut aus Freundschaft 56 Millionen Franken Kundengelder bei Fairfield Sentry parkiert? No comment.

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SAMMELGESCHÄFT. Mit den Jahren machte Noel das Einsammeln zum Familiengeschäft. Walter und Ehefrau Monica Noel haben fünf attraktive Töchter, die in der US-Regenbogenpresse als «Fabulous Noel Sisters» zu Popularität gelangten. Alle sind verheiratet, vier Schwiegersöhne arbeiten in Noels Fairfield Greenwich Group (FGG). Und traten hauptsächlich als Geldsammler auf: Der Kolumbianer Andrés Piedrahita trug die Millionen in Europa und Lateinamerika zusammen; der Italiener Yanko Della Schiava bearbeitete über FGG Lugano Südeuropa und Teile der Schweiz; Philip Toub, der aus einer Reederfamilie in Lausanne stammt, beackerte zuerst die Westschweiz, später Brasilien und den Mittleren Osten; der Amerikaner Matthew Brown war fürs Marketing zuständig.

Keiner scheute davor zurück, freundschaftliche Bande auch fürs Geschäft zu nutzen. So sind Andrés Piedrahita und Michael de Picciotto, Generaldirektor bei der von seinem Onkel Edgar de Picciotto gegründeten UBP, enge Freunde. Erklärt dies, dass die Genfer Bank 784 Millionen Franken an Kundengeldern über vier Feeder Funds, davon auch Fairfield Sentry, bei Madoff versenkte? No comment.

Veronica Toub, Schwester von Philip Toub, war einst die Verlobte des EIM-Group-Bankiers und Lebemanns Arpad Busson, bevor das Model Elle Macpherson die Verlobung platzen liess. Hat EIM wegen dieser Verbindung 258 Millionen bei Madoff investiert? No comment.

Als bei Madoff in der zweiten Jahreshälfte 2008 die Liquidität zur Neige ging, weil die Anleger wegen der Finanzkrise immer mehr Gelder abzogen, schickte Noel seine Schwiegersöhne nochmals auf die Piste. Doch ihre Ernte war mager. Einige Bankiers betonen gegenüber BILANZ, dass sie kein weiteres Kapital mehr gegeben hätten. Nicht aus Misstrauen – vielmehr waren ihre Kassen wegen der Finanzkrise leer. Im Dezember flog der Madoff-Schwindel auf. Nun läuft beim einstigen Zwei-Mann-Betrieb Fairfield in Lugano ein Tonband. «Als wir kein Geld mehr erhielten aus den USA, mussten wir schliessen», sagt Rudy Summerer, einziger Verwaltungsrat.

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Die Noel-Schwiegersöhne werden in Anklageschriften der Mittäterschaft beschuldigt. Alle vier haben reichlich am Honigtopf genascht. Und der war gut gefüllt, wie der Jahresbericht 2007 von Fairfield Sentry zeigt. Gemäss diesem der ­BILANZ zugespielten Dokument hat die Fondsleitung 2006 und 2007 an Verwaltungsgebühren 118 Millionen Dollar kassiert, dazu gesellten sich 224 Millionen an Gewinnbeteiligung. Noel und seine Partner haben also allein in zwei Jahren praktisch fürs Weiterleiten 342 Millionen ­Dollar eingestrichen. Dennoch sind die meisten BILANZ-Gesprächspartner in Genf von Noels Unschuld überzeugt.

Mit einem blauen Auge davongekommen ist die Banque Bénédict Hentsch. Diese war noch im September 2008 mit FGG eine Fusion eingegangen, vermochte aber die Verträge nach Madoffs Implosion wieder aufzulösen.

ÜBLICHE KRITERIEN. Weniger tiefe Spuren in der Schweiz hinterlassen hat Ezra Merkin (siehe «Der Gutmensch» auf Seite 47). Aufgetreten ist er hierzulande bei der Fondation Beyeler als Geldsammler – mit umgekehrten Vorzeichen: Als President of the American Friends of the Fondation Beyeler schickte er Spenden aus den USA ans Rheinknie. «Bis heute ist allerdings kaum Geld geflossen», sagt ­Georg Krayer, Präsident des Museums Beyeler in Riehen. Dafür war «der Rabbi», wie Merkin in New Yorks Judengemeinde auch genannt wird, mit seinem Feeder Fund Ascot beim Sammeln für Madoff weitaus erfolgreicher. Die geschätzten 14 Millionen Franken, die der Financier Marc Rich bei Madoff verloren haben dürfte, liefen wahrscheinlich über Merkin. Rich wiederum hat wahrscheinlich den Kontakt zwischen Merkin und den Luzerner Privatbankiers Reichmuth hergestellt. Diese jedenfalls haben einen Teil ihrer 375 Millionen via Ascot an Madoff überwiesen. Auch einige Genfer Bankiers haben über Ascot Geld verloren.

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Als fleissige Sammlerin ist im Weiteren Sonja Kohn in der Schweiz aufgetreten (siehe «Die Aufsteigerin» auf Seite 46). Die 60-jährige Gründerin der Bank Medici in Wien hat vor allem Institutionelle abgeklappert. Wie viel von den an Madoff überwiesenen 2,1 Milliarden Dollar aus der Schweiz stammten, wollte die Minibank nicht offenlegen. «Einer der Hauptdrahtzieher war das Ehepaar Sonja und Erwin Kohn. Grosse Schweizer Pensionskassen haben via Medici sehr viel Geld bei Madoff angelegt», bestätigt ein Anwalt.

Die Milliardenverluste bei Schweizer Banken und Institutionellen nur persönlichen Beziehungen und der Gutgläubigkeit zuzuschreiben, wäre zu kurz gegriffen. Einige Geldmanager haben sehr wohl Kennzahlen, Anlagestrategie und Jahresberichte der Feeder Funds studiert. «Wir haben die Investments nach den üblichen Kriterien geprüft», betont ein Sprecher der St.  Galler Kantonalbank, deren Tochter Hyposwiss 150 Millionen Dollar bei Madoff angelegt hat.

KEINE ZAHLEN. Die Union Bancaire Privée liess sogar Analysen über Fairfield Sentry anfertigen. Dass das Institut dennoch auf Madoff hereingefallen ist, versuchte das Management in einem sechsseitigen, der BILANZ vorliegenden «privaten und vertraulichen» Brief an die UBP-Investoren zu erläutern – und sorgte damit für zusätzlichen Spott. Denn laut dem Schreiben besuchte man Bernard Madoff mehrmals in dessen Büro in New York, die Aktivitäten wurden einer Due Diligence unterzogen, letztmals am 25.  November 2008 – 15 Tage später entpuppte sich Madoff als Betrüger. Auch Fairfield Sentry wurde fünfmal unter die Lupe genommen.

Der Grossteil der Banken hat sich einzig auf die Jahresberichte der Feeder Funds verlassen. Von Madoff gab es kaum Zahlen. Dafür wurde in der Branche der Hedge Fund Fairfield Sentry als Erfolgsausweis des US-Investors herangezogen: Die Performance waren zwar gut, aber nicht grandios. Seit 1990 hat Fairfield Sentry eine ­Jahresrendite von durchschnittlich 10,6 Prozent erbracht. Beim US-Börsenindex Standard & Poor’s 100 wurde in derselben Periode eine jährliche Zunahme von 9,2 Prozent gemessen. «Die Performance von Madoff war nicht auffällig hoch», stellt der Gründer eines kleinen Genfer Finanzinstituts klar. Andere Hedge Funds, welche die gleiche Anlagestrategie verfolgten, hätten weitaus bessere Resultate erbracht.

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Walter Noels Feeder Fund also hat eher unterdurchschnittlich abgeschnitten im Vergleich mit der Konkurrenz, und dies während einiger Jahre sogar deutlich. In tollen Börsenzeiten, etwa zwischen 1995 und 1999, hat der S&P 500 teilweise mehr als doppelt so stark zugelegt. In schlechten Jahren dagegen, beispielsweise von 2000 bis 2002, erbrachte der Sentry jährliche Returns von 8,4 bis 10,7 Prozent, während die Aktienmärkte in die Tiefe rauschten. Eines der zugkräftigsten Verkaufsargumente des Hedge Fund war denn auch, dass seit seiner Gründung – über insgesamt 214 Monate – lediglich während 15 Monaten ein Minus resultierte.

KAUM SCHWANKUNGEN. Das war das Raffinierte am System von Bernard Madoff: Er wies keine übermässig hohen und damit unglaubwürdigen Renditen aus, sondern lieferte eher bescheidene, dafür stetige Resultate ab. Was gerade die auf Vermögensverwaltung ausgerichteten Genfer Bankhäuser gereizt hat, ihre Kundengelder in Madoffs Kasse zu leiten. Sie erhielten eine anständige Performance mit einer tiefen Volatilität; über 18 Jahre wies der Sentry eine jährliche Volatilität von gerade mal 2,45 Prozent aus, während der S&P 100 in derselben Periode um 14,3 Prozent ausschlug. Andere Hedge Funds kommen auf weit höhere Schwankungen. «Diese unglaublich tiefe Volatilität und die Regelmässigkeit der Renditen hätten uns stutzig machen müssen», meint heute selbstkritisch der CEO einer Bank, die zu den Hauptgeschädigten gehört.

Eine weitere Besonderheit reizte die Bankiers ebenfalls: Bei Madoffs Feeder Funds konnten die Anleger ihr Geld auf 30 Tage hinaus zurückziehen. In der Hedge-Fund-Branche dagegen gilt üblicherweise eine Kündigungsfrist von drei Monaten.

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Viel zur Vertrauensbildung hat ausgerechnet die amerikanische Börsenaufsicht Securities Exchange Commission (SEC) beigetragen. Als Händler unterstand Madoff der Aufsicht der SEC; seine Aktivitäten in der Vermögensverwaltung hingegen – und das war vielen seiner Kunden nicht bewusst – unterlagen keiner Kontrolle. Achtmal schickte die SEC während 16 Jahren ihre Spezialisten zur Buchprüfung ins Lipstick Building in Manhattan, wo die Bernard L. Madoff Investment Securities die Etagen 17, 18 und 19 belegte. Achtmal verlief die Prüfung ergebnislos.

Im Rückblick fast kafkaeske Züge nimmt eine Episode aus dem Jahr 2000 an. Damals informierte der Wirtschaftsprüfer Harry Markopolos die SEC, wonach bei Bernard Madoff einiges nicht stimmen könne. Seine Strategie lasse sich einfach nicht nachvollziehen. Entweder betreibe er Front­running – oder aber ein gigantisches Schneeballsystem. Weder ­diese noch spätere Eingaben führten dazu, dass die Aufsichtsbehörde etwas unternahm. «Die SEC hat total versagt», sagt Markus Ruffner, CEO der Neuen Privat Bank (NPB) in Zürich, deren Kunden wegen Madoff gut fünf Millionen Franken verloren haben. «In der Finanzbranche war bekannt, dass die SEC mehrmals die Bücher von Madoff Securities prüfte. Und gerade weil die Aufsicht nichts gefunden hat, gab dies den Madoff-Kunden eine zusätzliche Sicherheit.»

Schwer wiegt auch das Versagen der Revisionsgesellschaften. BDO Visura, KPMG, Ernst & Young, PricewaterhouseCoopers (PwC) und andere haben die Bücher der Feeder Funds geprüft – und nichts bemängelt. So hat PwC dem Jahresbericht von 2007 des Sentry ihr Plazet erteilt. Demnach hielt der Fonds Ende 2007 Treasury Bills mit 13 verschiedenen Laufzeiten im Gesamtwert von 6,9 Milliarden Dollar. Dazu kamen Investments in 26 Funds. Will man PwC glauben, so hat Fairfield Sentry zwölf Monate vor Madoffs Aus Vermögenswerte von 7,17 Milliarden besessen.

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«Ich bin sicher, dass diese Treasury Bills nie existierten. Und falls doch, dann bestimmt nicht mehr Ende 2007», ist eines der grössten Madoff-Opfer in Genf überzeugt. Andere Bankiers lasten ihre Verluste auch der Gilde der Wirtschaftsprüfer an: Man habe sich auf das Renommée der Revisionshäuser verlassen. Markus Ruffner von der Neuen Privat Bank: «Im Umfeld hoch entwickelter Finanzmärkte bedarf es einer Arbeitsteilung. Als Bankier muss man sich darauf verlassen können, dass alle Beteiligten wie Revision, Depotbank und auch die Aufsicht die ­ihnen im Rahmen einer Rollenteilung zugeordneten Aufgaben erfüllen.»

PricewaterhouseCoopers weist jede Schuld weit von sich. «PwC Kanada war nicht der Revisor für die Investments von Bernard Madoff, wo der angebliche Betrug geschah. Die Prüfung der Bücher von Greenwich Sentry erfolgte auf Basis professioneller Standards. Wir sehen deshalb keine stichhaltigen Gründe für eine Klage», wird BILANZ aus London beschieden.

Kaum einer der Bankiers gibt sich selbstkritisch. Alle zeigen sie mit den Fingern auf die SEC, die Wirtschaftsprüfer, die Depotbanken – wie auch auf ihre Kunden, die unbedingt bei Madoff investieren wollten. Nur sei seine Organisation so raffiniert aufgezogen gewesen, dass niemand das Schneeballsystem habe erkennen können.

Allerdings haben einige wenige sehr wohl gemerkt, dass bei Bernard Madoff etwas nicht koscher ist. So hat die Bank Société Générale 2003 bei Bernard Madoff in New York eine Due Diligence durchgeführt. «Dabei sind mehrere Ungereimtheiten aufgetaucht, insbesondere bezüglich der familiären Organisationsstruktur. Das Hauptproblem aber war, dass die Performance nicht nachvollziehbar war», sagt Christian Gomez, CEO der Züricher Filiale des französischen Instituts. Das Resultat: Die Société Générale setzte «die Fonds rund um Madoff auf die schwarze Liste, und wir haben auch unsere Kunden gewarnt». Die Bank Julius Bär hat Madoff bereits im Frühling 2001 einer routinemässigen Prüfung unterzogen. «Doch er hat keines unserer Kriterien erfüllen können», heisst es aus dem Zürcher Geldhaus.

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SPÄTER TESTLAUF. Bereits ein Jahr früher stoppte der ehemalige CS-Chef Oswald Grübel die Zusammenarbeit der Grossbank mit Madoff. Nach einem Treffen mit Madoff bemängelte Grübel diverse Punkte und kritisierte, dass der Amerikaner die Renditen nicht plausibel erklären konnte. Grübel riet den CS-Kunden zum Rückzug ihrer Gelder, worauf diese 250 Millionen Dollar abzogen. Riskdata wiederum, die Tools für Risikomanager entwickelt, hat 2281 Hedge Funds mit einer speziellen Software analysiert. «Dabei sind rund zwanzig Fonds mit zweifelhafter Performance hängen geblieben, unter anderem Feeder Funds von Madoff», erläutert Ingmar Adlerberg, CEO der französischen Firma. Nur wurde dieser Testlauf erst gemacht, als das Madoff-Milliardenimperium sich bereits als leere Hülle entpuppt hatte.

Was von der Affäre Madoff bleibt, ist ein gigantischer Schuldenberg. Und Hunderte von Klagen. «Der Fall Madoff wird sich wohl über viele Jahre hinziehen. Bei Anlagebetrug sind die Abklärungen jeweils komplex», sagt der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer, der die Interessen von geschädigten Madoff-Kunden wahrnimmt. Der Wirtschaftsanwalt und ehemalige Tessiner Staatsanwalt Paolo Bernasconi, der zahlreiche Vermögensverwalter und Privatinvestoren vertritt, fordert rasches Handeln: «Wir beantragen die Ernennung von Liquidatoren für Feeder Funds und für alle mit Madoff verfilzten Gesellschaften. Zudem sollen weltweit die über Jahre hin einkassierten Schmiergeld-Kommissionen von Verwaltern und ihnen nahe stehenden Vermittlern beschlagnahmt werden.» Die Aufräumarbeiten werden andauern.

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